Fragen und Antworten für Niedersachsen Kostenlos oder nicht: Wie entlasten Bus und Bahn verstopfte Städte?

Von dpa

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Statt Fahrverboten für schmutzige Autos hat der Bund einen kostenlosen Nahverkehr ins Gespräch gebracht. Kann dies für saubere Luft in Niedersachsens Städten sorgen oder gibt es auch andere Anreize zum Umstieg auf Bus und Bahn? Symbolfoto: Arne Dedert/dpaStatt Fahrverboten für schmutzige Autos hat der Bund einen kostenlosen Nahverkehr ins Gespräch gebracht. Kann dies für saubere Luft in Niedersachsens Städten sorgen oder gibt es auch andere Anreize zum Umstieg auf Bus und Bahn? Symbolfoto: Arne Dedert/dpa

Hannover. Statt Fahrverboten für schmutzige Autos hat der Bund einen kostenlosen Nahverkehr ins Gespräch gebracht. Kann dies für saubere Luft in Niedersachsens Städten sorgen oder gibt es auch andere Anreize zum Umstieg auf Bus und Bahn?

Jahrzehntelang wurden die Städte auch im Norden für immer mehr Autoverkehr ausgebaut. Weil nun die Luftverschmutzung Grenzwerte überschreitet und die Europäische Kommission Druck macht, hat der Bund zur Entlastung einen kostenlosen Nahverkehr ins Gespräch gebracht. Wie viel müssen Pendler bislang für Bus und Bahn zahlen, und bringen kostenlose Tickets die Lösung für verstopfte Städte? Mit unterschiedlichen Konzepten wird schon heute versucht, den Menschen den Umstieg auf Bus und Bahn schmackhaft zu machen.

Was kostet eine Fahrkarte bisher in Niedersachsen und Bremen?

Der Einzelfahrschein kostet zumeist zwischen 2,10 Euro (Delmenhorst) und 2,80 Euro (Bremen/Osnabrück). Für knapp die Hälfte sind Kinder unterwegs (Braunschweig/Wolfsburg 1,40 Euro, Hannover 1,30 Euro, Nordenham 1,15 Euro), die Kurzstrecke kostet in Hannover 1,50 Euro und in Bremen 1,45 Euro. Die Monatskarte für das Stadtgebiet gibt es in Verden für 48,80 Euro, in Göttingen für 52,50 Euro und in Osnabrück für 57,50 Euro. In vielen Kommunen gibt es weitere Angebote wie Tageskarten, 4er- oder 10er-Tickets oder etwa die Citykarte für den Bürgerbus Badbergen (1 Euro) oder das „Bramscher Kärtchen“ (9-Uhr-Tagesticket, 4,30 Euro).

Was würde ein für die Fahrgäste kostenloser Nahverkehr an öffentlichem Geld verschlingen?

Das Wirtschaftsministerium in Hannover geht überschlägig von einem Aufwand von vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr aus. Alleine die Fahrgeldeinnahmen betragen bisher 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro. Zudem müssten zusätzliche Busse und Bahnen angeschafft und die Infrastruktur erweitert werden, wenn viel mehr Menschen den Nahverkehr nutzen als derzeit.

Gibt es alternative Vorschläge zu einem vollkommen kostenlosen Nahverkehr?

Der Fahrgastverband Pro Bahn in Niedersachsen regt gezielte Angebote für Touristen, Senioren und Pendler an. Nach dem Vorbild der Schweiz und touristischer Regionen wie etwa dem Schwarzwald könnte in die Kurtaxe oder Gästekarte die kostenlose Nutzung des Nahverkehrs in der Urlaubsregion eingeschlossen werden.

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Da Touristen meist nicht im Berufsverkehr unterwegs seien, nutzten sie ohnehin freie Plätze im öffentlichen Nahverkehr und entlasteten Straßen und Parkplätze. Dasselbe gelte, wenn stark ermäßigte Monatskarten für Senioren eingeführt werden, argumentiert Pro Bahn.

Sind kostenlose Busse und Bahnen nicht die Traumvorstellung für einen Fahrgastverband?

Wie der Pro-Bahn-Landesvorsitzende Björn Gryschka sagt, droht dabei die Qualität auf der Strecke zu bleiben. Der Wettbewerb im Bahnverkehr habe in den vergangenen 20 Jahren zu erheblichen Verbesserungen geführt. Ohne finanziellen Anreiz strengten sich Verkehrsunternehmen nicht mehr an, neue Fahrgäste zu gewinnen.

Sind andere Vergünstigungen im Nahverkehr im Norden geplant, um die Menschen aus den Autos in die Abteile zu locken?

Alle rund 220 000 Studenten in Niedersachsen und Bremen können mit ihrem Semesterticket ab Herbst landesweit mit Regionalzügen fahren. Im Rahmen dieser Regelung sind ebenfalls Fahrten bis Magdeburg, Lübeck, Kassel, Paderborn, Bielefeld, Münster, Hamburg und ins niederländische Hengelo möglich.

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Ab Ende des Jahres ist in allen regionalen Bahnfahrkarten nach dem Niedersachsentarif die Nutzung von Bus, Straßenbahn und U-Bahn automatisch mitenthalten. Die Regelung gilt auch für Fahrten nach Hamburg und Bremen. Von der Neuregelung, die das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln vereinfacht und preiswerter macht, erhofft sich das Land zusätzliche Fahrgäste.

Alle Jahre wieder werden Ticketpreise erhöht - geht das auch anders?

In Frankfurt, Mainz und Wiesbaden ist das Tagesticket zu Jahresbeginn um 1,35 Euro preiswerter geworden. Das Einzelticket wurde in Frankfurt 15 Cent billiger und kostet nun 2,75 Euro. Der Nordhessische Verkehrsverbund hat die letzten beiden Tarifstufen für lange Fahrtstrecken abgeschafft. Wer von weiter weg etwa nach Kassel pendelt, bezahlt neuerdings weniger.


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