Wer darf künftig wo fischen? Brexit bedroht den deutschen Hering

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Frisch gefangen: Ein Fischer holt einen Hering aus einem Netz. Foto: dpaFrisch gefangen: Ein Fischer holt einen Hering aus einem Netz. Foto: dpa

Osnabrück. Der deutsche Hering ist eigentlich Brite. Zumindest wird er in Hoheitsgewässern des Königreichs gefangen. Weil sich Großbritannien aber aus der Union verabschieden wird, stellt sich nun die Frage, wie es weitergeht mit der Fischerei.

Niedersachsachsens Europa-Ministerin Birgit Honé (SPD) hat die EU-Kommission aufgefordert, bei den Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien stärker die Interessen der europäischen und deutschen Fischer zu berücksichtigen.

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte die derzeitige Vorsitzende der Europaministerkonferenz: „Die deutschen Hochseefischer erwirtschaften ihren Umsatz zu zwei Dritteln in britischen Hoheitsgewässern. Die Kommission muss darauf drängen, dass das auch nach einem Brexit möglich bleibt.“ Andernfalls sei die Zukunft des deutschen Industriezweiges gefährdet, sagte Honé.

Deutscher Hering kommt überwiegend aus britischen Gewässern. Bei den Makrelen sind es etwa 50 Prozent. Ein EU-weites Quotensystem regelt, welche Mengen die Hochseeflotten der einzelnen Nation fischen dürfen.

Neben den deutschen sind auch die Flotten anderer europäischer Nationen vor Großbritannien unterwegs. Zum Leidwesen der britischen Fischer. Die dortige Branche galt deswegen als großer Befürworter des EU-Ausstiegs.

2017 hatte Großbritannien bereits ein Fischereiabkommen mit sechs Staaten – darunter Deutschland und die Niederlande – gekündigt. Der Vertrag erlaubte es den ausländischen Schiffen, sechs bis zwölf Seemeilen vor der britischen Küste zu fischen, und war bereits vor dem EU-Beitritt der Insel geschlossen worden.

Mit dem Brexit erlischt nun auch das EU-Fischereiabkommen. Dieses regelt bislang das Fischen in der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone, die 200 Seemeilen weit reicht.

Briten exportieren Fisch

Theoretisch könnte Großbritannien Ausländern künftig das Fischen in dieser Zone untersagen, wenn keine anderslautenden Vereinbarungen getroffen werden. Die niedersächsische Europa-Ministerin fordert, die EU-Kommission müsse in den Verhandlungen mit London die Frage nach Fangquoten und -gründen mit denen nach Absatzmärkten verbinden. Honé: „Die Briten wollen ihren Fisch schließlich auch verkaufen. Das sollten sie bei den Brexit-Verhandlungen bedenken.“

Eine vergleichbare Forderung hatte bereits der Deutsche Hochseefischereiverband aufgestellt. Ihm gehören drei Mitgliedsunternehmen mit Sitzen in Bremerhaven, Cuxhaven und Sassnitz an. Sie beschäftigen 450 Menschen, davon 340 auf insgesamt acht Fangschiffen.

Eine Analyse des bundeseigenen Thünen-Instituts hatte ergeben, dass Großbritannien mehr Fische und Fischprodukte in die EU exportiert als importiert. Sie ist wichtigster Absatzmarkt für die Briten. „Beim Marktzugang für Fischerzeugnisse hätte Großbritannien also mehr zu verlieren als die EU“, so die Experten in ihrer Mitteilung. Allerdings ist das Verhältnis mit Blick auf Deutschland genau umgekehrt: Die Bundesrepublik exportiert Waren im Wert von 230 Millionen Euro und importiert hingegen nur etwa 105 Millionen Euro.


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