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Fragen und Antworten Neues Bündnis will mehr günstige Wohnungen in Niedersachsen bauen

Von dpa

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Angesichts steigender Mieten wollen die niedersächsische Regierung, Mieter- und Vermieterverbände gemeinsam für mehr günstige Wohnungen sorgen. Foto: dpaAngesichts steigender Mieten wollen die niedersächsische Regierung, Mieter- und Vermieterverbände gemeinsam für mehr günstige Wohnungen sorgen. Foto: dpa

Hannover. Größere Städte wie Hannover, Osnabrück und Braunschweig ziehen viele Menschen an. Doch der Platz in den Städten ist begrenzt, die Mieten teuer. Ein Bündnis will jetzt mit allen Interessengruppen eine Lösung für Niedersachsen finden.

Die Mieten in großen Städten in Niedersachsen steigen seit Jahren kontinuierlich. Das wollen die niedersächsische Regierung sowie Mieter- und Vermieterverbände gemeinsam ändern. Dazu haben sie am Mittwoch in Hannover ein „Bündnis für bezahlbares Wohnen in Niedersachsen“ gegründet. Das Ziel: Möglichst schnell Wege finden, um mehr günstige Wohnungen zu bauen. Ein wichtige Maßnahme: Investoren das Bauen attraktiver zu machen. Wie wird das klappen? Und warum haben bisherige Lösungen nicht funktioniert, mehr günstigen Wohnraum zu schaffen? Fragen und Antworten:

Warum steigen die Mieten in Niedersachsen immer weiter?

Mietpreise belasten vor allem Menschen in den großen Städten. Dorthin ziehen viele neue Bewohner, weil der Arbeitsmarkt dort mehr Chancen bietet als etwa ländliche Gebiete. Gleichzeitig ist die Anzahl der Single-Haushalte gestiegen - die Nachfrage nach kleinen Wohnungen also größer als früher. Vor allem günstige Wohnungen sind knapp geworden. Hausbesitzer können deshalb immer höhere Mieten verlangen. In den zehn größten Städten in Niedersachsen sind die Mieten neu vermieteter Wohnungen laut Berechnungen der Niedersächsischen Investitions- und Förderbank (NBank) zwischen 2010 bis 2016 um 24 Prozent gestiegen. Und bis 2035 sollen rund 300 000 Wohnungen fehlen. Auf dem Land ist das Problem dem Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen und Bremen zufolge weniger oder sogar nicht spürbar.

Warum werden nicht einfach mehr Wohnugen gebaut?

Investoren- und Bauvertreter wollen nicht viel mehr günstige Wohnungen bauen. Ihre Argumente: Sie müssen zu viele Bauauflagen erfüllen und die Bodenpreise steigen. Damit sich das Bauen lohne, fordern sie mehr finanzielle Unterstützung vom Staat. Der Staat habe Investoren zu lange zu wenig Anreize gegeben, um mehr günstige Wohnungen zu bauen, betont zum Beispiel Hans Reinold Horst, der Verbandsvorsitzende von „Haus & Grund Niedersachsen“.

Werden die Mieten also weiter steigen?

Wahrscheinlich ja. Ein zentrales Problem sind die Sozialwohnungen. Von denen gibt es immer weniger: Zurzeit gibt es rund 73 000. Bis 2022 soll es laut Umwelt- und Bauminister Olaf Lies (SPD) nur noch rund 40 000 geben.

Warum haben bisherige Lösungen gegen den Preisanstieg versagt?

Da gab es hauptsächlich die Mietpreisbremse, die die Bundesregierung beschloss. In Niedersachsen gilt die Bremse seit Ende 2016 in 19 Kommunen, unter anderem in Hannover, Osnabrück, Braunschweig und in den sieben ostfriesischen Inselgemeinden. Ein Vermieter darf dort von einem neuen Mieter höchstens zehn Prozent mehr Miete verlangen als in dem Ort für eine ähnliche Wohnung üblich ist.

Tatsächlich müssen aber Vermieter, die sich nicht an die Mietpreisbremse halten, keine Strafe bezahlen, selbst wenn ein Mieter vom Verstoß erfährt. Darüber klagen Mietervertreter. Außerdem könnten Mieter nur schwer herausfinden, wie viel ihr Vormieter für dieselbe Wohnung bezahlt hat oder wie hoch die örtliche Vergleichsmiete ist. Die Vermieterseite ist auch unzufrieden: Durch die Mietpreisbremse könnten Investoren mit Mieten nicht mehr so viel Geld verdienen, um es dann wieder in soziale oder günstige Wohnungen zu investieren, erklärt Reinold Horst.

Was könnte das neue Bündnis in Zukunft tun?

Das Bündnis will es Investoren unter anderem attraktiver machen, günstig zu bauen. Der Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Heiner Pott, schlägt etwa vor, dass der in Niedersachsen geltende Quadratmeterpreis für Sozialwohnungen von 5,60 Euro auf 6,50 Euro angehoben werden könnte. Gleichzeitig sollten diese Wohnungen kleiner sein. „Bezahlbare Wohnungen gibt es nur, wenn mehr gebaut wird“, sagt Peter-Georg Wagner vom Immobilienverband Deutschland.

Umwelt- und Bauminister Olaf Lies (SPD) erklärte sich bereit, mehr Geld für die Förderung von günstigen und Sozialwohnungen auszugeben. Außerdem werde er sich einsetzen, bürokratische Hürden abzubauen, damit das Bauen günstiger wird. Lies will zudem ganzheitlich denken: „Wenn wir dörfliche Strukturen durch eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr aufwerten und attraktiver machen, kann sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt ebenfalls entspannen.“

Eine weitere Lösung für die Städte könnte vertikales Bauen sein. Das heißt: Weitere Geschosse auf bestehende Häuser oder weitere Häuser auf bestehende Grundstücke zu bauen. Dazu rät etwa Immobilienökonom Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Der Staat könnte diese Bauart fördern.


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