Wege aus Düngekrise gesucht Aufbereitung soll Güllenot in Niedersachsen lindern

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Gülleausbringung in Niedersachsen. Foto: dpaGülleausbringung in Niedersachsen. Foto: dpa

Hannover. Der Dünger-Überschuss in den Tierhaltungsregionen Niedersachsens verschärft sich voraussichtlich weiter. Der Abtransport überschüssiger Gülle alleine dürfte auf Dauer nicht mehr reichen. Die Landwirtschaftskammer setzt auf Aufbereitung.

Wenn Agrarministerin Barbara Otte-Kinast am kommenden Mittwoch den neuen Nährstoffbericht für Niedersachsen vorstellt, dürfte es wieder schlechte Nachrichten geben: Voraussichtlich wird die CDU-Politikerin verkünden, dass die Landwirtschaft Zigtausende Tonnen Stickstoff und Phosphor zu viel produziert.

Seit Jahren macht Niedersachsen mit Überdüngung und nitratbelastetem Grundwasser Schlagzeilen. ( Weiterlesen: Vorstellung des Nährstoffberichts 2017 durch Otte-Kinasts Vorgänger Christian Meyer)

Zuletzt kündigte das Landwirtschaftsministerium nach einem Notstand im vergangenen Winter die Förderung größerer Güllebehälter an.

Export reicht bald nicht mehr

Zwar gibt es im Land Ackerbauregionen, die den natürlichen Dünger aus den großen Ställen im Nordwesten theoretisch gut gebrauchen könnten. Doch dort setzen viele auf künstlichen Mineraldünger. Selbst die derzeitige Ausfuhr von etwa drei Millionen Tonnen vor allem aus der Tierhaltungshochburg Weser-Ems in andere Regionen dürfte künftig nicht mehr reichen. In einem am Mittwoch veröffentlichten Strategiepapier geht die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) wegen neuer Phosphor-Grenzwerte von einem Zusatzbedarf von etwa 1,4Millionen Tonnen aus. „Dieses ist aufgrund der gegebenen rechtlichen und strukturellen Bedingungen technisch und logistisch real nicht vorstellbar.“ Dabei geht die LWK davon aus, dass der rechnerische Nährstoffüberschuss im Nordwesten des Landes durch neue Gesetzesvorgaben der Düngeverordnung noch weiter steigt.

Landwirtschaftskammer zuversichtlich

Trotz dieser Zahlen ist Stefan Ortmann, Chef des Geschäftsbereichs Landwirtschaft in der LWK, für die kommenden Jahre zuversichtlich. Es sei bereits vieles erreicht worden, und es komme noch mehr: „In der Branche ist einiges in Bewegung. Ich bin sicher, dass wir in zwei bis drei Jahren tolle Ergebnisse haben“, sagte Ortmann unserer Zeitung. So arbeite die Branche, insbesondere ein Aktionsbündnis im Oldenburger Münsterland, an vielen Ansätzen: Die reichen von Futter mit weniger Stickstoff und Phosphor über weniger Tiere bis hin zur konkreten Nährstoffanalyse der Gülle für den ausbringenden Ackerbauern.

Vollaufbereiter beantragt

Große Hoffnungen setzt Ortmann insbesondere in die Aufbereitung der Gülle. Dabei kann es um den Entzug von Wasser gehen, um mehr Nährstoff pro Fuhre in die Ackerbauregionen zu bekommen. Oder um viel mehr: Derzeit gibt es Ortmann zufolge in Weser-Ems gleich mehrere Bauanträge für Anlagen zur Vollaufbereitung. Darunter sind auch größere Anlagen, die für die Verarbeitung hunderttausender Tonnen Gülle geeignet sein sollen. Aus den bisherigen Pilotanlagen kommen neben Wasser nährstoffreiche Flüssig- und Festdünger, die es mit gekauften Mineraldüngern aufnehmen sollen.

Die Branche hofft, dass die Vollaufbereiter aus dem Problemstoff Gülle einen Wertstoff machen und somit die Diskussion um hohe Viehbestände beenden können. Das käme dann auch der Ministerin beim Nährstoffbericht entgegen.


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