Mehr Geld, bessere Altersvorsorge Tarifabschluss für 120.000 VW-Beschäftigte steht

Von dpa

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Im Streit um den Haustarif bei Volkswagen haben sich Unternehmen und IG Metall in der Nacht zum Mittwoch auf einen Abschluss für gut 120 000 Beschäftigte geeinigt. Foto: dpaIm Streit um den Haustarif bei Volkswagen haben sich Unternehmen und IG Metall in der Nacht zum Mittwoch auf einen Abschluss für gut 120 000 Beschäftigte geeinigt. Foto: dpa

Langenhagen. Mehr Geld, eine bessere Altersversorgung und eine höhere Sicherheit für Auszubildende: Im Streit um den Haustarif bei Volkswagen haben sich Unternehmen und IG Metall in der Nacht zum Mittwoch auf einen Abschluss für gut 120.000 Beschäftigte geeinigt.

Durchbruch in nächtlichen Verhandlungen: Die 120000 Beschäftigten in den westdeutschen VW-Werken erhalten ab Mai 4,3 Prozent mehr Geld. Wer Schichtarbeit leistet, Kinder betreuen oder Angehörige pflegen muss, kann sich für sechs zusätzliche freie Tage im Jahr entscheiden. Im Streit um den Haustarif bei Volkswagen haben sich Unternehmen und IG Metall in der Nacht zum Mittwoch auf einen Abschluss geeinigt.

Dieser sieht nicht nur vor, dass das Entgelt ab Mai um 4,3 Prozent steigt. Für die Monate Februar bis April wurde zudem eine Einmalzahlung von 100 Euro vereinbart – Zeitarbeiter bekommen ebenfalls 100 Euro, Auszubildende 70 Euro. Ab August 2019 wird darüber hinaus jährlich ein tarifliches Zusatzgeld von 27,5 Prozent eines Monatsgehalts gezahlt, das auch in die betriebliche Altersvorsorge fließen kann. Beschäftigte in Schichtarbeit, mit Kindern im Alter von bis zu zehn Jahren oder mit pflegebedürftigen Angehörigen können stattdessen aber auch sechs zusätzliche freie Tage wählen. Die Umwandlung muss bis spätestens Ende Oktober für das Folgejahr angemeldet werden. Die Einigung gilt bis zum 30. April 2020.

Dazu kommt: In die betriebliche Altersvorsorge sollen ab Juli 2019 monatlich 90 statt 27 Euro fließen, ab Januar 2020 dann 98 Euro. Die Zahl der Auszubildenden wurde für drei Jahre bei 1400 festgeschrieben. Zugeständnis an den Arbeitgeber: Für mehr Flexibilität soll es möglich sein, für fünf Prozent der Tarifbeschäftigten mit deren Einverständnis Projektarbeitszeiten auf 40 Wochenstunden zu erhöhen.

Für VW-Verhandlungsführer und Marken-Personalchef Martin Rosik ist es wichtig, die Mitarbeiter künftig auch länger beschäftigen zu dürfen – vor dem Hintergrund der Umwälzungen der ganzen Branche, die etwa Digitalisierung oder autonomes Fahren bedeuteten: „Die Regelung gibt uns zusätzliche Flexibilität, die wir unbedingt benötigen.“ Volkswagen-Personalvorstand Karlheinz Blessing erklärte, ein Abschluss auf dem Niveau der Metallindustrie sei ein wesentliches Ziel gewesen, um die Wettbewerbsfähigkeit von VW zu sichern.

„Der Abschluss ist möglicherweise beispielgebend für die gesamte deutsche Industrie“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Thorsten Gröger. Rosik meinte: „Es ist ein gutes Ergebnis für unsere Mitarbeiter.“ Für das Unternehmen sei der Abschluss vertretbar.

Gröger sprach von harten Auseinandersetzungen in den vier Tarifrunden: Erstmals seit 14 Jahren sei es zu Warnstreiks bei VW gekommen, mehr als 57000 Beschäftigte hätten sich beteiligt.

Der VW-Haustarif ist Deutschlands größter Firmentarif. Er gilt für rund 120000 Beschäftigte in den sechs westdeutschen VW-Werken Emden, Hannover, Wolfsburg, Salzgitter, Braunschweig und Kassel sowie bei der VW-Finanztochter. Für andere Standorte wie Osnabrück gilt der Flächentarifvertrag der Metall- und Elektrobranche.


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