„Glory Amsterdam“ Politiker fordern Lehren aus Havarie in Nordsee

Von Klaus Wieschemeyer


Hannover. Wie konnte sich die „Glory Amsterdam“ im vergangenen Herbst in der Nordsee losreißen? Warum lag sie bei Sturm auf See auf Reede? Warum bekam die Crew die Lage nicht in den Griff, warum auch das Havariekommando nicht? Und was kann man besser machen? Diese Fragen beschäftigen die Politik.

Nach der Havarie des Frachters „Glory Amsterdam“ im vergangenen Oktober fordern Politiker Verbesserungen im Krisenmanagement. „Es besteht dringender Handlungsbedarf: Sowohl die Abläufe, als auch die technische und personelle Ausstattung des Havariekommandos müssen dringend verbessert werden“, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Dienstag. Vor allem erwarte er vom Bund eine Stellungnahme, welche Lehren aus Vorfall gezogen werden.

Heftige Kritik am Einsatz

Die „Glory Amsterdam“ hatte sich am Morgen des 29.Oktober 2017 in der Deutschen Bucht auf Reede liegend losgerissen. Nachdem Bergungsversuche gescheitert waren, lief es vor Langeoog auf Grund und konnte erst Tage später freigeschleppt werden. Auch wenn der Unfall letztlich glimpflich ausging, gab es danach heftige Kritik vor allem an dem Einsatz und der Kommunikation des eingesetzten Havariekommandos. Der in Cuxhaven stationieren Einheit des Bundes und der deutschen Küstenländer wurde vorgeworfen, die Krise falsch bewertet zu haben.

Kommandochef Hans-Werner Monsees wies die Vorwürfe zurück: Angesichts eines Sturmes mit bis zu neun Meter hohen Wellen hätten „sehr ungünstige Verhältnisse“ für einen Rettungsversuch geherrscht, sagte er am Dienstag im Hafenausschuss des Landtags. Der Versuch, ein Bergungsteam vom Notschlepper „Nordic“ per Hubschrauber auf den Havaristen überzusetzen, sei gescheitert, da ein Schleppdraht an der „Nordic“ das Hochwinschen der Crew gefährdet hätten. „Das Aufwinschen wäre lebensgefährlich gewesen“, sagte Monsees. Er verteidigte auch die Entscheidung, nicht mit dem Abpumpen von Öl zu beginnen. Das Risiko eines Austritts sei gering gewesen. Allerdings räumte Monsees auf Anfrage ein, dass vorsichtshalber zusätzliches Ölbekämpfungsgerät auf die Ostfriesischen Inseln gebracht worden war.

Kritik am Kapitän

Der Kommandochef hatte allerdings seinerseits Kritikpunkte: Die „Nordic“ sei aus Lobbyismus entstanden und für Rettungseinsätze „nicht so ideal, wie es von der Reederei dargestellt wird“, sagte Monsees. Auch die Aussagen des Kapitäns der „Glory Amsterdam“ seien fragwürdig: Entweder sei er nicht ehrlich gewesen oder habe die Lage nicht im Griff gehabt. Zudem sei kein zur Verfügung stehendes Schiff mit einem Notschleppdraggen ausgestattet gewesen. Mit einem Draggen lassen sich losgerissene Anker sichern. Gegen den Kapitän wird ermittelt.

Mitglieder des Hafensausschusses forderten Verbesserungen ein: „So etwas darf nicht wieder passieren“, sagte der CDU-Abgeordnete Bernd-Carsten Hiebing. Die Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz forderte als Konsequenz den Aufbau einer nationalen Küstenwache für Deutschland.