Lehren aus dem Fall Högel Größere Kliniken sollen Stationsapotheker bekommen

Von Klaus Wieschemeyer

Die Kombination von bestimmten Medikamenten kann unerwünschte Folgen für die Patienten haben. Foto: dpaDie Kombination von bestimmten Medikamenten kann unerwünschte Folgen für die Patienten haben. Foto: dpa

Hannover. Stationsapotheker in Krankenhäusern sollen Ärzte und Pfleger bei ihrer Arbeit unterstützen und falsche Medikamentierungen entdecken. In Niedersachsen dürften sie zumindest in größeren Kliniken bald verstärkt Einzug halten.

SPD und CDU in Niedersachsen wollen politische Konsequenzen aus der Mordserie des Krankenhauspflegers Niels Högel ziehen. Noch im ersten Halbjahr 2018 könnte ein neues Krankenhausgesetz den Landtag passieren, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Uwe Schwarz, unserer Redaktion. Das neue Gesetz soll sowohl den Informantenschutz bei „Whistleblowern“ als auch die Einführung von Stationsapotheken in den Krankenhäusern regeln. Diesen in den Klinikalltag integrierten Apotheker könnten auch ein ungewöhnlich hoher Verbrauch eines Arzneimittels wie im Fall Högel schneller auffallen, hofft die Politik.

Zweiter Anlauf für das Gesetz

Der Vorstoß ist nicht neu: Bereits die rot-grüne Vorgängerregierung hatte unter dem Eindruck der Högel-Mordserie ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht. Doch angesichts der vorgezogenen Landtagswahlen im Herbst 2017 verfiel der Entwurf. (Weiterlesen: Welche Gesetze Rot-Grün nicht mehr hinbekam)

Nun soll dieser nachgebessert erneut in den Landtag eingebracht werden. Die verpflichtende Einführung von Stationsapothekern ist allerdings umstritten: Die Apothekerkammer Niedersachsen ist ausdrücklich dafür. Nach Ansicht von Kammerpräsidentin Magdalene Linz könnten Apotheker als Teil „interdisziplinärer Behandlungsteams“ Ärzte und Pflegekräfte beraten und patientenindividuelle Therapiealternativen entwickeln.

Falsche Medikamente kosten Millionen

Auch unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamentengaben könnten so vermieden werden. Einer Studie zufolge treten bei ungefähr 4,5Prozent der Krankenhauspatienten solche Nebenwirkungen auf, die medizinischen Folgekosten unerwünschter Arzneimittelwirkungen betragen demnach etwa eine Milliarde Euro. Geeignete Apotheker sind Linz zufolge genug da.

Sorge um Folgekosten

Die Krankenhausgesellschaft warnt hingegen vor allem vor den Kosten zusätzlicher Stationsapotheker insbesondere für kleine Häuser. Nach dem alten Gesetzentwurf sollte jede Klinik mindestens einen Apotheker haben. Bisher sind Stationsapotheker in Deutschland eher Sache großer Kliniken wie der Medizinischen Hochschule in Hannover (MHH).

Nun soll das Sozialministerium bei kleinen Häusern mit weniger als 300 Betten Alternativmodelle vorschlagen. „Stationsapotheker können einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung in Krankenhäusern leisten. Allerdings muss die Refinanzierung dieser Stellen sichergestellt sein und geprüft werden, ab welcher Krankenhausgröße die Einrichtung einer solchen Stelle sinnvoll und praktikabel ist“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Volker Meyer.