Dauerfrost bald vorbei Lebensgefahr: DLRG warnt vor Betreten der Eisflächen in Niedersachsen

Von Manuela Kanies

Sonnenschein und Dauerfrost, ideales Wetter für eine kleine Eislaufpartie auf dem See. Doch das frostige Wetter trügt: Die Eisflächen in Niedersachsen tragen absolut nicht, warnt Pressesprecherin Nicola Dubacher von der DLRG. Hier im Bild zu sehen: eine Übung zur Eisrettung. Foto: DLRG Landesverband NiedersachsenSonnenschein und Dauerfrost, ideales Wetter für eine kleine Eislaufpartie auf dem See. Doch das frostige Wetter trügt: Die Eisflächen in Niedersachsen tragen absolut nicht, warnt Pressesprecherin Nicola Dubacher von der DLRG. Hier im Bild zu sehen: eine Übung zur Eisrettung. Foto: DLRG Landesverband Niedersachsen

Osnabrück. Seit einigen Tagen herrscht Dauerfrost in Niedersachsen. Auf die Idee, Eisflächen zu betreten, sollte aber niemand kommen, sie sind noch viel zu dünn. Es herrscht Lebensgefahr, warnt der DLRG Landesverband Niedersachsen.

Sonnenschein und Dauerfrost, ideales Wetter für eine kleine Eislaufpartie auf dem See. Doch das frostige Wetter trügt: Die Eisflächen in Niedersachsen tragen absolut nicht, warnt Pressesprecherin Nicola Dubacher von der DLRG. „Das ist viel zu gefährlich, es herrscht Lebensgefahr“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. (Weiterlesen: Dürfen zugefrorene Gewässer betreten werden?)

Eisflächen noch nicht dick genug

Die Eisflächen sind nach diesen paar Tagen Dauerfrost noch nicht 15 bis 20 Zentimeter dick. Das sei das absolute Minimum bei fließenden Gewässern, bei dem die Behörden erwägen, eine Eisfläche freizugeben. Nicola Dubacher verweist darauf, auf die Freigabe der Eisflächen durch die Behörden zu warten.

Zumal die Tage des Dauerfrosts am Wochenende vorbei sind. Vor allem im Raum Osnabrück soll es tagsüber bis zu fünf Grad warm werden, in der Nacht werden nicht einmal mehr Minusgrade erreicht.

Eltern sollen Kinder warnen

Eltern sollten ihre Kinder auf die Gefahren beim Betreten des Eises unbedingt hinweisen. Die Eisregeln sind unter www.dlrg.de abrufbar.

Bei einem Eisunfall sind die Wasserrettungskräfte der verschiedenen Hilfsorganisationen und der Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 jederzeit erreichbar.

Wann tritt eine Unterkühlung ein?

In diesem Zusammenhang erklärt Dr. Frank Streiber, Landesverbandsarzt aus Niedersachsen, in einer Pressemitteilung der DLRG, wann eine Unterkühlung eintritt und wie gefährlich das ist. Im Wasser (auch im Sommer) kühlt der Körper schneller aus als an Land, denn die Muskeln versuchen durch Zittern, den Körper wieder zu erwärmen. Doch die Wärme wird im Wasser vom Körper weggeleitet. „Im Körper kommt es zu einer Zentralisation. Das bedeutet, dass sich die Gefäße in den Gliedmaßen verengen, damit die inneren Organe (wie Herz, Gehirn) weiter ausreichend, auch mit Wärme, versorgt werden. Je kälter die Körperkerntemperatur sinkt, desto mehr trübt das Bewusstsein ein. Zwischen 32 Grad und 28 Grad fangen die Reflexe an zu erlöschen und das Zittern hört auf“, erklärt Dr. Streiber weiter.

Bereits ab 35 Grad Körpertemperatur tritt laut Streiber eine milde Hypothermie (Unterkühlung) auf. Sinkt die Körpertemperatur auf unter 28 Grad, wird es kritisch; man wird bewusstlos, es treten Atemlähmungen und ein Herz-Kreislauf-Stillstand auf. Befindet man sich im Eiswasser, kann das bereits nach zwei bis drei Minuten passieren.

Wie verhalte ich mich, wenn ich sehe, dass jemand auf dem Eis einbricht?

Grundsätzlich ist die Eisrettung geübten Personen vorbehalten, erklärt Martin Witt, Leiter Einsatz vom DLRG Landesverband Niedersachsen, in einer Pressemitteilung. Denn sehr schnell könne der Retter selbst verunglücken. Nur im äußersten Notfall sollte man selbst tätig werden und vor allem darauf achten, in der Situation gesichert zu sein.

Folgende Dinge können durch die meisten Personen durchgeführt werden:

  • Alarmierung von Wasserrettungskräften „Notruf 112“
  • Organisieren von Hilfsmitteln am Ort des Geschehens (Leitern, Bretter, lange Stangen, Tische, Schlitten, Leinen, usw.)

„Merkt man auf dem Eis, dass die Tragfähigkeit plötzlich nachlässt (Sprünge, Lufteinschlüsse, Geräusche), sollte man sich flach auf das Eis legen und so das Eigengewicht auf eine möglichst große Fläche verteilen“, so Witt weiter. Dabei sollte man denselben Weg zum Ufer nehmen, den man gekommen ist (auch wenn ein anderes Ufer näher erscheint), da das Eis dort (zumindest einmal) schon sicher getragen hat.

„Sollte man schon eingebrochen sein, kann man versuchen bei stabiler Eisdecke sich seitlich flach (Brust- oder Rückenlage) auf das Eis zu schieben und vorsichtig zum Ufer zu rollen“, rät Witt. Keinesfalls solle man in der Nähe der Einbruchsstelle aufstehen. Ist die Eisdecke dünn genug, kann man versuchen, mit Fäusten oder dem gesamten Oberkörper das Eis Stück für Stück Richtung Ufer zu brechen und zu entkommen.