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Erneuter Fluchtversuch vereitelt Polizei schnappt 22-jährige Ausbrecherin aus Vechta

Die Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta. Foto: dpaDie Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta. Foto: dpa

dpa Oldenburg/Vechta. Die Flucht endete nach nur vier Tagen, ein weiterer Fluchtversuch scheiterte gleich im Ansatz. Eine wegen Totschlags verurteilte junge Frau sitzt wieder hinter Gittern. Vermutlich dürfte man sie im Gefängnis nun genauer beobachten.

Am Donnerstag gegen 21.30 Uhr war die Flucht zu Ende. Spezialkräfte der Polizei gingen in eine Wohnung in Dassel (Kreis Northeim). Dort nahmen sie eine 22 Jahre alte Gefängnisausbrecherin fest, die sich offenbar in Dassel zu einem Bekannten geflüchtet hatte. Die Beamten führten sie ab, waren aber kurze Zeit später erneut gefordert, denn die 22-Jährige versuchte, wieder zu flüchten. Diesmal blieb es beim Versuch. Sie sitzt wieder im Gefängnis.

Spektakuläre Flucht

Ihre Aktion dürfte den weiteren Haftalltag der wegen Totschlags zu elf Jahren Gefängnis verurteilten junge Frau nicht förderlich sein. Zwar ist der Ausbruch an sich nicht strafbar. Ob sie wieder in die sozialtherapeutische Abteilung einer JVA kommt, ist mehr als fraglich. Der angehenden Automechanikerin war die Flucht aus dem Frauengefängnis Vechta am Montag unter spektakulären Umständen gelungen. Wie sie anschließend in die rund 180 Kilometer entfernte Kleinstadt Dassel in Südniedersachsen kam, ist unklar.

Beim Ausbruch kamen ihr vermutlich ihre handwerklichen Fähigkeiten zu Gute. Denn für die Flucht aus dem Gefängnis musste sie erst mal das Schloss einer Dachluke im Flur vor der Bibliothek knacken. Nur so konnte sie übers Dach entkommen. Auch ein gut dreieinhalb Meter hoher Zaun war kein Hindernis. Das Gebäude der sozialtherapeutischen Abteilung, einer Außenstelle des Frauengefängnisses, ist nicht so stark gesichert wie der normale geschlossene Vollzug. Die Fenster in der Einrichtung sind nicht vergittert.

Wohin wird die 22-Jährige gebracht?

In der Sozialtherapie steht der Resozialisierungsgedanke für die inhaftierten Frauen im Vordergrund. „Die Klientin setzt sich in der Behandlungszeit mit der Straftat, deren Hintergründen und Folgen auseinander. Es geht um Förderung sozialer Kompetenzen, Stärkung bestimmter Verhaltensweisen sowie um den Abbau von Verhaltungsweisen, die Straftaten begünstigen“, heißt es auf der Internetseite der JVA. Ungewiss ist, ob die 22-Jährige wieder nach Vechta gebracht wird. Die Gefangene wurde am Donnerstag um 23.30 Uhr erst mal in die JVA für Frauen (Abteilung Hildesheim) gebracht.

„Die Festnahme verlief unproblematisch“, sagte der Sprecher des niedersächsischen Justizministeriums, Christian Lauenstein. Niemand sei verletzt worden und der Fluchtversuch auf dem Weg zur Polizeiwache haben sofort vereitelt werden können. Auch ohne Öffentlichkeitsfahndung kamen die Ermittler auf die Spur der Flüchtigen. Als Gefahr für die Allgemeinheit wurde die Frau nicht eingestuft. Zwar sitzt sie wegen eines Kapitaldeliktes in Haft, doch das war eine Beziehungstat. Im Gefängnis war die 22-Jährige auch nicht als aggressiv aufgefallen.

Flucht mit Liebhaber

Wozu sie fähig ist, zeigt aber die Bluttat vom Juli 2016. Damals hatte sie ihren mehr als 40 Jahre älteren Mann mit acht Schüssen in der kleinen Gemeinde Algermissen im Kreis Hildesheim getötet. Aus nächster Nähe schoss sie auf den 63-Jährigen, der nur mit einer Unterhose bekleidet war. Danach legte sie eine Decke über die Leiche, nahm das Auto ihres Mannes und holte ihren jungen Liebhaber ab. Gemeinsam mit ihm fuhr sie in den Süden: über Prag und Wien nach Italien. Das Landgericht Hildesheim verurteilte sie im vergangenen März zu elf Jahren Haft. Die Frau bestritt die Tat bis zum Schluss.

Auch nach der Flucht und der Festnahme bleiben viele Fragen offen - auch aus ermittlungstaktischen Gründen. Wie kamen die Ermittler letztlich auf die Spur der Frau? Wer war die Kontaktperson in Dassel? Wie lief der zweite Fluchtversuch genau ab? Wollte sie aus einem Polizeiauto flüchten? Sollte sie bei der Aktion Widerstand gegen Vollzugsbeamte geleistet haben, ergäbe sich daraus laut Strafgesetzbuch möglicherweise eine zu ahndende Straftat. Die kurze Flucht in die Freiheit wird der Frau jedenfalls keine Haftzeit ersparen - die vier Tage muss sie nachsitzen.