Kolumne „Eine Welt“  Wer foult, hebt den Finger: Was Politiker von unseren Basketball-Helden lernen können

Eine Kolumne von Miriam Scharlibbe | 13.09.2023, 10:51 Uhr

„Eine Welt“: Sport und Politik sind sich wahnsinnig ähnlich. Nicht nur, weil der Sport entgegen anderslautender Beteuerungen von Funktionären oft politisch ist, sondern vor allem weil Freud und Leid gleichermaßen eng beieinander liegen. Von erfolgreichen Sportlern können Regierungen so einiges lernen.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Wir Menschen lieben Party und Protest, wollen die Erde retten und trotzdem online shoppen. Dabei setzen wir den Planeten in Brand. Die Klimakrise ist DAS Thema unserer Zeit. Miriam Scharlibbe legt den Finger in die Wunde und schaut dorthin, wo es wehtut: in den Spiegel. Sie kritisiert Verschwendung und Verwerfungen des Kapitalismus, Gedankenlosigkeit und mangelnde Nachhaltigkeit – und hadert dabei ständig mit sich selbst.

Der erhobene Zeigefinger hat keine universelle Bedeutung. Regierungs- und Firmenchefs nutzen ihn meist als Zeichen der Ermahnung, zur Betonung der Bedeutung eigener Worte oder im schlimmsten Fall zur Abmahnung von Ministern und Mitarbeitern. Fußballer verwenden den Zeigefinger zum Kratzen irgendwelcher Körperstellen, viel mehr aber als göttlichen Finger, vermeintlich religiös zum Himmel gestreckt, meist um die eigene Genialität nach einem Tor zu unterstreichen. Basketballer hingegen recken den Zeigefinger Schuljungenmäßig in die Luft um sich artig zu melden und die eigene Beteiligung an einem Foul zuzugeben.

Die Sportart, die vier verschiedene Arten von Fouls kennt, ist oft so viel fairer als jedes Fußballspiel. Als jede Kabinettssitzung sowieso. Der sensationelle WM-Sieg der deutschen Basketballer ist nämlich vor allem das, eine Teamleistung. Es ist ein sportlicher Sieg. In der Minute, in der erstmals in der Geschichte des DFB ein deutscher Fußballnationaltrainer entlassen wurde, feierte der Chef der Basketballer mit seinen Jungs deren größten Triumph.

Dies alleine wäre Grund genug, dass sich deutsche Politiker an einer neuen Lieblingssportart orientieren. Denn, seien wir mal ehrlich, der deutsche Fußball taugt gerade wirklich nicht zum Vorbild, weder der der Männer, noch der der Frauen.

Die deutsche Politik braucht ein aufpoliertes Images

Und die deutsche Politik braucht dringend ein aufpoliertes Image. Gerade erst offenbart eine Analyse, die die Bertelsmann Stiftung zusammen mit der Universität Trier und der Denkfabrik „Das Progressive Zentrum“ erstellt hat, dass die Ampel-Regierung viel besser ist, als ihr Ruf. Erstaunlicherweise hat sie bereits zwei Drittel ihrer Versprechen aus dem Koalitionsvertrag bereits umgesetzt oder zumindest angestoßen. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt die Koalition aber als zerstritten und unbeliebt.

Ganz anders da die Helden rund um Basketball-Kapitän Dennis Schröder. Diese außergewöhnliche Generation an Sportlern hat es geschafft, das geschundene deutsche Sportler(fan)herz wieder zu versöhnen. Das beeindruckende Fairplay, aber vor allem der Biss und Siegeswillen bis zur letzten Minute, die Fähigkeit, gegen den Trend das Ruder rumzureißen und vor allem, das Volk für sich zu gewinnen. Ja, der derzeit einäugige Bundeskanzler könnte sich kommunikativ so einiges von Gordon Herbert und seinem Team abschauen.

Am Ende reicht es eben nicht, einfach nur zu gewinnen. Man braucht auch eine Gewinner-Geschichte.

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