Mutter vor Gericht Urteil in Lüneburg: Lebenslang für Babymord

Von dpa

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Maya wurde nur wenige Monate alt. Ihre Mutter soll sie erstickt und ihr dann den Kopf abgetrennt haben. Das Gericht erkennt auf Mord aus niedrigen Beweggründen. Foto: Axel Heimken/dpaMaya wurde nur wenige Monate alt. Ihre Mutter soll sie erstickt und ihr dann den Kopf abgetrennt haben. Das Gericht erkennt auf Mord aus niedrigen Beweggründen. Foto: Axel Heimken/dpa

Lüneburg. Maya wurde nur wenige Monate alt. Ihre Mutter soll sie erstickt und ihr dann den Kopf abgetrennt haben. Das Gericht erkennt auf Mord aus niedrigen Beweggründen. Man stehe fassungslos vor dem Geschehen, aber nicht ohne Erklärung, heißt es in der Urteilsbegründung.

Ihre Mutter soll die erst vier Monate alten Maya erstickt haben. Dann hat sie dem Mädchen den Kopf abgetrennt und das tote Kind zurückgelassen, davon ist das Schwurgericht in Lüneburg überzeugt. „Die Angeklagte ist des Mordes schuldig“, sagte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch am Donnerstag. „Sie wird zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.“

Am 5. Januar vergangenen Jahres hatten Polizeibeamte das tote Kind in der Wohnung der 24-Jährigen in Soltau entdeckt. Der Vater des Mädchens hatte die Beamten alarmiert, er war einige Tage zuvor von der Polizei der Wohnung verwiesen worden. Das Paar hatte sich auf der Flucht aus Afrika kennengelernt. Er stammte aus dem Sudan, sie aus Eritrea oder Äthiopien.

„Immer wieder kam es zu heftigen Zerwürfnissen“, schilderte Kompisch die Beziehung der beiden. Wiederholt geht die Mutter in ein Frauenhaus, es gibt Polizeieinsätze. So ging die Staatsanwaltschaft von Rache am Kindsvater für angeblich von ihm verübte Gewalttätigkeiten als Motiv aus. Am Donnerstag plädierte sie überraschend auf Totschlag und eine Haftstrafe von 14 Jahren.

Rechtlich sei es ein Mord aus niedrigen Beweggründen, erklärte Kompisch. „Man steht fassungslos vor dem Geschehen, aber nicht ohne eine Erklärung“, sagte er. „Ihr Hauptmotiv war: Mit dem Kind werde ich nichts.“ Die Frau habe nach der Trennung vom Partner ein anderes Leben ohne das Kind in Frankreich führen wollen. Schon vorher sei die Kleine nicht wahrgenommen worden. „Es ist keine Tat aus Wut“, sagte er. Die Angeklagte sei voll schuldfähig, weitere psychiatrische Gutachten nicht notwendig.

Tagelang habe es in der Wohnung kein Lebenszeichen von der Frau und dem Baby gegeben, hatte der ehemalige Lebensgefährte ausgesagt. Er habe die Frau auf einem Flüchtlingsboot auf dem Mittelmeer Ende 2015 kennengelernt. Der 27-Jährige bestritt im Landgericht, seine Freundin misshandelt zu haben.

Die Frau war zunächst nach Frankreich gefahren, vier Monate später wurde sie aber verkleidet im Stadtgebiet von Soltau gefasst. Regungslos hörte sie während der Urteilsbegründung ihrem Übersetzer zu. Erst habe sie das Mädchen erstickt, vermutlich mit einem Kissen oder einer Decke, zeigte sich das Gericht am Donnerstag überzeugt. Die Gutachterin habe keine Anhaltspunkte für einen Unfall oder plötzlichen Kindstod finden können. Den Kopf habe die Angeklagte abgetrennt, weil der Tod bei einem kleinen Kind nur sehr schwer festzustellen sei, sagte Kompisch. Fast wie aufgebahrt wurde Maya schließlich auf einem Bett in der Wohnung gefunden.

„Wir werden Revision einlegen“, kündigte Verteidiger Ulrich Albers nach dem Urteil am Nachmittag an, er hatte auf Freispruch plädiert. „Meine Mandantin ist als Täterin nicht überführt.“


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