Zwischen Oldenburg und Leer Einsamer Posten bewacht seit fast zwei Jahren Bahnübergang

Von Hans-Christian Wöste, dpa


Apen. Wer öfter im Zug zwischen Oldenburg und Leer sitzt, kann unterwegs ein einsam gelegenes Klohäuschen erkennen. Es gehört zu einem ganz speziellen Arbeitsplatz.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter: Alle vier Jahreszeiten hat das blau-weiße Dixi-Klo an der Bahnstrecke zwischen Oldenburg und Leer schon mehrfach abgewettert. Es ist Rückzugsort für einen der einsamsten Jobs in Niedersachsen, den Bahnübergangsposten (BÜP) Holtgast bei Apen (Kreis Ammerland). Dort an der Grenze zu Ostfriesland bewacht der Posten einen kaum benutzten Bahnübergang - und das bereits seit fast zwei Jahren, genauer seit April 2016.

Damals ging die Ampelanlage kaputt, als gefräßige Mäuse die Kabel durchnagten. Als Ersatz ist seitdem eine menschliche Schranke im Dauereinsatz: Der mit Handy und Warnweste ausgerüstete Posten hängt eine rot-weiße Girlande quer über die Fahrbahn und nimmt sie nach Durchfahrt des Zuges wieder ab. Inzwischen ist vorübergehend auch schon mal ein mobiles Warnlicht installiert. Das schaltet der Mann mit einem Spezialschlüssel ein, nachts stellt er zusätzlich noch eine beleuchtete Warnbake auf.

So geht das rund um die Uhr, Woche für Woche, Monat für Monat. Eine private Sicherheitsfirma sorgt im Auftrag der Bahn für einen Drei-Schicht-Betrieb. Früher hatte der Posten einen kleinen Campingwagen als Unterschlupf. Jetzt wartet er mit Thermoskanne und belegten Broten im aufgewärmten Dienstwagen auf den Schichtwechsel.

Die Verkehrsdichte ist überschaubar: Zweimal pro Stunde rollt ein Personenzug vorbei. Dazu passieren noch ein paar Güterzüge die Stelle, an der ein schmaler Weg fast ins Nichts führt - fast. Denn in der Nähe wohnt zwischen Wäldern und Feldern noch eine Familie, ab und zu bestellt ein Landwirt den Acker. Mehr Kundschaft ist aber selten.

Bis zum Herbst soll das Provisorium noch dauern, dann soll eine neue Lichtzeichenanlage angeschlossen werden. „Baubeginn ist voraussichtlich im dritten Quartal“, sagt ein Bahnsprecher. Statt einer einfachen Reparatur sei ein umfangreiches Genehmigungsverfahren fällig geworden, weil die alte Anlage einem modernen Nachfolger weichen soll. Planungen dazu laufen, ebenso Abstimmungsgespräche mit dem Eisenbahnbundesamt.

Viel Zeit ist aber auch schon mit einer anderen Abstimmung verstrichen. Denn die Bahn hat offensichtlich gehofft, dass die Gemeinde Apen eine alternative Route für die paar Anlieger baut. Doch das wollte der Rat nicht und sprach sich im Mai bei der Bahn schriftlich für einen neuen Bahnübergang aus.

„Man hätte vielleicht eher den Schwerpunkt auf den Neubau der vorhandenen Querung legen sollen“, sagt Apens Bürgermeister Matthias Huber (SPD). Ansonsten hält er sich aber mit Kritik an dem Unternehmen zurück: „Wichtig ist und war für die Gemeinde, dass der Bahnübergang für Verkehrsteilnehmer immer zu nutzen war und ist. Das hat die Bahn sichergestellt.“