Bundespartei greift ein AfD-Chaos in Niedersachsen soll im März enden

Das Bürgerhaus in Hannovers Stadtteil Misburg war im Vorfeld des abgesagten AfD-Parteitags beschädigt worden. Foto: dpaDas Bürgerhaus in Hannovers Stadtteil Misburg war im Vorfeld des abgesagten AfD-Parteitags beschädigt worden. Foto: dpa

Hannover. Der monatelange Führungsstreit in der niedersächsischen AfD soll mit einem Parteitag im März enden. Das versprach Bundesvorstandsmitglied Stephan Protschka am Samstag demonstrierenden Mitgliedern.

Die AfD-Bundesspitze greift in den Machtkampf der niedersächsischen Landespartei ein. „Der Bundesvorstand verspricht, dass im ersten Quartal 2018 Klärung auch in diesem Bundesland stattfinden wird“, sagte das nach Hannover entsandte Vorstandsmitglied Stephan Protschka am Samstagmorgen bei einer Rede vor etwa 140 AfD-Mitgliedern vor dem Bürgerhaus in Hannover-Misburg. Die hatten sich dort versammelt, um gegen die kurzfristige Absage des für diesen Tag angesetzten Sonderparteitags zu demonstrieren. Landesparteichef Armin-Paul Hampel hatte die Veranstaltung kurzfristig mit der Begründung abgesagt, die Versammlung könne angefochten werden.

Absage eine „Riesensauerei“

Hampelgegner sehen darin den Versuch des Parteichefs, seine Abwahl zu verhindern. Landtagsfraktionschefin Dana Guth bezeichnete die Absage bei der Demonstration als „unerträgliche Unverschämtheit“. Hampels Stellvertreter Jörn König bat die angereisten Mitglieder um Entschuldigung für die Ereignisse der vergangenen Tage. Parteivize Wilhelm von Gottberg sprach von einer „Riesensauerei“ und erklärte, Hampel stelle sich mit der Entscheidung gegen den gesamten geschäftsführenden Vorstand.

Bereits am Freitag hatte sich der niederbayerische Bundestagsabgeordnete Protschka mit sieben Vorstandsmitgliedern beider Lager, allerdings ohne Hampel, getroffen. Dabei habe man einen Parteitag verabredet, in dem der offen ausgetragene Führungsstreit beendet werden solle. Der Parteitag dürfte voraussichtlich im März stattfinden, Datum und Ort stehen noch nicht fest. Protschka vermied es, sich auf die Pro- oder Contra-Hampel-Seite zu stellen. Er ließ aber indirekt durchblicken, dass die kurzfristige Absage auch die Bundespartei irritiert hatte. So habe Parteichef Jörg Meuthen eigentlich vorgehabt, ein Grußwort in Hannover zu sprechen.

„Flugunfähiger Truthahn“ AfD

Mehrere Redner stellten bei der Demonstration klar, dass die niedersächsische Partei nicht durch einen Richtungsstreit, sondern lediglich durch persönliche Animositäten gelähmt sei. Der Osnabrücker Christopher Jahn warb für die „Neustart“-Kampagne der Landespartei, in der Hampelkritiker im Internet ein Ende der Selbstbeschäftigung fordern. Derzeit sei die Niedersachsen-AfD ein „flugunfähiger Truthahn“, sagte Jahn. Fraktionschefin Guth rief die Partei zu Geschlossenheit und zu einem Ende von Personaldebatten auf. Es sei völlig egal, wer im Landesvorstand sitze. Die Partei brauche vielmehr eine ordentliche Organisationsstruktur.

Etwa 30 Gegendemonstranten protestierten in Misburg lautstark gegen die AfD-Kundgebung. Im Vorfeld hatten Unbekannte Fenster des städtischen Bürgerhauses eingeschlagen und mit Anti-AfD-Parolen besprüht.


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