Job-Boom birgt auch Risiken Niedersachsen und Bremen werden attraktiver für Pendler

Von dpa

Niedersachsen, Sehnde: Menschen stehen in der Morgendämmerung am Bahnhof neben einen einfahrenden Zug. Foto: dpaNiedersachsen, Sehnde: Menschen stehen in der Morgendämmerung am Bahnhof neben einen einfahrenden Zug. Foto: dpa

Hannover. Weniger Arbeitslose, dafür mehr Beschäftigung - für Arbeitnehmer kann es eigentlich kaum besser laufen. Allerdings wächst dann auch die Zahl der Pendler. Die sind darüber jedoch nicht immer glücklich.

Der starke Arbeitsmarkt, sinkende Arbeitslosenzahlen und der Job-Boom machen es möglich: Immer mehr Menschen in Niedersachsen und Bremen sind Berufspendler. Im vergangenen Jahr kamen rund 290.100 Beschäftigte aus anderen Bundesländern als Pendler nach Niedersachsen - 7600 Menschen oder 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit bekanntgab.

Noch mehr Menschen aus Niedersachsen allerdings fuhren für den Job über die Landesgrenzen, nämlich 424 000 und damit 2,4 Prozent mehr. In Bremen machen die Einpendler 42 Prozent der Beschäftigten aus.

„Niedersachsen macht leichte Fortschritte darin, sein Fachkräftepotenzial auszuschöpfen“, sagte Agenturchefin Bärbel Höltzen-Schoh zu der Entwicklung der Pendlerströme. Allerdings gebe es noch Spielraum, Arbeitnehmer von der Attraktivität hiesiger Unternehmen zu überzeugen. Dazu zählten Karrierechancen, die Möglichkeit, Beruf und Familie besser vereinbaren zu können, aber auch finanzielle Anreize. Bremen wiederum sei ein starker Beschäftigungsstandort. (Weiterlesen: Warum sich diese Menschen für oder gegen Pendeln entschieden haben)

11 Prozent Steigung

Seit 2011 sei dort die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 11 Prozent auf 325 400 Menschen gestiegen. Bremer und Einpendler profitierten gleichermaßen. Insgesamt gab es 136 300 Einpendler, die meisten kamen aus Niedersachsen. Umgekehrt fuhren 51 200 Bremer zur Arbeit über die Landesgrenzen - 5,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten davon - rund 34 800 - fuhren ins Nachbarland Niedersachsen.

Nach Niedersachsen gependelt wurde vor allem aus Nordrhein-Westfalen (88 000 Beschäftigte), Sachsen-Anhalt (42 000) und Bremen (34 900). Menschen aus Niedersachsen mit einem Arbeitsplatz in einem anderen Bundesland fuhren vor allem nach Bremen (119 200), Hamburg (98 500) und Nordrhein-Westfalen (97 000).

Bremen gut erreichbar

Im Falle Bremens erleichtere die gute Anbindung über Schiene und Straße den Pendlern die Fahrt vom Wohnort zur Arbeit - das lässt dann auch entferntere Arbeitsplätze attraktiver erscheinen. Außerdem sorgten Doppelverdiener-Haushalte für den Anstieg bei den Pendlerzahlen, urteilte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung unlängst.

Allerdings werde Pendeln häufig als Belastung wahrgenommen, die sich durchaus auch auf die Gesundheit auswirken könne, warnte das Institut. Es gebe Anzeichen dafür, dass mit zunehmender Länge der Pendelstrecke die Lebenszufriedenheit leide. Die Krankenkassen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema. So haben Pendler laut einer Studie der Techniker Krankenkasse ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken.

Zum Stichtag 30. Juni 2017 waren in Niedersachsen 2,89 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das bedeutet nach Angaben der Arbeitsagentur ein Plus von 2,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. (Quergedacht: Motivation für müde Pendler)