Tipps für Anfänger Dein Geld vergammelt auf dem Konto? So investierst Du richtig

Von Rebecca Niebusch | 27.10.2021, 12:06 Uhr

Investieren ist in aller Munde – auch bei jungen Menschen. Aber wie fängt man damit an? #neo hat einen Experten gefragt.

In diesem Artikel erfährst Du:

  • Wie man als junger Menschen sein Geld investieren kann.
  • Auf welchen Wegen Du Dich zu Aktien und ETFs informieren kannst.
  • Wie die Portfolios der Generation Y und Z aussehen.

Selbst wer sich mit Aktien nicht auskennt und immer noch das gute, alte Girokonto nutzt, nimmt beim Blick auf die Finanzberichterstattung vor allem einen Eindruck mit: Sparen ist out – investieren ist in. Blogs mit Finanztipps, "Ich mache dich reich"-Youtube-Videos und kostspielige Webinare gibt es viele. Seine Aktien und ETFs kann man mittlerweile sogar über das Smartphone verwalten und hat sie so immer dabei. Aber lohnt sich das Investieren für junge Menschen mit wenig Geld überhaupt? Und wie hoch ist dabei das Risiko, Verlust zu machen und sein Erspartes aufs Spiel zu setzen?

#neo hat mit Nils-Hendrik Höcker von der Investment-App BUX Zero gesprochen und ihn gefragt, was die ersten Schritte beim Investieren sind, was er von Finanztipps aus dem Internet hält und warum der Begriff Risiko problematisch ist. Außerdem haben wir einen Blick in die Portfolios der Generationen Y und Z geworfen.Aller Anfang ist schwer: Wie beginne ich mit dem Investieren?

Bevor man jetzt schon sein Sparschwein plündert, rät Nils, ein paar Fragen für sich selbst zu beantworten: "Der allererste Ansatz ist, das eigene Verhältnis zum Geld zu klären. Also: Wie emotional betrifft mich Geld? Wie wichtig ist mir Geld? Natürlich abgesehen von der Tatsache, dass man Geld zum Leben braucht."

Lohnt es sich, erst einmal mit einer kleineren Summe anzufangen, wenn der Geldbeutel keine großen Ausgaben zulässt? "Man kann bei ETFS, die sehr breit streuen, bereits kostengünstig handeln. Dann muss man sich nicht mehr mit den einzelnen Unternehmen beschäftigen." ETFs, erklärt Nils, decken bestimmte Themenbereiche ab oder bilden Aktienindizes ab. Als Beispiele nennt er den S&P 500, der die 500 größten US-amerikanischen Unternehmen abdeckt und den MSCI World, der die globale Wirtschaft abdeckt.

Mehr Informationen:

ETF (Exchange Traded Fund)

ETF steht für "Exchange Traded Funds" und ist übersetzt ein börsengehandelter Fonds. Ein ETF bildet immer einen Index von Wertpapieren nach. Das heißt, die Fondsgesellschaft nimmt das Geld ihrer Anleger und kauft Wertpapiere aller Firmen, die auch im ausgewählten Index zu finden sind.

"Man kann quasi sagen: 'Ich glaube, dass Technik immer funktioniert, ich glaube, dass die amerikanische Wirtschaft immer funktioniert also kauf ich mir den S&P 500 jeden Monat für eine Summe X.' Ich habe das einmal ausgerechnet: Wer jeden Monat 50 € bei einer Rendite von 5 Prozent investiert, hat nach 10 Jahren 6.000 Euro eingezahlt und bekommt oben drauf eine Rendite von 1924 Euro."

Mit kleineren Beträgen anzufangen ist also möglich – dann könne man seine Summe schrittweise erhöhen, wenn man sich damit wohlfühlt. "Eins ist klar", sagt Nils. "Das Geld auf dem Girokonto zu lassen ist das schlechteste, was man machen kann."

