Shuttleservice will in Hamburg und Hannover wachsen Taxibetriebe fürchten VW-Tochter Moia

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Streit um neues Mobilitätskonzept: Im vergangenen Oktober startete in Hannover der neue VW-Shuttleservice Moia seinen Testbetrieb. Der Konzern hat mit der Tochter große Pläne. Foto: imago/Henning ScheffenStreit um neues Mobilitätskonzept: Im vergangenen Oktober startete in Hannover der neue VW-Shuttleservice Moia seinen Testbetrieb. Der Konzern hat mit der Tochter große Pläne. Foto: imago/Henning Scheffen

Hannover. Mit der neuen Konzerntochter Moia will Volkswagen zu einem der weltweit führenden Mobilitätsanbieter werden. Im ersten Testmarkt Hannover regt sich Widerstand gegen das Projekt. Taxi- und Mietwagenunternehmer fühlen sich benachteiligt.

Die mögliche Zukunft der Mobilität kurvt derzeit in Form von 20 dunklen T6-Bullis durch Hannover. Seit Oktober kutschieren die auffälligen Shuttles der Volkswagen-Tochter Moia etwa 2000 Tester für einen Kilometerpreis von 6 Cent pro Person durch die Stadt.

Bald sollen es 35 Bullis sein, und auch das ist nur ein Vorgeplänkel, um das appbasierte Angebot zu testen: Zum Jahreswechsel will Moia in Hamburg mit zunächst 200 eigens für den Dienst entwickelten und in Osnabrück gebauten E-Mobilen durchstarten. Auf Dauer sollen es in der Hansestadt 1000 Fahrzeuge werden.

Andere sind weiter

Auch die Preise dürften auf Dauer steigen und sollen irgendwo zwischen Taxi und U-Bahn liegen. Mit weiteren Städten – national und international – sei man im Gespräch, sagt ein Moia-Sprecher.

Aus Sicht von VW ist es höchste Zeit, denn andere Konzerne arbeiten schon länger an Modellen, um vom Autobauer zum Mobilitätsdienstleister zu werden: So verfügen Daimler und BMW mit „ Car2Go “ und „DriveNow“ längst über eigene Carsharingfirmen. Moia ist dagegen erst Ende 2016 offiziell gestartet.

Neu definierte Mobilität

Aus Sicht der Moia-Macher definiert das Unternehmen die „Mobilität von Menschen im urbanen Raum“ ganz neu. Weil es so neu und anders sein will, hat das Unternehmen eine Sondergenehmigung der Stadt Hannover bekommen und muss nicht die teils strengen Vorgaben des Personenbeförderungsgesetzes erfüllen.

Das ist auch das Argument für einen am 17. Januar bei der Stadt gestellten Antrag auf eine „vierjährige Erprobungsphase“. Das bringt das etablierte Verkehrsgewerbe auf die Palme: „Es ist ja rechtens, wenn ein großer Anbieter mit viel Kapital in einen Markt einsteigt, obwohl die Regeln des Wettbewerbsrechts in diesem Fall schon massiv gedehnt werden, aber dann sollte er sich auch an die Regeln halten. Bei uns ist es das Personenbeförderungsgesetz“, sagt Gunther Zimmermann.

„Gesetze gelten für alle“

Zimmermann ist beim Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) für Taxen und Mietwagen zuständig. Etwas Neues kann er bei Moia nicht entdecken. Es gebe appbasierte Angebote ebenso wie Sammeltaxen oder Shuttles. „Eigentlich geht es lediglich um Sammelverkehr mit Mietwagen. Das ist zwar rechtlich problematisch, aber nicht revolutionär“, sagt er und ergänzt: „Inakzeptabel ist, dass Moia unter dem Begriff Exklusivverkehr ganz klassische Mietwagenverkehre abwickeln will, ohne die dafür geltenden gesetzlichen Regelungen einzuhalten.“ Das sei nicht rechtens. „Recht und Gesetz gelten für alle, auch für den Volkswagenkonzern“, sagt er.

Berichten zufolge, die weder Moia noch die Stadt Hannover gestern kommentieren wollten, will die VW-Tochter bis zu 250 Fahrzeuge auf Hannovers Straßen bringen. Vier Jahre später gebe es keine Taxen mehr in der Stadt, sagt Zimmermann.

Althusmann schweigt

Zimmermanns Verband hat sich an den neuen niedersächsischen Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann (CDU) gewandt: Bei einem parlamentarischen Abend am Mittwoch sprach GVN-Präsident Mathias Krage Althusmann vor Hunderten Gästen auf die aus seiner Sicht ungleiche Behandlung an. In einer launigen Rede umschiffte der aber das Thema.

Ministerium will Moia erhalten

Am Donnerstagmorgen gestellte Anfragen unserer Redaktion beantwortete das Wirtschaftsministerium bis gestern Nachmittag nicht. Dabei liegt Althusmanns Ressort wohl klar auf VW-Linie. „Verkehrspolitisch besteht ein Interesse daran, dass das innovative Verkehrsangebot von Moia [...] nach einem erfolgreichen Verlauf der Erprobungsphase dauerhaft in der Landeshauptstadt erhalten bleibt“, heißt es in einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der FDP.


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