Niedersachsens Wissenschaftsminister Minister Thümler will die Lehrerausbildung forcieren

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Wissenschaftsminister Björn Thümler. Foto: dpaWissenschaftsminister Björn Thümler. Foto: dpa

Hannover. An den Berufsschulen fehlen Lehrkräfte, in den Verwaltungen Nachwuchsbeamte. Niedersachsens neuer Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) will neue Angebote schaffen – und setzt dabei auf die Vielfalt des Landes und vor allem auf die Universität Osnabrück.

Herr Thümler, wir sprechen gerade auf der Bildungsmesse Didacta in Hannover miteinander. Welche Eindrücke nehmen Sie mit?

Es ist beeindruckend, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Lehrmaterialien für Schulen und gerade auch für Berufsbildende Schulen umsetzen lassen.

Wobei die schönsten Konzepte wenig bringen, wenn Lehrkräfte fehlen. Gerade an den Berufsbildenden Schulen sieht es schlecht aus…

Mein Ministerium erhöht bereits über den Nachtragshaushalt 2018 die Grundförderung für die drei Hochschulen, die besonders Not leiden: Osnabrück, Hildesheim und Vechta. Damit stärken wir die wissenschaftliche Basis und legen den Grundstein für eine besser ausgestattete Lehrerausbildung.

Was bedeutet das in Stellen ?

Das kann man in Platzzahlen schlecht ausdrücken. Aber klar ist: Wir gehen die Dinge an. So haben wir beispielsweise schon jetzt in Oldenburg und Hannover im Bereich Sonderpädagogik einen deutlichen Aufwuchs von Professorenstellen. Damit konnte die Zahl der Studienplätze verdoppelt werden.

Was heißt das inhaltlich?

Ich habe mit Kultusminister Grant Hendrik Tonne einen Dialog darüber verabredet, wie wir in der Lehrerausbildung vielleicht schneller werden und neue Inhalte aufnehmen können. Hier auf der Didacta sehen wir auch viele digitale Themen, die wir gerne in den Echtbetrieb an den Schulen überführen wollen.

Was bedeuten ihre Pläne konkret für Osnabrück?

In Osnabrück haben wir ja einen Schwerpunkt in der Ausbildung von Berufsschullehrkräften. Universität und Hochschule arbeiten hier bereits sehr gut zusammen. Das wollen wir mit der Erhöhung der Grundförderung erhalten und stärken. In den kommenden Jahren werden wir dort weitere Schritte unternehmen. In Verbindung mit dem Institut für ökonomische Bildung in Oldenburg können wir uns zudem vorstellen, das Thema Digitalisierung in der Berufsschullehrerausbildung nach vorne zu bringen.

Bei Berufsschullehrern haben Sie ja oft gar nicht genug angehende Lehrkräfte…

Wir überlegen als Landesregierung, wie wir den Lehrerberuf insgesamt attraktiver machen können. Bei den Berufsschullehrern ist es mit Anerkennung allein nicht getan. Wir müssen auch die Ausstattung in den Schulen verbessern. Kooperationen von Handwerk und Kommunen sind in diesem Zusammenhang äußerst zielführend. Ich kann mir auch einen stärkeren Technologietransfer aus den Hochschulen in die Schulen vorstellen. Wenn das Hand in Hand geht, können wir diesen tollen Beruf und die erfolgreiche duale Ausbildung noch deutlich interessanter gestalten. Die Universität Osnabrück ist zudem, auch gefördert durch Drittmittelprojekte, besonders aktiv in der Ansprache potenzieller Studienumsteiger im Bereich des Lehramtes an berufsbildenden Schulen.

Muss sich auch die Lehre verändern?

Wir überlegen, wie die Ausbildung praxisorientierter werden kann. Ich bin ein großer Freund der praxisorientierten Ausbildung. Insbesondere bei angehenden Berufsschullehrern ist es wichtig, dass sie schon früh im Studium erstmals vor einer Klasse stehen, um praktische Lehrererfahrung sammeln zu können.

Was wird aus Vechta?

Hier müssen wir die Universität stabil aufstellen und ihre Grundförderung erhöhen. Nicht alle Hochschulen im Land müssen alles machen, sondern können und sollen sich spezialisieren. Neben der Lehrerausbildung kann ich mir in Vechta einen Schwerpunkt im Bereich Lebensmittel und Landwirtschaft vorstellen.

Im Koalitionsvertrag wird der Wiederaufbau der aufgelösten Verwaltungshochschule des Landes in Hildesheim versprochen. Wo kommt die hin?

Wir wollen die Ausbildung des eigenen Verwaltungsnachwuchses um 100 bis 200 Stellen im Mittelbau stärken, aber keine komplett neue teure Hochschule an einem Standort gründen. Stattdessen wollen wir die dezentralen Standorte ausbauen, die bereits in der Ausbildung aktiv sind. Osnabrück ist neben Göttingen/Holzminden/Hildesheim und Hannover ein solcher Standort. Auch Lüneburg ist denkbar.

Was wäre der Vorteil?

Es wäre eine elegante und flexible Aufteilung, von der die Behörden im ganzen Land profitieren. Die Studierenden sind damit vor Ort, statt sich in einem Zentrum zu ballen. Und die Strukturen und Professuren sind ja teilweise vorhanden. Mit einem solchen „atmenden System“ könnten wir auch schneller auf neue Bedarfe reagieren. Für ein Flächenland wie Niedersachsen halte ich das für angemessen.

Wieso muss Niedersachsen selber etwas aufbauen? Sie könnten die Anwärter doch auch nach Bremen oder Münster schicken, wo sie fertig ausgebildet zurückkämen…

Sie kommen aber nicht zurück. Der Bedarf in anderen Bundesländern ist ebenfalls riesig . Gerade in Niedersachsen mit unserer dezentralen Behördenstruktur sollten wir für unseren eigenen Bedarf vorsorgen.

Sollte das Land bei der Hochschulstruktur nicht generell mehr auf die großen Zentren statt auf das weite Land setzen?

Unsere Struktur ist leistungsfähig und wird durch die Wissenschaftliche Kommission gut bis exzellent bewertet. Wir sollten das Potenzial nutzen, das wir in der Fläche haben. Wir können aber nicht überall alles machen und müssen Kompetenzen regional bündeln.


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