Vor dem Nährstoffbericht Neue Agrarministerin ringt um Geld für Güllelager

Meine Nachrichten

Um das Thema Niedersachsen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast versuchte am Dienstag, vor ihrem Ministerium in Hannover die Milchkuh Diadem zu beruhigen:; Das Tier fühlte sich in der Hauptstadt sichtlich unwohl, Foto: imago/localpicLandwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast versuchte am Dienstag, vor ihrem Ministerium in Hannover die Milchkuh Diadem zu beruhigen:; Das Tier fühlte sich in der Hauptstadt sichtlich unwohl, Foto: imago/localpic

Hannover. Niedersachsens neue Agrarministerin Barbara Otte-Kinast braucht Millionen. Sie will eine Weideprämie auf den Weg bringen und dem Düngenotstand im Land mit neuen Güllelagern begegnen.

Diadem will nur noch weg vom Agrarministerium in Hannover. Von Minute zu Minute wird die schwarzbunte Milchkuh unruhiger, bis sie endlich zurück in den Viehanhänger darf. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast zeigt Verständnis für den Fluchttrieb der Kuh: „Hier muss ich jeden Tag arbeiten“, entfährt es der CDU-Politikerin. Inwieweit das scherzhaft gemeint ist, bleibt offen. Denn die neue Ressortchefin hat viele Baustellen vor sich: An diesem Dienstag, dem 27. März, sind es Milchbauern, Schafhalter und Naturschützer, die zusammen mit Diadem für eine Weideprämie als Ersatz für eine auslaufende Förderung demonstrieren. Sie suche nach Geld dafür, verspricht die Ministerin. (Weiterlesen: Niedersachsen sucht Ersatz für Weideprämie)

Hilbers gegen Geld für Düngelager

Geld bräuchte Otte-Kinast auch für den heutigen Mittwoch: Da stellt sie den neuen Nährstoffbericht vor. Und in dem wird wohl – wie in den Vorjahren – stehen, dass in viehstarken Regionen in Weser-Ems nach wie vor viel mehr Gülle anfällt, als es der Boden verträgt. Anders als der grüne Vorgänger Christian Meyer setzt Otte-Kinast aber offenbar weniger auf eine Reduzierung der Bestände, sondern vielmehr auf eine Umverteilung in andere Regionen. Ab 2019 hat die Ministerin jährlich zehn Millionen Euro Förderung für Düngelager als „politische Priorität“ bei Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) angemeldet. In einem regierungsinternen Papier, welches unserer Redaktion vorliegt, lehnt der aber ab. Die Wunschlisten aller Ministerien „sprengen den möglichen Rahmen“ der Haushaltsplanung über die ressortbezogenen Eckwerte hinaus, heißt es in dem Papier. Woher das Geld nun kommen soll, ist unklar.

Großgülleanlage geplant

Die Lager in Aus- und Einfuhrregionen sollen den Export von Gülle aus Weser-Ems in die Ackerbauregionen erleichtern, nachdem es in diesem Winter zu dramatischen Engpässen bei der Lagerung gekommen war. Zudem setzt die Politik auf Aufbereitung: Statt wasserreicher Gülle sollen hoch verdichtete Substrate und Flüssigdünger transportiert werden.

Die Hoffnung: Einerseits sollen die Transportkosten sinken, andererseits soll der Naturdünger in den Ackerbauregionen die Konkurrenz aus der Industrie ablösen. Denn viele Landwirte bevorzugen bislang Kunstdünger, der sich besser dosieren lässt und bei den komplizierten Bilanzregeln der Düngeverordnung einfacher einzusetzen ist.

Mega-Gülleaufbereitung geplant

Eine besonders große Anlage ist in Friesoythe im Landkreis Cloppenburg geplant: Binnen zwei Jahren soll dort eine private Aufbereitung der Firma Kaskum mit einer Jahreskapazität von etwa einer Million Kubikmetern Gülle starten. Zwar gibt es noch keine entsprechenden Anträge, doch die Behörden sind im Bilde.„Wir kennen die Pläne von Kaskum und halten sie für sinnvoll“, sagt eine Sprecherin des zuständigen Umweltministers Olaf Lies (SPD). „Unserer Auffassung nach sind solche zentralen Behandlungsanlagen für Gülle ein absolut notwendiger und zukunftsfähiger Weg. In den vergangenen Jahren hat es in Niedersachsen immer wieder Güllehavarien gegeben, die erhebliche Umweltbeeinträchtigungen verursacht haben“, ergänzt die Sprecherin.

Grüne: Massentierhaltung zementiert

Das sehen die Grünen komplett anders: „Letztendlich zäumt man das Pferd von hinten auf: Man versucht nicht, bei den Ursachen anzusetzen, sondern am Ende“, sagt die Grünen-Agrarexpertin Miriam Staudte. Auch mit Aufbereitung werde die Ausbringfläche nicht größer. Zudem würden sich die energieaufwendigen Anlagen bestenfalls voll ausgelastet rentieren. Dazu bräuchten sie auf Dauer viel Gülle. Das „zementiert das System der Massentierhaltung auf Jahrzehnte“, warnt Staudte.

Jedes Gramm Stickstoff benötigt

Hermann Grupe von der FDP hingegen ist sehr angetan von der Idee. Der Abgeordnete hat in Eschershausen in Südniedersachsen einen Hof, der für die Produktion von Weizen auf Dung aus Weser-Ems angewiesen ist. „Bei uns gibt es Bauern, die brauchen jedes Gramm Stickstoff“, sagt Grupe.Wolle sie die Bauern entlasten, solle Otte-Kinast die überbürokratisierte Düngeverordnung angehen, sagt er. (Weiterlesen: der Streit um den Düngekompromiss)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN