CDU-General Kai Seefried: „Wir müssen die Herzen der Menschen erreichen“

Von Klaus Wieschemeyer

Die Herzen der Menschen will der neue CDU-Generalsekretär Kai Seefried, hier im Niedersächsischen Landtag, mit der Union erreichen. 

            

              
                Foto: dpaDie Herzen der Menschen will der neue CDU-Generalsekretär Kai Seefried, hier im Niedersächsischen Landtag, mit der Union erreichen. Foto: dpa

Hannover. Die Landes-CDU sitzt zwar wieder in der Regierung, hat als zweitstärkste Kraft ihr Wahlziel aber verfehlt. Nun soll Kai Seefried (39) die Partei erneuern. Der gelernte Tischler aus dem Kreis Stade ist seit zwei Monaten Generalsekretär. Wir haben mit ihm über seine Aufgabe gesprochen.

Herr Seefried, ab Freitag trifft sich die CDU-Landesspitze in Walsrode. Dabei geht es auch um die Wahlniederlage in Niedersachsen. Was hat die CDU falsch gemacht?

Es geht nicht nur um die Landtagswahl. Es geht um einen längeren Prozess, mit dem die Volksparteien insgesamt zu tun haben. Dabei treten oft Randthemen in den Vordergrund. Wir müssen aber Antworten auf die Fragen geben, die die Menschen bewegen. Ob die Rente nach 45 Arbeitsjahren reicht, wie wir die Herausforderungen durch die Flüchtlingskrise bewältigen.

Es gab aber doch auch viele konkrete Fehler der CDU vor der Landtagswahl …

Natürlich. Aber wir sind vor der Wahl auch in einen bundespolitischen Abschwung hineingeraten. Im Herbst gab es eine Grundstimmung, dass viele Menschen sich von der Politik nicht ausreichend mitgenommen fühlen. Ich habe für mich wahrgenommen, dass es vielfach mehr um Gefühle ging als um Inhalte. Und da war es schwer, unsere Themen zu platzieren.

Also muss die CDU gefühliger werden?

Wir müssen die Herzen der Menschen erreichen. Das können wir über Regionalität und Kontinuität in der Arbeit schaffen. Die Menschen müssen sehen: Wir sind vor Ort, wir sind ihre Ansprechpartner und nehmen ihre Sorgen und Ängste ernst. Und dann sind wir auch bei der Landespolitik.

Wie wollen Sie die CDU wieder zur stärksten Politkraft im Land machen?

In der Fläche sind wir das nach wie vor. Unsere Stärke ist die Nähe zu den Menschen vor Ort. Daraus wird „Unser Plan für Niedersachsen“ entwickelt. Dieser gilt dann für die Kommunalwahl 2021 und die Landtagswahl 2022. Dabei wollen wir ganz bewusst auf die regionalen Identitäten und Unterschiede eingehen. Die Themen können im Emsland völlig andere sein als in Braunschweig.

Ein Programm aus der Fläche?

Das Wahlprogramm muss nicht zentralistisch aus Hannover entschieden werden. Es gibt nicht die eine richtige Antwort für das gesamte Land. Wichtig ist, dass wir Themen- und Taktgeber für die entscheidenden landespolitischen Themen sind.

Was ist das Ziel?

Wir stellen unsere Strategie unter das Motto „Meine CDU 2022“. Bei der nächsten Landtagswahl 2022 wollen wir auch auf Landesebene wieder stärkste Kraft werden. 2017 muss ein Ausrutscher bleiben.

Wie wollen Sie das machen? In der Regel verliert der kleine Koalitionspartner in Regierungen…

Einerseits werden wir mit der Kampagne 2022 stark auf Regionalität setzen. Andererseits werden wir auch in der Großen Koalition unser Profil schärfen. Wir haben fünf Minister und sind damit in der Koalition auf Augenhöhe. Und natürlich werden wir, dort wo wir keinen Minister stellen, unsere Positionen deutlich machen. Wir werden uns als Partei auch von der Bundespolitik und dem Koalitionspartner im Land inhaltlich abgrenzen.

SPD-Chef Stephan Weil will seine Partei zur „Niedersachsen-Partei“ machen…

Die Niedersachsen-Partei sind wir. Wir sind die mitgliederstärkste Partei in Niedersachsen und seit 1976 durchgehend die kommunalpolitisch stärkste Kraft im Land. Das ist eine gute Basis, auf der wir aufbauen können.

Ist die Parteistruktur mit mehreren Landesverbänden veraltet?

Wir können stolz darauf sein, dass wir als Volks- und Bürgerpartei so breit aufgestellt sind. Wir haben mit 60432 Mitgliedern nach wie vor eine sehr stabile Basis. Mit acht Bezirks- beziehungsweise Landesverbänden und 48 Kreisverbänden sind wir vor Ort präsent und kampagnenfähig.

Im verlorenen Landtagswahlkampf 2017 gab es viele Klagen zur Kampagnenfähigkeit, zudem sterben ihnen bei einem Durchschnittsalter von 60 Jahren die Mitglieder weg…

Unsere Basis ist gut, aber wir können sie weiterentwickeln. Wir haben Verbesserungsbedarf bei Kommunikationsfluss, Kampagnenfähigkeit, in der Mitgliederentwicklung und bei der Organisation. Das heißt aber nicht, dass wir Verbände auflösen. Unsere Stärke sind ja gerade unsere Mitglieder vor Ort.

Was wollen Sie ändern?

Die Geschäftsstellen in Kreisen und Bezirken müssen gestärkt werden. Wir brauchen vor Ort Mitarbeiter, die unsere Konzepte umsetzen können. Und wir setzen auf die Chancen moderner Kommunikationstechnik, um Akteure zu vernetzen. Ich möchte, dass wir die größte Whatsapp-Gruppe Niedersachsens werden.

Was will der männliche Generalsekretär machen, damit die CDU weiblicher wird?

Wir wollen offen diskutieren, wie es uns gelingt, Frauen langfristig einzubinden. Die Probleme liegen auf der Hand: Während in der Jungen Union noch viele Frauen politisch starten, fehlt dann, wenn ein neuer Lebensabschnitt mit mehr Verantwortung in Beruf und Familie beginnt, die Zeit.

Was brauchen Sie?

Mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Menschen, die aus zeitlichen oder auch gesundheitlichen Gründen nicht an einem Parteitag oder Diskussionsforen teilnehmen können. Da möchte ich die Chancen des Internets nutzen. Ich denke an ein „Cockpit“, in das man sich bei Beratungen einschalten und Anstöße geben kann. Das gilt übrigens nicht nur für Mitglieder. Sondern für alle, die sich für die Themen interessieren.

Reicht das?

Wir haben Mentoringprogramme und eine Talentschmiede für junge Leute. So eine Talentschmiede kann ich mir auch gut speziell für Frauen vorstellen. Insgesamt muss es uns aber gelingen, attraktiv für neue Mitglieder zu werden. Dazu gehören neue Formate und Beteiligungsmöglichkeiten. Es muss Spaß machen, in der CDU zu sein.