Mehr Informationen:

Zur Person

Nils ist Country Head bei BUX für Deutschland und Österreich. BUX ist als sogenannter Neo-Broker eine provisionsfreie Möglichkeit, in Aktien und ETFs direkt oder mit einem Sparplan zu investieren. "Der Begriff Neobroker ist vergleichbar mit dem der Neobanken; es handelt sich also um die neuere Version eines bestimmten Produktes; in diesem Fall des Broker-Produktes". Der Unterschied: BUX verfolgt einen "Technology-First"-Ansatz. "Das heißt: Wir haben keine teuren Filialen oder hochbezahlte Bank-Berater, sondern eine App, die in den Stores zur Verfügung steht und die sich Interessierte herunterladen können", sagt Nils.

Vor dem Investieren: Auf welches Pferd soll ich setzen?

Bei Finanzfragen wenden sich viele junge Leute immer noch als erstes an ihre Eltern. "Ich habe auch immer meinen Vater gefragt, bis ich dann aber selber für mich angefangen habe zu verstehen, was es für Möglichkeiten gibt", sagt Nils. "Es gibt im Internet viele gute Blogs, Youtube-Videos oder das Wissenszentrum bei BUX."

Der Finanzsektor ist nämlich eine eigene Welt mit vielen komplizierten Begriffen, in die man sich als Anfänger erst einmal einfinden muss. Was macht ein Broker? Was ist der Zineszins? Albert Warnecke vom Blog "Finanzwesir" hat #neo die wichtigsten Finanzbegriffe erklärt , damit Du stets den Überblick behältst. Daniel Korth, der als "Finanzrocker" bloggt , hat ebenfalls eine Botschaft für Neulinge : "Fallt nicht auf irgendwelche Hypes rein und investiert zum Beispiel schnell mal eben in Bitcoin. Das geht meistens in die Hose."

Man solle die Online-Ratschläge immer kritisch hinterfragen, sagt Nils – hier ginge es öfter darum, was gut laufe und nicht, welche Fehler jemand gemacht habe. Das müsse man immer im Hinterkopf haben. Eine explizite Warnung vor Beratungsinhalten spricht der Finanz-Profi auch aus: "Wenn jemand bei Youtube sagt: 'Ich habe mit Trading Millionen gemacht und hier kannst du für 15 Euro lernen wie es geht' – besser das Video direkt schließen. Bei Finanzcoaches, die angeblich Millionäre sind, sollte man skeptisch sein: Warum sollte ein Millionär Investmenttipps für 15 Euro bei Youtube verkaufen?"

Eine Möglichkeit, dem ständigen Recherchieren zu entgehen, seien die ETFs, die immer wieder automatisch ihre Gewichtung ändern. "Bei Aktien ist das etwas komplizierter: Es hört sich so simpel an, aber manchmal geht es darum, seinen gesunden Menschenverstand zu benutzen: Verstehe ich den Bereich? Finde ich das Produkt sinnvoll? Dann kann man eigentlich nicht so viel falsch machen", sagt Nils. "Schwierig sind dann natürlich Unternehmen in Branchen, die kompliziert zu verstehen sind, wie bei Bio-Tech. Wenn man in ein Unternehmen investiert, was an einem Krebs-Medikament forscht, kann es sein, dass sie scheitern."

Einen einfachen Trick hat er außerdem parat: "Ich sage immer so simpel: Wenn ich in meinem Umfeld sehe, wie alle auf einem Apple-Gerät tippen oder Instagram nutzen, dann sollte ich mir die Frage stellen, warum ich eigentlich nicht die Aktien besitze."

Angst ums Geld: Wie hoch ist das Risiko?

Doch auch wer gut informiert ist, scheut sich möglicherweise vor dem Risiko eines Investments. "Risiko liegt immer im Auge des Betrachters", sagt Nils. "Per se muss man dazu sagen: Aktienhandel ist an sich mit etwas Risiko verbunden. Gleichzeitig ist es aber auch so: Wenn man sich intensiv damit beschäftigt, seine Recherchen macht und sich die Entwicklung der letzten Jahre anguckt, hat man schon sehr gute Chancen."

Hier verweist er wieder auf S&P 500 und MSCI World. "Ich glaube seit 20 Jahren schaffen die so im Schnitt acht Prozent. Und in diesen 20 Jahren hatten wir auch so extreme Ereignisse wie die Anschläge auf das World Trade Center, die Finanzkrise und die Covid-19-Pandemie – trotzdem geht der Graph immer von unten links nach oben rechts. Das heißt, wenn man sehr langfristig investiert, hat man eigentlich ein sehr geringes Risiko. Das gilt auch für gewisse Trends, wie die Digitalisierung, um die niemand mehr herumkommt: Wer in die Digitalisierung oder Nachhaltigkeit investiert, investiert damit in die Zukunft."

