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02.03.2018, 19:31 Uhr KOMMENTAR ZU MOBILITÄT

Sammeltaxi à la VW: Der letzte Moiakaner

Von Katharina Ritzer


Streit um neues Mobilitätskonzept: Im vergangenen Oktober startete in Hannover der neue VW-Shuttleservice Moia seinen Testbetrieb. Der Konzern hat mit der Tochter große Pläne. Foto: MoiaStreit um neues Mobilitätskonzept: Im vergangenen Oktober startete in Hannover der neue VW-Shuttleservice Moia seinen Testbetrieb. Der Konzern hat mit der Tochter große Pläne. Foto: Moia

Osnabrück. Volkswagen will mit der Konzerntochter Moia zu einem der weltweit führenden Mobilitätsanbieter werden. Aus der Taxi- und Mietwagenbranche regt sich Widerstand gegen das Projekt im ersten Testmarkt Hannover – mit Recht, findet unsere Kommentatorin.

Klingt doch gut: Mit der App ein Sammeltaxi rufen, nicht lange warten, ziemlich nah am Ziel abgesetzt werden. Da mischt sich das Konzept des Taxi-Dienstes Uber, bei dem der Wagen eines privaten Fahrers per Smartphone gerufen wird, mit dem Angebot von Sammeltaxis, das es ja schon länger gibt. Wobei Uber in Europa und speziell in Deutschland keinen Reifen auf die Erde bekommt, weil im Personenbeförderungsgesetz mit guten Gründen ein Personenbeförderungsschein vorgeschrieben ist, den der private Uber-Fahrer eben nicht hat.

Für den Moia-Testlauf muss sich VW nicht an das strenge Gesetz halten, der Konzern hat im niedersächsischen Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann den richtigen Fürsprecher. Da ist die Wut der klassischen Taxibranche unter anderem im betroffenen Hannover über diese Ungleichbehandlung vollkommen berechtigt.

Doch greift diese Kritik an Moia noch viel zu kurz. Das Projekt bedient nur den urbanen Ballungsraum, in dem es vom Carsharing über Taxen und Mietwagen bis hin zum ÖPNV mit U-Bahn, Straßenbahn und Bus ohnehin schon jede Menge Angebote gibt. Deutlich sinnvoller wäre ein VW-Engagement mit dem Geld und der Macht eines Weltkonzerns im immer abgehängteren ländlichen Raum.

Aber offenbar glaubt man in Wolfsburg, mit Moia auf den verstopften Straßen der Metropolen in aller Welt noch Geld verdienen zu können. Und das macht Moia dann zum vorerst letzten Moiakaner eines nur leicht modifizierten Individualverkehrs. Hoffentlich profitiert zumindest jedes VW-E-Auto der Zukunft von der Akku-Entwicklung des neuen Bullis.


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