Ein Bild von Dirk Fisser
23.02.2018, 05:05 Uhr KOMMENTAR ZU VERALTETEN NOTFALLPLÄNEN

Das ist schlicht inakzeptabel

Von Dirk Fisser


Das Atomkraftwerk Grohnde. Foto: dpaDas Atomkraftwerk Grohnde. Foto: dpa

Osnabrück. Niedersachsen hat aktualisierte Vorgaben für Atom-Notfallpläne noch nicht umgesetzt. Dazu ein Kommentar.

Der Föderalismus in Deutschland ist an sich eine gute Sache. Aber es gibt Bereiche, da lassen seine Auswüchse den Beobachter kopfschüttelnd zurück: Wenn in dem einen Bundesland für den Fall eines Atomunglücks andere Notfallmaßnahmen gelten als in dem anderen, dann ist das schlicht inakzeptabel. Im Zweifelsfall bekommen die Niedersachsen also andere behördliche Hinweise und Ansagen als die Menschen in Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen, weil jeweils andere Richtlinien gelten.

Das weckt Erinnerungen an das Informationschaos nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl. Damals widersprachen sich Bundesregierung und Landesregierungen und sorgten somit erst recht für Strahlenangst in Deutschland. Das war 1986. Man stelle sich das Durcheinander im Jahr 2018 angesichts der grenzenlosen Möglichkeiten der Informationsverbreitung vor.

Dazu passt die Erkenntnis niederländischer Sicherheitsexperten, dass die Notfallpläne auch auf europäischer Ebene nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind. Was machte mehr Sinn, als EU-weit einheitliche Vorgaben für den Fall eines Reaktorunfalls zu erstellen? Dass aber genau das geschieht, ist wohl nur minimal wahrscheinlicher als ein Atomunglück selbst. Im Übrigen ungeachtet der Tatsache, dass deutsche Politiker unentwegt die mangelnde Sicherheit ausländischer Atomkraftwerke beklagen.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN