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Prorussische Influencerin Ermittlungen wegen Kriegspropaganda gegen Alina Lipp

Von Julia Falkenbach | 16.06.2022, 12:58 Uhr

Von der grünen Kommunalpolitikerin zur pro-russischen Kriegsdemagogin: Alina Lipp aus Niedersachsen verbreitet prorussische Fakenews. Dafür könnte sie ins Gefängnis kommen.

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In diesem Artikel erfährst Du:

  • Wie Alina Lipp Stimmung für Putin macht.
  • Welcher Tatbestand ihr vorgeworfen wird.
  • Dass ihre Konten in Deutschland eingefroren wurden.

Wer die Bilder von getöteten, unbewaffneten ukrainischen Zivilisten sieht, kann eigentlich nur einen Wunsch verspüren: Dass Putins Krieg endlich endet. Dass Menschen sich nicht mehr zwischen ihrer Heimat und ihrem Leben entscheiden müssen. Dass das sinnlose Töten endlich aufhört. Und dass Ukrainer in Frieden in ihrem Land leben können. Oder man ist Alina Lipp. Die 28-jährige aus Niedersachsen ist prorussische Kriegs-Influencerin.

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Beispiel Butscha: Die Bilder des zerstörten Kiewer Vororts gingen Anfang April um die Welt. Massengräber, erschossene Zivilisten, Folterspuren und Augenzeugenberichte: Die Indizien, dass russische Soldaten in Butscha Kriegsverbrechen begangen haben, sind eindeutig. „Die Ermordung von Zivilisten ist ein Kriegsverbrechen“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz Anfang April in Berlin. Lipp bewertet die Bilder aber nicht als Ausweis für die Grausamkeit russischer Soldaten – sondern als Beleg für die Perfidität ukrainischer Propaganda.

Mehr als 150.000 Follower

Die Bilder seien inszeniert, die westliche Öffentlichkeit werde getäuscht, ist Lipp sich sicher – und bewegt sich damit ganz auf der Linie des Kremls. Zum Beleg teilt sie etwa eine Analyse der Lage auf Telegram: Weil der Name des Ortes „Butscha“ ähnlich wie das englische „Butcher“ (Schlachter) klinge, sei klar, dass „westliche Technologen“ hinter der Sache steckten.

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Alina Lipp ist Tochter einer deutschen Mutter und eines russischen Vaters und wuchs in Lüneburg auf. Sie studierte Nachhaltigkeitsmanagement und engagierte sich eine Zeit lang bei den Grünen in Hannover kommunalpolitisch, brach aber später mit der Partei. Nach der russischen Annexion der Krim zog Lipp dorthin und wurde mit ihrem Youtube-Channel zur „Krimfluencerin“.

Ansichten wie diese teilt Lipp auf ihrem Telegram-Account. Ihre Postings lesen rund 150.000 Follower. In Russland war sie zuletzt in mehreren Talkshows staatsnaher TV-Sender zu Gast.

So krass waren Ihre Aussagen zu Beginn des Kriegs:

„Die Denazifikation hat begonnen.“
Alina Lipp am 24.2. auf Telegram

Vorwurf der „Billigung von Straftaten“

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Wie „t-online“ berichtet, ermitteln deutsche Behörden nun gegen Lipp wegen ihrer Postings zum Ukraine-Krieg. Ihr wird vorgeworfen, gegen § 140 – Strafgesetzbuch (StGB) verstoßen zu haben. Darin ist die „Belohnung und Billigung von Straftaten“ geregelt. Dem Wortlaut nach kann jemand mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden, wenn er eine rechtswidrige Tat...

  • ...„belohnt, nachdem sie begangen oder in strafbarer Weise versucht worden ist, oder
  • ...in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts (§ 11 Absatz 3) billigt.“

Staatsanwaltschaft Göttingen ermittelt

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Zudem stellten die Behörden nach Angaben des Nachrichtenportals Geld sicher, das Lipp als Spenden erhalten haben soll, um ihre Propagandaarbeit zu finanzieren. Zu Beginn des Kriegs hat sich Lipp selbst Geld von einem deutschen auf ein russisches Konto überwiesen, wie „t-online“ berichtet. Lipp war nach Angaben der Staatsanwaltschaft vorab darüber informiert worden. Zuständig für die Ermittlungsarbeiten ist die Staatsanwaltschaft Göttingen. Dort ist die Zentralstelle für Hasskriminalität im Internet. Die Ermittlungen dauern an.