Aufräumarbeiten nicht abgeschlossen „Friederike“ wirft in Niedersachsen mehr als eine Million Kubikmeter Holz um

Von dpa


Clausthal-Zellerfeld. Einen Monat nach Orkan „Friederike“ herrscht weitgehend Klarheit über die Schäden in Niedersachsens Wäldern.

Vor allem im Solling hat „Friederike“ gewütet. Aber auch im Harz sind Zehntausende Bäume umgestürzt. Die Landesforsten ziehen nun eine vorläufige Bilanz der Schäden. Die Aufräumarbeiten sind schwierig: Viele Bäume schlugen in weichen Boden ein und sind nun festgefroren.

Betroffen ist besonders Südniedersachsen. Allein im Landeswald riss der Orkan rund eine Million Kubikmeter Holz um. Vor allem Fichten knickten ab, sagte der Sprecher der Landesforsten, Michael Rudolph. Hinzu kommen erhebliche Schäden in Privatwäldern und im Nationalpark Harz. Der Norden Niedersachsens blieb dagegen weitgehend von „Friederike“ verschont. (Weiterlesen: „Friederike“ reißt Zehntausende Bäume in Region Osnabrück um)

Solling schwer getroffen

Besonders schwer traf es Mitte Januar den Solling, sagte der Forstsprecher. Dort seien so viele Bäume umgeworfen wurden wie zuletzt Anfang 2007 durch den Orkan „Kyrill“. Alleine im Forstamt Neuhaus riss „Friederike“ rund 300.000 Kubikmeter Holz um, etwa genausoviel wie in den Landesforsten im Harz.

Die Gesamtmenge des durch „Friederike“ verursachten Sturmholzes entspreche etwa 60 Prozent der planmäßigen jährlichen Ernte, sagte Forstsprecher Rudolph. Damit kein Überangebot auf dem Holzmarkt entsteht, verzichteten die Landesforsten ab sofort auf den Einschlag stehender Fichten.

Stämme in Folien aufbewahrt

Und um das Sturmholz nicht auf einen Schlag auf den Markt werfen zu müssen, richten die Landesforsten derzeit zahlreiche Lagerplätze ein, wo die Stämme in Folien aufbewahrt werden. So soll das Austrocknen der Stämme und ein Befall mit Borkenkäfern oder Pilzen verhindert werden.

Im Kellwassertal in der Nähe der Okertalsperre im Harz wird ein besonders großer Sammelplatz eingerichtet. Dort sollen die Fichtenstämme rund um die Uhr bewässert werden, um das Holz frisch zu halten.

70.000 Kubikmeter Fichten im Harz umgeworfen

Im länderübergreifenden Nationalpark Harz seien bis zu 70 000 Kubikmeter Fichten umgeworfen worden, sagte Sprecher Friedhart Knolle. Die Aufräumarbeiten konzentrierten sich derzeit auf die Bereiche des Nationalparks, die an forstlich genutzte Wälder grenzen, um einen Befall der umgestürzten Stämme mit Borkenkäfern zu verhindern. Dies sei aber vor allem in den Hochlagen nicht leicht.

ARCHIV - 27.01.2018, Niedersachsen, Kalefeld: umgestürzte Bäume liegen in einem Wald bei Kalefeld. Foto: dpa

Viele Bäume seien im Januar in den damals weichen Boden eingeschlagen und dort mittlerweile festgefroren. „Selbst starke Seilschlepper bekommen diese Bäume nicht vom Boden gelöst“, sagte Knolle.

Straßen weitgehend passierbar, aber

Während die Straßen in den Mittelgebirgen inzwischen weitgehend passierbar sind, sieht es auf vielen Waldwegen noch anders aus, sagte der Vizepräsident der Landesforsten, Klaus Jänich. Die Aufräumarbeiten könnten noch mehrere Wochen dauern. Zudem bestehe nach wie vor die Gefahr, dass angebrochene Äste herabstürzten und ganze Bäume umfallen.

Bei der Wiederaufforstung der betroffenen Gebiete wollen die Landesforsten vor allem Laubbäume anpflanzen, um die Wälder zu stabilisieren.