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Franz-Josef Bode entfacht Diskussion Osnabrücker Bischof Bode: Segnung gleichgeschlechtlicher Paare?

Von Stefanie Witte

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode facht die Debatte um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare neu an. Foto: David EbenerDer Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode facht die Debatte um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare neu an. Foto: David Ebener 

Osnabrück. Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Franz-Josef Bode, entfacht die Diskussion über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der katholischen Kirche neu. Laienorganisationen fordern aktives Handeln.

Im Interview mit unserer Redaktion sagte Bode: „Ich meine, wir müssen in der Kirche ausführlicher darüber diskutieren. Schweigen und Tabuisieren führt nicht weiter und verunsichert.“ Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz regte an, über eine Segnung nachzudenken, die jedoch nicht mit einer Trauung zu verwechseln sei. Auch wenn sich die „Ehe für alle“ vom Eheverständnis der Kirche unterscheide, sei sie nun politische Realität. „Wir müssen uns daher fragen, wie wir denjenigen begegnen, die diese Verbindung eingehen und die sich ja zum Teil auch in der Kirche engagieren. Wie begleiten wir sie pastoral und liturgisch? Wie werden wir ihnen gerecht?“

Wir sind Kirche: „Taten müssen folgen“

Die katholische Laienorganisation „Wir sind Kirche“ sprach sich auf Anfrage für eine Segnung aus. „Wenn Autos und wer weiß noch alles gesegnet werden, so darf gleichgeschlechtlichen Paaren die Kirche den Segen nicht verweigern“, sagte Sprecher Christian Weisner. „Ich denke, dass es zum Glück auch Priester gibt, die gleichgeschlechtliche Paare zumindest im kleinen Kreis und ohne mediale Aufmerksamkeit segnen. Und das ist gut so.“

Hier finden Sie das Interview mit Bischof Franz-Josef Bode im Wortlaut >>

Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche fordert die katholischen Bischöfe indes zu einer wertschätzenden theologischen Debatte über die Segnung von lesbischen und schwulen Paaren im Gottesdienst auf. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Markus Gutfleisch, Sprecher der Arbeitsgruppe: „Die deutschsprachigen Bischöfe der letzten Familiensynode haben 2015 Homosexuelle um Entschuldigung für harte und unbarmherzige Haltungen der Kirche gebeten. Dieser Entschuldigung müssen jetzt Taten folgen“.

Bode: „So viel Positives, Gutes und Richtiges“

Bode gab im Interview zu bedenken, dass homosexuelle Beziehungen in der Kirche oft zunächst als schwere Sünde eingeordnet würden. „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir eine Beziehung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen differenziert bewerten“, sagte Bode. Ist da nicht so viel Positives, Gutes und Richtiges, dass wir dem gerechter werden müssen?“

Damit bringt der Bischof neuen Schwung in eine Debatte, die viele seiner Kollegen scheuen oder ablehnen. Noch im September hatte der Münsteraner Bischof Felix Genn für Empörung gesorgt, als er einem Pfarrer in Emmerich am Niederrhein verboten hatte, die homosexuelle Beziehung des Bürgermeisters Peter Hinze (SPD) zu segnen. Hinze sagte daraufhin: „Man kann nicht schärfer den Eindruck bekommen, dass wir Menschen zweiter Klasse sind.“

Im Vorfeld der Bundestagsentscheidung zur Ehe für alle hatte die katholische Kirche aktiv für ein Nein geworben. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte dagegen keine Einwände. In den meisten Landeskirchen können sich gleichgeschlechtliche Paare segnen lassen. Mancherorts heißt der Gottesdienst dazu „Trauung“ und in einigen Landeskirchen ist die Eheschließung homosexueller Paaren sogar vollkommen gleichgestellt. Einheitlich handeln die deutschen Landeskirchen jedoch nicht. In der Württembergischen Landeskirche etwa scheiterte im November ein Kompromiss, der zur Folge gehabt hätte, dass Homosexuelle in einem öffentlichen Gottesdienst hätten gesegnet werden können.