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Nach Fall in Großburgwedel Niedersachsens Polizei will Messerattacken zählen

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Nach einem Streit mit Jugendlichen in einem Supermarkt ist eine Frau in Großburgwedel auf offener Straße mit einem Messer niedergestochen worden.  Foto. dpaNach einem Streit mit Jugendlichen in einem Supermarkt ist eine Frau in Großburgwedel auf offener Straße mit einem Messer niedergestochen worden. Foto. dpa

Hannover. Nehmen die Körperletzungen mit Messern zu oder ab? Bislang kann Niedersachsens Polizei darauf keine Antwort geben, weil Messerattacken nicht gesondert erfasst werden. Das soll sich nun ändern.

Niedersachsens Polizei will die Zahl der Messerangriffe künftig statistisch erfassen. Das kündigte eine Sprecherin des Innenministeriums in Hannover gegenüber unserer Redaktion an. „Vor dem Hintergrund der Bedeutung entsprechender Angriffe mit Messern oder sonstiger Stichwaffen, wird die Polizei Niedersachsen zukünftig ein Verfahren entwickeln und dauerhaft etablieren, das im Rahmen der technischen Möglichkeiten eine differenziertere Fallzahlenerhebung und damit belastbarere Aussagen in diesem Kontext ermöglichen soll“, erklärte sie.

Bisher nicht erfasst

Derzeit ist die Zahl der Gewalttaten unter Einsatz eines Messers oder einer anderen Stichwaffe unklar, da dies in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nicht gesondert erfasst wird. In den vergangenen Wochen gab es auch deshalb immer wieder Debatten um die Frage, ob die Zahl der Messerattacken im Land zu- oder abnimmt. Am Montag hatte die Gewerkschaft der Polizei eine statistische Erhebung gefordert. Anlass waren mehrere Messerangriffe im Großraum Hannover am vergangenen Wochenende. Der mutmaßliche Angriff eines 17-Jährigen aus Syrien, der in Großburgwedel eine 24-Jährige niedergestochen haben soll, sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit.

Nur eine Momentaufnahme

Bislang geht die Polizei von einem Rückgang der Messerattacken in Niedersachsen aus. Eine aktuelle Recherche des Landeskriminalamts Niedersachsen in der so genannten Eingangsstatistik lasse nach erster Einschätzung den Schluss zu, dass die Zahl der Messerangriffe „nach einem Anstieg in den letzten Jahren, im vergangenen Jahr wieder leicht gesunken ist“, sagte die Ministeriumssprecherin. Die Zahlen aus der Eingangsstatistik seien aber nicht ausreichend belastbar, da sie lediglich eine Momentaufnahme darstellten. Insgesamt bleibe festzustellen, dass der Anteil von Delikten mit Messereinsatz in Bezug auf sämtliche Gewalttaten der Deliktsbereiche „Straftaten gegen das Leben“ und „Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit“ sehr gering sei. In beiden Deliktbereichen gingen die Fallzahlen im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr laut PKS zurück. Auch insgesamt sank die Kriminalitätsbelastung demnach, allerdings gaben auch mehr Niedersachsen an, sich zu bewaffnen.


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