LKA-Studie: Frauen verunsichert Jeder dritte Niedersachse wird Straftat-Opfer

Von Klaus Wieschemeyer

Insbesondere junge Frauen fühlen sich der Studie zufolge unsicher. Foto: colourbox.deInsbesondere junge Frauen fühlen sich der Studie zufolge unsicher. Foto: colourbox.de

Hannover. Trotz sinkender Kriminalitätsbelastung nimmt die Angst, Opfer einer Straftat zu werden, in Niedersachsen zu. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Landeskriminalamts, an der 2017 etwa 18.000 Personen teilgenommen haben. Wir fassen einige zentrale Ergebnisse zusammen:

Opfer von Straftaten: Mit 32Prozent gab bei der Befragung von 2017 fast jeder Dritte an, im Vorjahr Opfer einer Straftat geworden zu sein. Das ist eine Steigerung gegenüber den beiden Vorstudien von 2013 (29,7 Prozent) und 2015 (29,2 Prozent). Mehr als die Hälfte der Betroffenen gab dabei an, mehr als einmal Opfer geworden zu sein. Die Gefahr, Opfer zu werden, nimmt demnach mit dem Alter stetig ab. Bei den Personen bis 34 Jahre gab fast jeder Zweite eine so genannte Viktimisierung an, bei den Über-80-Jährigen nur noch jeder siebte.

Verdeckte Kriminalität: Vielfach werden Straftaten nicht angezeigt und deswegen auch nicht Teil der polizeilichen Kriminalstatistik. Dieses sogenannte Dunkelfeld fällt bei verschiedenen Delikten erfahrungsgemäß sehr unterschiedlich aus. Aufgrund der Befragung und Erfahrung geht das LKA davon aus, dass aus Versicherungsgründen fast alle Kfz-Diebstähle angezeigt werden. Ganz anders sieht es bei Computerkriminalität aus: Hier gehen die Forscher von einem Dunkelfeld von 85 Prozent aus. Bei sexuellem Missbrauch vermuten Kriminalisten ein besonders großes Dunkelfeld: Nicht einmal jeder 65. Übergriff wird Schätzungen zufolge angezeigt. Diese Hochrechnung gilt aber wegen der niedrigen bekannten Fallzahlen als besonders umstritten.

Ängste junger Frauen: Während sich die Niedersachsen insgesamt in Wohnung und Nachbarschaft überwiegend sicher fühlen, ist dieser Wert bei den jungen Frauen unter 21Jahren besonders niedrig. Während insgesamt nicht einmal jeder achte Befragte sich in seinem Umfeld unsicher fühlte, waren es bei den jungen Frauen mit 28,4 Prozent mehr als jede vierte. Im Vergleich zur Vorstudie aus dem Jahr 2015 ist dies eine Steigerung von vier Prozentpunkten.

Folgen im Alltag:Diese Furcht wirkt sich auch auf das alltägliche Leben aus: 37,2 Prozent der befragten Frauen gaben an, Angsträume wie bestimmte Plätze, Straßen oder Parks zu meiden. Etwa jede Fünfte erklärte, bei Dunkelheit ungern das Haus zu verlassen oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. 6,4 Prozent gaben an, Reizgas, Messer oder andere Waffen bei sich zu führen, dies ist ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Untersuchungen. Insbesondere junge Frauen bis 20 Jahre und alte ab 80 Jahre zeigen ein hohes Vermeidungsverhalten. Bei Männern sind Vermeidungsstrategien dagegen weit weniger verbreitet. Sie nehmen mit zunehmendem Alter zu.

Flüchtlinge als Nachbarn:Vier Fünftel der Befragten nahmen nur wenige bis keine Geflüchteten in ihrer Umgebung wahr. Jeder fünfte Befragte empfand Flüchtlinge als Nachbarn als Bereicherung, etwa jeder Zehnte als Bedrohung. Laut Studie halten sich diejenigen, die Flüchtlinge wahrnehmen und sich von ihnen bedroht fühlen, auch insgesamt stärker von Kriminalität bedroht als Personen, die dies nicht tun.

Bewertung der Polizei: Insgesamt bekommt die Polizei von der Bevölkerung überwiegend gute Noten für ihre Arbeit. Dies gilt sowohl für Befragte mit als auch ohne Migrationshintergrund. Fast 30 Prozent der Befragten empfanden die Beamten aber als überlastet. Opfer von Hasskriminalität und Körperverletzungen machten schlechtere Erfahrungen beim Polizeikontakt.