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Kostenlose Kastrationen Niedersachsen will Leid von streunenden Katzen eindämmen

Von dpa

Herrenlose Katzen können zwei Monate lang beim Tierarzt kostenlos kastriert und registriert werden. Foto: dpaHerrenlose Katzen können zwei Monate lang beim Tierarzt kostenlos kastriert und registriert werden. Foto: dpa

Hannover. Das niedersächsische Agrarministerium stellt 200 000 Euro für ein besonderes Tierschutzprojekt zur Verfügung. Acht Wochen lang sollen herrenlose Katzen und Kater kostenlos kastriert und registriert werden. Die Tierärztekammer koordiniert die Aktion.

Um das Elend verwilderter Katzen einzudämmen, startet das Land Niedersachsen am 15. Januar ein Projekt zur Kastration herrenloser Tiere. Ehrenamtliche Betreuer von Futterstellen sowie Tierheim-Mitarbeiter können freilebende Katzen, die keinem Besitzer zuzuordnen sind, bis zum 15. März kostenlos kastrieren und registrieren lassen. „Wir haben es hier mit einem erheblichen Tierschutzproblem zu tun“, sagte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Mittwoch. Ihr Ministerium fördert das Projekt mit 200 000 Euro. Rund 200 000 verwilderte Katzen gibt es in Niedersachsen. Die Tierheime im Land stellt es vor große Probleme, dass sich die Streuner seit Jahren unkontrolliert vermehren.

„Die Katzen sind oftmals abgemagert und scheu, leiden unter Wurmbefall, Parasiten und Verletzungen durch Rangkämpfe“, sagte die Landesbeauftragte für Tierschutz, Michaela Dämmrich. Infektionskrankheiten könnten sich bei den geschwächten Tieren schnell ausbreiten und auf Hauskatzen oder sogar deren Besitzer übertragen werden. Darüber hinaus sind wildernde Katzen ein großes Problem für die heimische Vogelwelt mit ihren gefährdeten Arten.

Bundesweit werden rund 13 Millionen Katzen gehalten, der Deutsche Tierschutzbund geht von etwa zwei Millionen herrenlosen Tieren aus. Die Tierärztekammer Niedersachsen übernimmt die Organisation des neuen Projektes, die Veterinäre verzichten auf 25 Euro ihrer Behandlungskosten pro Tier. Zudem steuern der Deutsche Tierschutzbund sowie sein Landesverband und die Tierschutzorganisation Tasso jeweils 15 000 Euro bei. Etwa 2600 Tiere können mit den insgesamt 245 000 Euro im Projektzeitraum kastriert und gekennzeichnet werden.

„Privatpersonen müssen einen Ausweis vorlegen und schriftlich bestätigen, dass es sich um wilde, freilebende Tiere handelt“, betonte der Präsident der Tierärztekammer Niedersachsen, Uwe Tiedemann. Die Kammer beschreibt auf ihrer Internet-Seite, wie die Streuner mit Lebendfallen einzufangen sind. Zuvor sollte allerdings bereits der Kastrationstermin mit dem Tierarzt vereinbart worden sein.

Die Tierschutzbeauftragte sieht aber nicht nur die Tierheime, sondern vor allem die Besitzer der landesweit etwa 1,3 Millionen Hauskatzen in der Pflicht. „Indem Katzenbesitzer ihre Tiere per Mikrochip durch den Tierarzt kennzeichnen lassen und ihre Kater und Katzen rechtzeitig vor dem ersten Freigang kastrieren, können sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die freilebende Katzenpopulation zu regulieren“, sagte sie. Die Kastration sei auch bei allen umherstreifenden Bauernhof-Katzen im ländlichen Raum notwendig.

Mit dem Projekt sollen Tierheime und Tierschutzvereine bei der Betreuung von freilebenden Tieren finanziell entlastet werden. Ihnen fehle oft die dringend notwendige Unterstützung der Kommunen, welche für die Pflege von obdachlosen Katzen zuständig sind, kritisierte Dämmrich. Sie appellierte an die Städte und Gemeinden, Katzenschutzverordnungen mit einer Kastrationspflicht zu erlassen.

Zwischen Harz und Nordsee haben dies schon etwa ein Drittel der Kommunen getan. „Damit ist Niedersachsen Vorreiter in Deutschland“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes des Deutschen Tierschutzbundes, Dieter Ruhnke. Teilweise gelten die Verordnungen bereits für komplette Landkreise, etwa im Landkreis Leer, Cloppenburg oder Diepholz. Bis auf die Region Hannover haben Ruhnke zufolge auch schon alle großen Städte im Land die Kastrationspflicht für Katzen eingeführt.


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