Russland-Sanktionen IHK Niedersachsen sieht Talsohle durchschritten

Von dpa

Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen. Foto: dpa/Holger HollemannHorst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen. Foto: dpa/Holger Hollemann

Hannover. Niedersachsens Unternehmen haben die Russland-Sanktionen dank der Suche nach alternativen Exportmärkten und Investitionen in eigene Werke in Russland gut kompensiert.

„Das beginnt sich nun auch in den Zahlen niederzuschlagen: Die Talsohle ist durchschritten, die niedersächsischen Gesamtexporte nach Russland sind im Jahr 2017 erstmals wieder angestiegen gegenüber den Jahren 2016 und 2015“, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen (IHKN), Horst Schrage. Die Exporte hätten in den ersten 11 Monaten des Vorjahres mit 1,61 Milliarden Euro auf dem Stand des Jahres 2016 gelegen. Da es im Dezember eine weitere Steigerung gab, dürfte der Wert für das Gesamtjahr deutlich höher sein.

Russische Agrarwirtschaft legt zu

In der russischen Agrarwirtschaft herrscht aktuell laut IHKN ein Investitionsboom, da die eigene Lebensmittelproduktion hochgefahren wurde. Inzwischen werden in Russland 90 Prozent statt früher 70 Prozent des Bedarfs mit Produkten aus dem Inland gedeckt. Das sei vor allem für Saatgutproduzenten oder auch Landmaschinenhersteller wie Grimme eine Chance, sagt der fürs internationale Geschäft zuständige IHKN-Experte Tilman Brunner.

Grimme zufrieden

Grimme, der niedersächsische Agrartechnik-Spezialist für Rüben- und Kartoffelerntemaschinen, hat am russischen Volkswagen-Standort in Kaluga eine Montagelinie und fällt mit seinen Ersatzteilen auch nicht unter die Sanktionsbestimmungen. „Wir haben in Russland eine sehr, sehr gute Erholung“, sagt Grimme-Sprecher Jürgen Feld. Vor allem der Service- und Ersatzteilbetrieb entwickle sich sehr positiv.

Zu den Betrieben, die direkt in Produktionsstandorte in Russland investiert habten, gehört auch der Erntetechnik-Hersteller Claas. Er hat die Fläche seines 2003 gebauten Werks in Krasnodar im Jahr 2015 verzehnfacht. „Russland hat unser Geschäft kräftig befördert und wird es weiter tun“, erklärt Claas-Sprecher Wolfram Eberhardt.

Brunner: „Branche Herausforderung gemeistert“

„Die Branche insgesamt hat die Herausforderung erfolgreich gemeistert“, bestätigt auch Brunner. Die durch die Sanktionen ausgebremsten Ausfuhren der niedersächsischen Ernährungswirtschaft nach Russland seien durch Exporte in andere Länder mehr als ausgeglichen worden.

Obwohl in der Export-Statistik 2017 bisher nur Werte bis einschließlich November berücksichtigt sind, sei bereits absehbar, dass die gesamten Exporte der Branche erstmals über 11 Milliarden Euro lagen und damit ein neues Rekordniveau erreichten.

Da viele Unternehmen unsicher seien, welche Produkte konkret unter die Exportsanktionen fallen, plant die IHK Hannover für den 11. April ein Forum für die Agrar- und Ernährungswirtschaft zum Thema „Lebensmittel und Vorprodukte nach Russland – was geht?“

Die EU hat die Sanktionen gegen Russland an die Umsetzung des Minsker Friedensabkommens von 2015 gekoppelt und wegen fehlender Fortschritte erst im Dezember verlängert. Umstritten ist, ob die Sanktionen schon vor einer vollständigen Umsetzung des Abkommens schrittweise reduziert werden sollen. In der Ostukraine bekämpfen sich ukrainische Truppen und pro-russische Separatisten.