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12.01.2018, 17:57 Uhr KOMMENTAR

AfD Niedersachsen: Spalten statt Versöhnen

Kommentar von Klaus Wieschemeyer

2016 traten Jörn König (li.) und Armin-Paul Hampel noch gemeinsam auf. Mittlerweile sind beide heftig zerstritten. Foto: dpa2016 traten Jörn König (li.) und Armin-Paul Hampel noch gemeinsam auf. Mittlerweile sind beide heftig zerstritten. Foto: dpa

Mit der Absage des Parteitags am Samstag erreicht der Streit in der AfD Niedersachsen einen neuen Höhepunkt. Die Politik von Parteichef Hampel hat die Eskalation begünstigt.

Natürlich gibt es auch in anderen Parteien Streit um Posten und Personen. Doch was ihr niedersächsischer Landesverband abliefert, hat selbst für die Verhältnisse der AfD eine besondere Qualität.

Die Parteispitze ist mittlerweile derart tief gespalten, dass sie ihre Mitglieder zu getrennten Parteitagen einlädt und konkurrierende Wahlpartys ausrichtet. Die politische Handlungsfähigkeit der Niedersachsen-AfD ist mit der Beschädigung innerparteilicher Gegner voll ausgeschöpft.

Diese Unversöhnlichkeit hat ihren Ursprung im absolutistischen Führungsstil des Vorsitzenden, den viele seiner jetzigen Kritiker viel zu lange aus falsch verstandener Loyalität gestützt haben. In der Welt von Paul Hampel ist offene Kritik gleich Verrat, das Hinterfragen der Spitze Verschwörung. Während andere Parteien auf Ausgleich zwischen ihren Flügeln achten, hat Hampels Parteispitze intern das Motto „Spalten statt Versöhnen“ angewandt. Das rächt sich nun mit miesen Wahlergebnissen und erbittertem Dauerstreit. Es ist höchste Zeit, dass die Bundespartei die Reißleine zieht. Ob ausgerechnet Jörg Meuthen der Richtige dafür ist, bleibt aber offen. Der Bundesvorsitzende ist zwar für seinen moderaten Tonfall bekannt. Doch als Stuttgarter Fraktionschef machte er bei der Moderation parteiinterner Konflikte in der Vergangenheit selten eine gute Figur.


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