Gesellschaft Niedersachsens Einwohner vererben dem Land Millionen

Von dpa | 16.03.2020, 10:54 Uhr

Viele Nachlässe fallen in Niedersachsen an das Land. Oft sterben Menschen ohne Kinder oder andere Verwandte, eine der möglichen Ursachen. Vererbt wird aber nicht nur Geld.

Das Land Niedersachsen bekommt viele Erbschaften von seinen Einwohnern, im vergangenen Jahr war deren Wert besonders hoch. Insgesamt wurden so 10,72 Millionen Euro eingenommen, wie eine Sprecherin des zuständigen Landesamtes für Bau und Liegenschaften (NLBL) in Hannover mitteilte. Es habe genau 1992 Erbschaften gegeben. Während die Zahl der Erbschaften damit im Vergleich zum Vorjahr annähernd konstant blieb, haben sich die Einnahmen fast verdoppelt - 2018 waren es noch 5,55 Millionen Euro.

„Der deutlich gestiegene Betrag ist vor allem darauf zurückzuführen, dass dem Land aus einzelnen testamentarischen Erbschaften überdurchschnittlich hohe Einnahmen zugeflossen sind und zudem einige sehr werthaltige Liegenschaften verkauft werden konnten“, sagte NLBL-Sprecherin Ute Stallmeister der Deutschen Presse-Agentur. „Dieser Anstieg ist aber nur punktuell“, betonte sie. „Wir gehen von einem Rückgang in 2020 aus.“ 2017 habe es 1964 Erbschaften im Wert von 5,99 Millionen Euro gegeben, im Jahr davor 1740 Erbschaften mit einem Erlös von 7,14 Millionen Euro.

„Oft sterben Menschen, die keine nahen Angehörigen mehr haben“, sagte Stallmeister zu den Hintergründen der anhaltend hohen Zahl von Erbschaften. „Oft schlagen Angehörige Nachlässe aus, weil die Verstorbenen überschuldet waren.“ Sie wollten dabei kein unnötiges Haftungsrisiko eingehen.

Zu den sogenannten Fiskalerbschaften gehörten ganz unterschiedliche Dinge, sagte Stallmeister. So gehe es um Immobilien und Konten, Beteiligungen oder Patente. Auch Tiere, Autos und Waffen gehörten dazu, ebenso Schmuck, Münzen, Goldbarren und Antiquitäten. Objekte könnten dabei auch im Ausland liegen, etwa in Griechenland.

„Immobilien spielen weiterhin eine große Rolle“, betonte sie. Dennoch sei das Land über solche Erbschaften nicht immer erfreut. „Die Staatserbschaften lassen sich oft nur mit hohem Aufwand verwalten und verkaufen“, erklärte Stallmeister. Die Immobilien lägen oft in strukturschwachen Gegenden. Zudem seien sie in der Regel etwa mit Hypotheken belastet und das oft über dem Verkehrswert. Zudem seien viele der Immobilien in einem sehr schlechten Zustand. Manchmal müsse sich das Land jahrzehntelang um fast unverkäufliche Gebäude kümmern.

Für die Verwaltung der Immobilien ist der Landesliegenschaftsfonds zuständig. Er versucht, alle Bestandteile der Fiskalerbschaften zu verwerten. So werden bewegliche Gegenstände wie Autos über das Portal www.zoll-auktion.de versteigert. Immobilien können über die Homepage des Fonds oder über Immobilienportale im Internet ersteigert werden.