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Kritik vom Philologenverband Niedersachsen ermöglicht Schulen späteren Unterrichtsstart

Von dpa

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Grant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister in Niedersachsen. Foto: Peter Steffen/dpaGrant Hendrik Tonne (SPD), Kultusminister in Niedersachsen. Foto: Peter Steffen/dpa

Hannover. Länger schlafen, später in die Schule: Für viele Schüler wäre das ein Traum. Schlafforscher raten dazu. Niedersachsen stellt es den Schulen frei, zu einer späteren Uhrzeit anzufangen. Der Kultusminister plädiert aber für den Status quo - Lehrerverbände auch.

Niedersachsen stellt seinen Schulen frei, mit dem Unterricht auch zu einer späteren Uhrzeit zu beginnen. Das Land ermögliche den Schulen mit einem seit längerem bestehenden Regelwerk in dieser Frage eine große Flexibilität, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. „Die Regelung besagt, dass Schule nicht vor 7.30 Uhr beginnen soll. Es ist den Schulen überlassen, ob sie das nach hinten verlagern.“ Der späteste mögliche Schulbeginn sei in dem Erlass nicht festgelegt. Die Schule müsse aber im Blick haben, wie sie ihre Stundentafel umsetzen könne und den Ganztag organisiere. „Erfahrungsgemäß macht ein Unterrichtsbeginn, der sich um 8 Uhr bewegt, schon Sinn“, sagte Tonne.

Schlafforscher raten dazu, den im europäischen Vergleich frühen Schulbeginn in Deutschland auf eine spätere Uhrzeit zu verlegen, da besonders Schüler in der Pubertät dann besser lernen könnten. In Nordrhein-Westfalen gibt es bereits Schulen, die mit einem Schulstart um 9 Uhr experimentieren. Das niedersächsische Kultusministerium hat keine Daten dazu, ob es Schulen im Land gibt, die auf einen späten Unterrichtsbeginn setzen.

Ein späterer Schulstart erscheine vielen Menschen sicherlich grundsätzlich attraktiv, sagt dazu Christian Hoffmann, Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Doch wie wird die Betreuung der Kinder am Morgen sichergestellt, wenn die Eltern zur Arbeit müssen?“ Dazu seien umfangreiche Änderungen im Tagesablauf alle Beteiligten nötig. Auch die Interessen der Beschäftigten müssten berücksichtigt werden. „Bereits jetzt wiegen Fachkräftemangel und Arbeitsüberlastung an den Schulen schwer.“

Beim Schulleitungsverband begrüßt man zwar den Spielraum, den die Regelung des Kultusministeriums den Schulen lässt. Im Flächenland Niedersachsen sei aber vor allem die Schülerbeförderung ein Hindernis für eine flexiblere Gestaltung des Schulablaufs, so Sprecher Frank Stöber. „Grundsätzlich denken wir Schulleitungen, dass die Entscheidung gemeinsam mit Eltern, Schülervertretung und Kollegium getroffen werden muss.“ Wichtig sei ein gutes Ganztagskonzept, damit auch die frühen Zeiten sinnvoll genutzt werden könnten - beispielsweise für den Förderunterricht oder Arbeitsgemeinschaften.

„Der frühe Schulbeginn hat sich bewährt. Wir bekommen sonst morgens nicht genug Stunden untergebracht“, sagt dagegen Horst Audritz vom Philologenverband. Und die Erfahrung im Schulalltag habe gezeigt: Nach der Mittagspause sei der Unterricht in der Regel wenig effizient.


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