Metaller gegen Umwelthilfe Arbeitgeber sehen „Panikmache“ in Dieseldebatte

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Volker Schmidt attackiert die Deutsche Umwelthilfe. Foto: Niedersachsenmetall/GossmannVolker Schmidt attackiert die Deutsche Umwelthilfe. Foto: Niedersachsenmetall/Gossmann

Hannover. Mit ihrem Feldzug gegen zu hohe Stockoxidgrenzwerte hat sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH) den Zorn von Niedersachsenmetall zugezogen: „Die DUH ist der Turbolader der deutschen Hysteriemaschine“, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt.

Nach neuen Forderungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf baldige Dieselfahrverbote in deutschen Städten hat der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall den Verein scharf kritisiert: „Die DUH ist der Turbolader der deutschen Hysteriemaschine“, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt unserer Redaktion. Niedersachsenmetall vertritt eigenen Angaben zufolge deutschlandweit etwa 180 Automobilzulieferer mit knapp 100000 Mitarbeitern. Schmidt zufolge geht die Debatte um die Stickoxidbelastung und Fahrverbote in belasteten Städten weit an der Realität vorbei. Der Streit um Grenzwerte sei „absurd“. (Weiterlesen: Richter erlauben Fahrverbote und was Diesel-Fahrer jetzt wissen müssen).

„Noch nie so sauber wie heute“

„Noch nie war die Luft in den deutschen Städten so sauber wie heute“, betonte er. Die Grenzwerte seien nicht nachvollziehbar. Es sei „unerträglich, wie wir mit Hysterie ohne Not eine Vorzeigeindustrie zerstören.“ In Deutschland leben Schmidt zufolge etwa eine halbe Million Menschen von der Automobilbranche. Maßgeblichen Anteil an der erregten Debatte habe die Umwelthilfe, deren Geschäftsmodell auf „Skandalisierung“ beruhe, sowie ihr Geschäftsführer Jürgen Resch. „Die DUH lebt von Panikmache und Resch schürt die Grenzwertphobie“, sagte Schmidt. (Weiterlesen: Lungenarzt aus Stuttgart bestreitet Gefahren durch Autoabgase)

Heute der Diesel, morgen der Benziner

Resch hatte am Donnerstag gegenüber unserer Redaktion der Stadt Osnabrück Klagen wegen Verfehlung der Luftreinhaltung angedroht. Osnabrück gehört mit Oldenburg, Hannover, Wolfsburg und Hildesheim zu den niedersächsischen Städten, die Grenzwerte reißen. Am 19. März will die Landesregierung mit de Kommunen über Schritte zur besseren Luft diskutieren.

Auch mit einem Einfahrverbot für ältere Diesel in belasteten Städten werde die Debatte in Deutschland ungehindert weitergehen, warnte Schmidt: „Eine Hysterie jagt die nächste: Heute ist es der Diesel, morgen wird es der Benziner sein.“

Schmidt: Belastung stark gesunken

In der Debatte um schlechte Luft in Innenstädten sei jegliche Sachlichkeit verloren gegangen, sagte Schmidt. Er verweist dabei auf Langfriststudien: Demnach sei die auf den Verkehr zurückzuführende Stickoxidbelastung seit 1990 bereits um 70 Prozent gesunken und falle weiter. Hätten im Jahr 2016 noch 145 Messstellen in Deutschland den (von Schmidt angezweifelten) Grenzwert von 40Mikrogramm pro Raummeter Luft gerissen, seien es im Jahr darauf nur noch 49 gewesen. Zudem frage niemand, wie die Grenzwerte zustande kommen oder an welchen Stellen die Messstationen stehen.

Individualverkehr ist kein Feind

Schmidt forderte die Kommunen auf, bei der Verkehrsplanung auch auf die Belange der Autofahrer zu achten. „Die Städte leben vom Individualverkehr. Der Handel lebt vom Individualverkehr. Die Kommunalpolitik darf sich den Individualverkehr nicht zum Feind erklären.“

Ausgerechnet jene Städte, die den Autoverkehr mit roten Wellen und Straßenverengungen in den vergangenen Jahren zum Erliegen gebracht hätten, würden nun eine Blaue Plakette fordern.

Allein mit dem Bau von Kreisverkehren und der Umstellung der Busflotten von Diesel- auf Elektroantrieb könne die Politik mehr erreichen als durch das Aussperren älterer Dieselfahrzeuge.

Negativbeispiel Hannover

Als Negativbeispiel kommunaler Verkehrspolitik nannte Schmidt die Stadt Hannover, in der der Verband seinen Sitz hat: Straßen würden zurückgebaut, statt grüner Welle würden Staus provoziert. Auf de fünfeinhalb Kilometern Weg zur Arbeit habe er vor 15 Jahren zwölf Ampeln gezählt, sagte Schmidt. Nun seien es 25. Und die seien mehrheitlich rot.


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