„Ich sage immer so simpel: Wenn ich in meinem Umfeld sehe, wie alle auf einem Apple-Gerät tippen oder Instagram nutzen, dann sollte ich mal die Frage stellen, warum ich eigentlich nicht die Aktien besitze.“
Nils-Hendrik Höcker, BUX

Bitte sofort vergessen: Diese Börsenweisheiten sind veraltet

Ein Grund, warum Menschen vor dem Investieren zögern, sieht Nils in den Vorurteilen gegenüber der Börse. "Wenn man Leute zur Börse befragt, werden viele an den 'Wolf Of Wallstreet' denken und nicht an ein klassisches Anlageprodukt", sagt er. "Bis vor ein paar Jahren erzählte man sich noch die alte Börsenweisheit: 'Niemals einen Trade unter 1000 Euro machen.' Weil die Gebühren quasi die Gewinne fressen. Wenn sie das hören, sind neun von zehn Leuten raus. Dabei ist es heute möglich auch viel kleinere Beträge zu investieren, weil, auch dank Neobrokern, eben keine hohen Gebühren anfallen. Einen ETF-Sparplan kann man auch mit 50 Euro im Monat besparen. "

Alles eine Frage des Alters: Wie investieren Gen Y und Gen Z?

Wie sehen die Portfolios der Generation Y und Z aus, die bereits den Schritt zum Investment gegangen sind? Nils hat bei BUX einen Blick auf die beliebtesten Titel geworfen: "Was beide Gruppen gemeinsam haben: Technologie-Titel stehen im Vordergrund. Das heißt unter den Top Ten sind dann die üblichen Verdächtigen: Da ist Tesla, da ist Apple, das ist jetzt neuerdings auch Biontech, obwohl die auch eher in der Health Care-Branche anzusiedeln sind. Grundsätzlich ist es immer Tech und Consumer."

Man könne allerdings nicht immer vorhersagen, was die beiden Generationen favorisieren. "Nike, Airbnb und Facebook sind zum Beispiel nicht in den Top Ten, obwohl man ja denken würde, dass die bei jungen Leuten gut ankommen. Das überrascht mich persönlich immer sehr, wenn Brands, die im Nicht-Börsen-Umfeld sehr beliebt sind, nicht dazu gehören", sagt Nils. "Was man generell unter den Top-Werten selten findet sind Banken-Titel oder ältere Unternehmen aus der Energiebranche – es ist aber auch nicht ausgeschlossen."

Deutschland ist immer noch Spar-Nation – was daran schlecht ist

Bei BUX investieren hauptsächlich junge Leute: "Knapp 60 Prozent machen die Millenials aus und 30 Prozent die Genz Z. Bei einer klassischen Bank ist das vermutlich genau das Gegenteil", sagt Nils. Trotzdem kann die Generation Z die Gewohnheiten ihrer Eltern aber wohl kaum ablegen. Im Jahr 2019 fragte die Deutsche Bank mehr als 1000 Schüler, Auszubildende, Studenten und junge Berufstätige im Alter zwischen 14 und 25 Jahren, ob sie regelmäßig Geld zurücklegen, und wenn ja, wie viel. Das Ergebnis: 85 Prozent der Jugendlichen in Deutschland sparen.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

Woran liegt das? "Gerade die Deutschen haben immer noch ein sehr hohes Risiko-Bewusstsein. Kein Land in Europa ist als Spar-Nation so berühmt-berüchtigt wie Deutschland", sagt Nils. "Und wenn ich mein Geld auf dem Giro-Konto lasse, werde ich es natürlich nicht verlieren – aber ich werde es auch nicht vermehren können. Wer dann noch hohe Kontoführungsgebühren zahlt, hat am Ende sogar weniger. Das muss einem klar sein. Dieser Moment tritt jetzt bei vielen auf."

Wir wollen von Dir hören! Mach' bei unserer Umfrage mit:

Noch keine Kommentare