Abschied vom Stellvertreter des NOZ-Chefredakteurs Nachruf auf Dr. Berthold Hamelmann: Mensch mit weichen Ecken und feinen Kanten

Meinung – Ralf Geisenhanslüke | 27.06.2022, 13:39 Uhr 3 Leserkommentare

Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ trauert: Dr. Berthold Hamelmann, ein Stützpfeiler der Redaktion, ist gestorben. Chefredakteur Ralf Geisenhanslüke würdigt seinen Stellvertreter im Nachruf als Menschen „mit weichen Ecken und feinen Kanten“.

„Niemals geht man so ganz“, heißt es wohl wahr in Trude Herrs Lied, das auch hier als Metapher für den am 15. Juni verstorbenen Dr. Berthold Hamelmann steht. Er wird niemals ganz aus der NOZ-Familie gehen. Sein Tod reißt eine gewaltige Lücke in die Chefredaktion und in das redaktionelle Fundament der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Aber sein Geist von gutem Journalismus, Pflichterfüllung und einer Prise Humor wird bleiben. Leidenschaftlich hat Hamelmann sich für die Qualität des Journalismus und für seine Neue Osnabrücker Zeitung eingesetzt. Für die Menschen, die sie herstellen, und für die Menschen, die sie lesen.

Charakterfestigkeit und Zuverlässigkeit zeichneten Hamelmann aus

Stellvertreter des Chefredakteurs, auf diese korrekte Bezeichnung legte der Vollblut-Journalist Wert, wie er ohnehin Charakterfestigkeit und Zuverlässigkeit vorlebte, als seien sie die selbstverständlichsten Sachen der Welt. Für ihn waren sie auch selbstverständlich und diese Werte eine der Säulen seines Schaffens. Die Unpünktlichkeit der anderen war ihm zuwider, er blieb aber immer gnädig im Urteil über die Zuspätkommenden. Diese feinsinnigen Differenzierungen kennzeichnen den Menschen und Kollegen Berthold Hamelmann aufs Beste.

Ein Original, ein Mensch, mit weichen Ecken und feinen Kanten, der sich gegen seine Überzeugung nicht verbiegen ließ. Der auch dann Nein sagte, wenn das Ja einfacher und opportunistischer gewesen wäre. Geradeaus und direkt, auch wenn es anders leichter gewesen wäre. Als in Greven geborener Westfale standhaft wie eine Eiche.

Er wollte die Menschen verstehen, er wollte sie kennenlernen, um vertrauensvoll miteinander arbeiten zu können. Das war schon bei seiner ersten beruflichen Station in Bocholt der Fall. Das Rüstzeug des Redakteurs holte sich Berthold Hamelmann dort in seinem zweijährigen Volontariat bis 1980. Nach seinem Studium am Institut für Völkerkunde in Freiburg kehrte der junge Familienvater 1988 für vier Jahre zum Bocholt-Borkener Volksblatt zurück.

Mentor und verlässliche Führungskraft

Das in unzähligen Personalgesprächen entgegengebrachte Vertrauen hat er nie missbraucht, persönliche Schicksale haben ihn bewegt, die Lösungen hat der „Dr.“ mit der ihm eigenen Herzlichkeit herbeigeführt. Für viele Kolleginnen und Kollegen war er als Mentor der Leuchtturm in der noch jungen Karriere oder Wegweiser bei Neuankömmlingen in der NOZ-Welt, in die er 1992 als Chef vom Dienst eingetreten war. Berthold Hamelmann zog für diese imaginäre ordnende Linien, ein Ordnungsraster, das heute gemeinhin Führung genannt wird.

Als gestandener Journalist gab er seine Erfahrungen weiter und leistete so seinen Beitrag zu einer guten Berichterstattung. Auch an unzählige Volontäre in diesen Jahrzehnten, die er behutsam unter seine Verantwortung nahm. Trotz seiner vielfältigen administrativen Aufgaben, schließlich wurde er 2004 zum Geschäftsführenden Redakteur und Stellvertretenden Chefredakteur berufen, war es ihm immer eine Freude, auch selbst Texte zu schreiben. Artikel mit einem besonderen Thema und einem Schuss Humor waren seine Spezialität. Dieser feine Sinn für Humor zeichnete ihn auch über seine Texte hinaus als bemerkenswerte Person aus.

„Die Wirtschaft“ war sein Herzensprojekt

Er hatte im Laufe der fast 30 Jahre bei der NOZ viele Herzensprojekte. Eines war „Die Wirtschaft“ die er vor zehn Jahren als Spezial-Wirtschaftstitel mit hohem journalistischen Anspruch aus der Taufe gehoben hatte. Oder die Arbeit mit dem Presserecht und im Presserat in Berlin war ihm wichtig. Mit der Reihe „… recht so“ hatte er ein verlagsübergreifendes Weiterbildungsangebot ins Leben gerufen und auch moderiert.

Ehrenamtlich engagierte sich der promovierte Historiker („Helau und Heil Hitler“ der Titel seiner Doktorarbeit über den Karneval im Nationalsozialismus) in der Fritz-Wolf-Stiftung, dem Vermächtnis des legendären NOZ-Karikaturisten. Allerdings ganz weit ging sein Herz auf, wann immer auch die Sprache auf den Comic Rabenau kam, den er verehrte. Eine NOZ ohne Rabenau – für Berthold Hamelmann unvorstellbar.

Kollegen schätzten seine immer verbindliche Art

Mit seiner freundlichen, immer verbindlichen Art hat Berthold Hamelmann maßgeblich das Zusammenwachsen unserer Redaktionen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ab 2016 vorangetrieben. Er war absolut zuverlässig und loyal – gegenüber seinen Kollegen und dem Verlag und eben auch gegenüber den Mitarbeitern.

Seine Arbeit ging ihm über alles, die Redaktion, die Zeitung und zuletzt auch die digitalen Kanäle waren in der Woche sein Leben. Am Wochenende galt die ganze Aufmerksamkeit der Familie, mit fröhlicher Herzlichkeit die Liebe zu seiner Frau Andrea, mit Vater-Stolz seinen beiden Söhnen. Die Stars in jüngster Zeit waren aber die vier Enkelkinder, mit denen Opa Berthold noch so viele Pläne und Wünsche hatte.

3 Kommentare
Volker Blüml
Mit Herrn Dr. Hamelmann durfte ich vor gut zehn Jahren über mehrere Sommer ein Webcam-Projekt zu heimischen Störchen begleiten. Er war immer selbst mit vor Ort, dazu Treffen in der Redaktion und mehrere abendliche Essen mit guten Gesprächen. Am Rande gab es von Seiten Dritter Misstöne, über die ich mit ihm äußerst vertrauensvoll sprechen konnte. Besonders beeindruckten mich aber seine Schilderunge...