Vermittler aus dem Bund Meuthen soll Chaos-AfD in Niedersachsen befrieden

Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen soll die tief zerstrittene Landes-AfD befrieden. Foto: dpaDer AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen soll die tief zerstrittene Landes-AfD befrieden. Foto: dpa

Hannover. An diesem Samstag wird es keinen Parteitag der tief zerstrittenen Niedersachsen-AfD in Hannover-Misburg geben. Damit fällt die Abrechnung der Kritiker mit Landeschef Paul Hampel zunächst aus. Nun soll Bundessprecher Jörg Meuthen vermitteln.

Der für Samstag, den 13. Januar, angesetzte Parteitag der niedersächsischen AfD findet nicht statt. Am Freitagnachmittag zogen Gegner des Parteichefs Armin-Paul Hampel vor dem Amtsgericht Hannover einen Eilantrag zurück, mit dem sie die Kündigung der Veranstaltungshalle in Hannover-Misburg durch den eigenen Landesverband stoppen wollten.

Der intern umstrittene Parteichef Hampel hatte den für Samstag und Sonntag geplanten Parteitag am Donnerstagabend aus formalen Gründen abgesagt. Es bestehe die Gefahr, dass die Beschlüsse für „null und nichtig“ erklärt werden, warnte Hampel. Nun solle der Parteitag „schnellstmöglich“ nachgeholt werden.

Meuthen und Protschka sollen vermitteln

Hampel-Gegner gaben sich entsetzt über die Absage und informierten die Bundespartei. Die will sich das Chaos in Niedersachsen offenbar nicht weiter tatenlos anschauen. „Der Bundesvorstand arbeitet mit aller Kraft daran, die Situation im Landesverband zu befrieden“, erklärte der Sprecher der Bundes-AfD, Christian Lüth, am Freitag. Der Bundesvorstand habe zwei Vermittler bestimmt, erklärte Lüth. Dies seien der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen aus Baden-Württemberg und der bayerische Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka. Die Bundespartei ist schon länger unzufrieden mit den Kabalen in der niedersächsischen Landespartei.

Gespaltener Vorstand

Die Absage ist vorläufiger Höhepunkt eines Landesvorstands-Streits zwischen Hampel und früheren Gefolgsleuten um Hampels Stellvertreter Jörn König. Am Abend der Landtagswahl am 15. Oktober hatten sich mehrere Hampel-Stellvertreter vom Parteichef distanziert. Beim nun abgesagten Parteitag wollten sie die Neuwahl des gesamten Vorstands erreichen. Auf einer eigens eingerichteten Internetseite fordern sie einen „Neustart für Niedersachsen“. Die derzeitige Situation sei einer AfD „unwürdig“. In der Landespartei gebe es „persönliche Eitelkeiten“, „Diffamierungskampagnen“, „leere Kassen“ und einen völlig unstrukturiert arbeiten Landesvorstand, heißt es auf der Seite.

Offener Streit

Der Absage durch Hampel ging ein offener Streit mit teils konkurrierenden Einladungen zu Landesparteitagen zuvor. König bezeichnete die Absage in einer mitgliederinternen Mail am späten Donnerstagabend als „ungeheuerlichen Vorgang“ und „erneuten historischen Tiefpunkt“ im Zustand des Landesverbandes. Man wolle sich trotzdem in Misburg treffen, kündigte König an.

Der niedersächsische AfD-Landesverband hat in den vergangenen Monaten vor allem mit internen Streit und gefälschten Wahlbriefen von sich reden gemacht. Bereits 2017 versuchten Hampel-Kritikern um die heutige Landtagsfraktionschefin Dana Guth erfolglos, den umstrittenen Parteivorsitzenden bei einem Parteitag abzusetzen. Damals stand die Gruppe um den Hannoveraner Jörn König aber noch auf Hampels Seite.


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