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23.03.2018, 16:37 Uhr KOMMENTAR

Verzerrte Bilder der Kriminalität

Kommentar von Klaus Wieschemeyer

Besonders Frauen meiden Angsträume wie diese Unterführung in Osnabrück. Foto: Michael GründelBesonders Frauen meiden Angsträume wie diese Unterführung in Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Nach einer Studie des Landeskriminalamts wächst die Angst der Niedersachsen, Opfer von Verbrechen zu werden. Dabei hat die Kriminalstatistik zuletzt rückläufige Kriminalitätsbelastungen festgestellt. Passt das zusammen? Ja, findet unser Kommentator.

Es sind scheinbar widersprüchliche Zahlen: Laut polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) sind Niedersachsens Bürger derzeit so sicher wie lange nicht mehr. Laut Befragung des Landeskriminalamts wächst jedoch die Angst der Niedersachsen, zum Opfer zu werden. Insbesondere junge Frauen meiden dunkle Ecken und fühlen sich unsicher, wenn ihnen nächtens ein Unbekannter begegnet.

Ein Widerspruch? Nein, denn beide Erhebungen zeichnen ein verzerrtes Bild der Lage im Land: Die PKS zählt nur, was der Polizei an konkreten Straftaten bekannt wird. Wird keine Anzeige erstattet, bleibt Kriminalität im Dunkeln. Das gilt nicht nur bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie dem geklauten Fahrrad. Auch das Opfer häuslicher Gewalt taucht erst in der Statistik auf, wenn es sich endlich traut, zur Polizei zu gehen.

Die Dunkelfeldstudie nimmt hingegen auch persönliche Stimmungen auf. Die neueste Erhebung spiegelt die Verunsicherung durch Flüchtlingskrise, Einbruchserien und aufgeregte Debatten über spektakuläre Kriminalfälle wider.

Erst zusammengenommen zeichnen beide Erhebungen ein differenziertes Bild von der Sicherheit im Land. Vollständig ist auch dieses nicht. Das wird es auch nie sein: Zu schnell verändern sich Kriminalität und ihre Wahrnehmung in der Bevölkerung.


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