Tonne: Noch in diesem Jahr Niedersachsen reformiert Erzieherausbildung

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Kindergärten und Kitas werden mit der versprochenen Beitragsfreiheit zunehmend beliebter. Deshalb fordert die FDP nun Landesgeld für angehende Erzieher. Foto: dpaKindergärten und Kitas werden mit der versprochenen Beitragsfreiheit zunehmend beliebter. Deshalb fordert die FDP nun Landesgeld für angehende Erzieher. Foto: dpa

Hannover. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat eine Reform der Erzieherausbildung angekündigt. Schon ab diesem Sommer soll der Beruf attraktiver werden. Zuvor hatte die FDP einen Umbau des Systems gefordert.

Die rot-schwarze Landesregierung will die Erzieherausbildung reformieren. Bereits zum kommenden Schuljahr werde eine „Niedersachsen-Plan“ genannte Reform starten, um mehr junge Menschen für den Beruf zu gewinnen, kündigte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Gründonnerstag an. „Es geht um Klasse und Masse: Wir wollen mehr Interessierte, die engagiert auf hohem pädagogischen Niveau mit den Krippen- und Kindergartenkindern arbeiten. Es kann nicht sein, dass angehende Fachkräfte für die Bildung, Betreuung und Erziehung unserer Kinder während ihrer Ausbildung auch noch Schulgeld aufbringen müssen“, sagte er.

Schulgeld unter Finanzierungsvorbehalt

Konkret plant das Kultusministerium bereits ab diesem Sommer eine Ausbildung in Teilzeit. Ab 2019 will das Land das Schulgeld für die rund 4400 angehenden Sozialpädagogischen Assistenten und Erzieher übernehmen, die bei freien Trägern ausgebildet werden. Allerdings steht das unter Haushaltsvorbehalt. Zudem plant das Land eine kürzere Ausbildung bei Quereinsteigern mit Vorerfahrung und bis zu 500 zusätzliche sozialpädagogische Ausbildungsplätze an Berufsschulen. „Mit unserem Niedersachsen-Plan für mehr Fachkräfte machen wir die Ausbildung attraktiver und öffnen das Tätigkeitsfeld Kita für weitere, hoch qualifizierte Fachkräfte“, sagte Tonne.

FDP hatte vorgelegt

Tonne äußerte sich am Gründonnerstag, nachdem die oppositionelle FDP einige Stunden zuvor einen eigenen Vorstoß zur Erzieherausbildung vorgelegt hatte. Anlass ist das von SPD und CDU versprochene Ende der Kindergartengebühren im August. Land und Kommunen sind sich bei der Finanzierung weitgehend einig. Bereits kurz nach Ostern könnte die Regierung den Sack zumachen. Das hat bereits Folgen: Die Kommunen berichten von mehr Anmeldungen und steigender Nachfrage nach Ganztagsangeboten.

Liberale wollen 145 Millionen Euro

Dabei fehlen laut dem FDP-Bildungsexperten Björn Försterling schon jetzt etwa 1200 Erzieherinnen und Erzieher. Und das alles angesichts der Forderung nach einer dritten Kraft in Kitas und der Ankündigung des Kultusministeriums, die frühkindliche Sprachförderung von den Grundschulen in die Kindergärten zu verschieben. Nun will die FDP den Beruf mit einer massiven Geldspritze aufhübschen. Die von Tonne in Aussicht gestellte Schulgeldfreiheit fordert die FDP sowieso: Darüber hinaus sollen laut Försterling angehende Sozialpädagogische Assistenten ab 2019 je 500 Euro Ausbildungsvergütung vom Land erhalten, Erzieher in Ausbildung 700 Euro. Alles zusammen soll das Land 145 Millionen Euro jährlich kosten. Das Geld will die FPD anderswo im Haushalt einsparen. Im Gegenzug erteilt die FDP einer dualen Erzieher-Ausbildung, wie sie die Groko im Land laut Koalitionsvertrag entwickeln will, eine Absage. Es mache keinen Sinn, angesichts der aktuellen Not auch noch an der Ausbildung „herumzuschrauben“, sagte Försterling (Weiterlesen: Kommunen fordern duale Ausbildung für Erzieher). Entsprechend lehnt die FDP auch Vorschläge ab, Erzieher so zu bezahlen wie Grundschullehrkräfte.

CDU für duale Ausbildung

Die CDU wiederum ist gegen die FDP-Vorschläge. „Die FDP will in die staatliche Ausbildungssubventionierung einsteigen und angehende Erzieher für ihren Schulbesuch bezahlen. Ein solches Vorgehen wäre in hohem Maße ungerecht denjenigen gegenüber, die während ihrer dualen Vollzeit-Ausbildung in einem Betrieb beschäftigt sind und von diesem tariflich entlohnt werden“, sagte die schulpolitische Sprecherin Mareike Wulf. Stattdessen wolle die CDU in die duale Ausbildung mit Ausbildungsstätte und Fachschule einsteigen, um auf diesem Wege „eine faire Bezahlung“ der Azubis zu garantieren. Wulf wirbt ausdrücklich für dieses Modell. „Ähnliche, bereits erfolgreiche Modelle gibt es für Quereinsteiger in den Erzieherberuf. Diese beweisen, dass der Weg richtig ist und funktionieren kann“, sagte sie.

Das ist auch wohl an die eigene Große Koalition gerichtet: Denn ob die duale Ausbildung, die der CDU vorschwebt, auch die ist, welche das SPD-geführte Kultusministerium plant, ist noch unklar.


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