230 Leitungsposten im Land unbesetzt An diesen Schulen in der Region will niemand Rektor werden

Von Dirk Fisser | 04.04.2016, 07:34 Uhr

Niedersachsen hat Schwierigkeiten Rektoren für Schulen zu finden. Etwa 230 Leitungsposten sind derzeit im gesamten Land unbesetzt. Besonders ausgeprägt ist das Problem zum einen an Grundschulen, zum anderen in der Region Weser-Ems. Selbst schuld, wirft die FDP-Landtagsfraktion der Landesregierung vor. Das Kultusministerium kontert, es sei schon viel gemacht worden, um die Rektoren-Tätigkeit attraktiver zu machen.

228 Lehranstalten ohne amtierenden Rektor benennt das Kultusministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der FDP. 81 der betroffenen Schulen sind in der Verantwortung der Osnabrücker Regionalabteilung der Landesschulbehörde. Das Zuständigkeitsgebiet der Abteilung ist deckungsgleich mit dem ehemaligen Regierungsbezirk Weser-Ems.

Besonders ausgeprägt sind die Schwierigkeiten laut Ministerium bei Grundschulen. Allein zwischen Nordseeküste und Teutoburger Wald sind 56 Leitungsposten unbesetzt, landesweit sind es etwa 150. In sechs Fällen ist der Grund, dass die Schulen in absehbarer Zeit geschlossen werden. Dies gilt etwa für die Grundschulen in Teglingen (Meppen) oder Burlage (Ostfriesland). (Weiterlesen: Nachnutzung der Grundschule Teglingen noch unklar)

Kein einziger Bewerber

Auffällig in den Fällen, wo tatsächlich eine neue Schulleitung her müsste: Auf viele Ausschreibungen meldet sich kein einziger Bewerber. So kommt es dann auch zu Dauervakanzen von einem Jahr und länger. Besonders davon betroffen ist der Landkreis Emsland. Hier sind gleich 13 Leitungsposten seit mehr als einem Jahr verwaist. Im Landkreis Osnabrück gibt es solche Fälle hingegen nicht.

Woran liegt’s? Björn Försterling, schulpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion verweist auf die Besoldung. Seit Jahren wird kritisiert, dass besonders Rektoren von Grundschulen unzureichend entlohnt werden. Wer beispielsweise Chef einer sogenannten Zwerggrundschule mit 50 oder weniger Kindern werden will, erhält dafür eine Bruttozulage von 150 Euro im Monat, verweilt aber wie seine Lehrerkollegen in der Besoldungsgruppe A12 (je nach Dienstzeit zwischen 3180 und 4400 Euro monatlich). Der Schulleitungsverband fordert: Kein Rektorenamt unter der Besoldungsstufe A14 (zwischen 3721 und 5375 Euro). (Weiterlesen: Verband fordert mehr Geld für Rektoren)

FDP fordert bessere Besoldung

Försterling fordert: „Es wird Zeit, dass die Landesregierung die Schulleiterposten lukrativer macht.“ Es gebe viele junge Lehrkräfte, die gerne einen Leitungsposten übernehmen wollten, ist der Politiker sicher. „Aber die Bedingungen dafür stimmen einfach nicht.“

Ganz so weit wie der Schulleitungsverband geht die FDP indes nicht. Für Zwerggrundschulen – hier sind allein im Raum Weser-Ems 15 Leitungsposten vakant – fordert Försterling: „Die Position der kleinen Grundschulleiter muss besser vergütet werden. Wir wollen den Sprung auf A13, also eine komplette Besoldungsgruppe höher, erreichen.“

Kultusministerium: Rechtlich problematisch

Das Kultusministerium hält auf Anfrage dagegen, dass eine Stellenhebung besoldungsrechtlich problematisch sei. „Wenn das Land an einer Stelle die Besoldung um eine Besoldungsgruppe erhöhen würde, dann müsste das auch bei den anderen Funktionsstellen geschehen“, lautet die Rückmeldung aus Hannover. Würde ungeachtet dessen jedes Schulleiteramt auf die Besoldungsstufe A14 gehievt werden, sei das gleichbedeutend mit jährlichen Mehrkosten in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages.

Zudem verweist ein Sprecher auf zahlreiche weitere Maßnahmen, die ergriffen worden seien, um den Rektoren das Berufsleben zu erleichtern. Dazu zählten die Schaffung von 120 unterstützenden Stellen in der Landesschulbehörde, Qualifizierungsmaßnahmen und weitere Hilfsangebote. Der Sprecher betont: „Diese Maßnahmen werden nach und nach positiv Wirkung entfalten, aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen.“

Zwerggrundschulen nicht in Gefahr

Übrigens: Das Problem der Vakanzen vor allem in Zwerggrundschulen ließe sich natürlich durch die Schließung eben solcher beheben. Dazu hatte bereits der Landesrechnungshof geraten. Er kam zu dem Ergebnis, dass die kleinen Lehranstalten zum einen zu teuer im Unterhalt seien und zum anderen die Unterrichtsqualität trotz der geringen Anzahl an Schülern nicht besser sei.

Die Schulen befinden sich allerdings in Trägerschaft der Kommunen, das Land stellt und bezahlt die Lehrer. In der Vergangenheit war bereits überlegt worden, Mindestgrößen für Schulen in Niedersachsen vorzuschreiben. Davon ist in Hannover jetzt aber nicht mehr die Rede. Aus dem Ministerium heißt es auf Nachfrage: Die kommunale Selbstverwaltung sei verfassungsrechtlich abgesichert, „und an der kommunalen Selbstverwaltung werden wir nicht rütteln.“ (Weiterlesen: Zwerggrundschulen: Rechnungshof empfiehlt Schließung)