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Ausstrahlung ab dem 2. Januar „Jennifer – auf der Suche nach was Besseres“ kehrt zurück

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Jennifer (Kathrin Ingendoh) und Ingo (Klaas Heufer-Umlauf) wollen mit dem Haarstudio „Contain-Hair Ingo“ hoch hinaus. Das klappt so mäßig. Bild: NDR/Marion von der MehdenJennifer (Kathrin Ingendoh) und Ingo (Klaas Heufer-Umlauf) wollen mit dem Haarstudio „Contain-Hair Ingo“ hoch hinaus. Das klappt so mäßig. Bild: NDR/Marion von der Mehden

Hamburg. Hin und wieder wirft der Rundfunkbeitrag eine erfreuliche Dividende ab: Mit der Fortsetzung der Mini-Serie „Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres“ ist dem NDR eine Perle komischer Unterhaltung geglückt. Die liebevolle Verballhornung eines niedersächsischen Provinzkaffs besticht durch großartige Dialoge, lebensnahe Mundart und viel Witz auf wenig Raum.

Ende 2015 strahlte der NDR die erste Staffel der Miniserie aus, deren Plot damals wie heute unverändert ist: Jennifer (Kathrin Ingendoh), ungelernte Mitarbeiterin eines Friseursalons, sucht beständig nach was Besserem, also nach „was Besseres“, wie man da sagt, von wo Jennifer gerne ausbrechen würde. Dafür ergreift sie allerhand Initiativen und kann sich der steten Unterstützung durch ihre Oma ( Doris Kunstmann) und ihre Freundin Melly (Laura Lo Zito) sicher sein. Olli Dietrich in der Rolle des latent vom Burn-out bedrohten, einstigen Starfriseurs Dietmar gab der ersten Staffel ein zugkräftiges Gesicht. Das Autorenduo Andreas Altenburg und Harald Wehmeier , verantwortlich unter anderem für die Radio-Comedy „Frühstück bei Stefanie“, zeichnete für die Dialoge der Serie verantwortlich, die auf überwiegend positive Kritik stieß.

Beim NDR ist man überzeugt, die gleiche Qualität auch mit der Fortsetzung zu liefern, einen entsprechend prominenten Rahmen setzt der Sender bei der Premiere im Hamburger Passage Kino. Intendant Lutz Marmor war zugegen und pries Jennifer als eine Serie, die „mit leichter Hand gemacht, doch mit ernstem Hintergrund“ sei und gelungen das norddeutsche Lebensgefühl skizziere. Das dürfte demzufolge in einem Dreieck irgendwo zwischen Herzlichkeit, Tristesse und Peinlichkeit liegen und sich in einer Mundart ausdrücken, die oft im Grenzbereich sprachlicher Richtigkeit operiert.

Erster Whirlpoolsex im deutschen TV

Der Anfang steht pars pro toto: Ingo Albrecht, der größte Sohn von Neu Wulmsdorf, kehrt in seine Heimat zurück. Als Zweitplatzierter einer Container-Show rühmt er sich, beim ersten Whirlpoolsex im deutschen Fernsehen beteiligt gewesen zu sein. Davon beflügelt, startete er eine Karriere als One-Hit-Wonder. Das ist zwei Jahre her und seitdem ist es für „Container-Ingo“ etwas bergab gegangen, aber zumindest für Neu Wulmsdorf ist er immer noch eine große Nummer: Vor seinem Auftritt in der Dorfdisco „Magic“ steht das Dorf Kopf. Die Euphorie erfasst auch Jennifer (Katrin Ingendoh), die ihre große Chance wittert: Der vermeintliche Star hat schließlich kein Management. Diese Leerstelle gedenkt sie, künftig zu füllen und damit endlich dem tristen Provinzleben zu entfliehen.

Dem Star selbst kommen allerdings andere Pläne ganz gelegen: Weil er bei „Magic“-Besitzer Manni Schweers (Ulrich Bähnk) in der Kreide steht, lässt er sich zur Übernahme des Friseursalons von Dietmar überreden, den Schweers zuvor per Erpressung zur Übergabe gezwungen hat. Unter dem Namen „Contain-Hair Ingo“ soll der Laden, irgendwo in der Schnittstelle zwischen Friseursalon, Beautyfarm und Daylounge, die hippen Kreise von Neu Wulmsdorf anlocken – die es freilich nicht gibt, weswegen das Konzept von Anfang an zu scheitern droht. Daran können auch mit viel Herzblut und wenig Know-how organisierte Social Media-Offensiven nichts ändern.

Aberwitzige Dialoge

Vorangetrieben werden die Ent- und Verwicklungen über teils aberwitzige Dialoge, die klar die Handschrift der „Frühstück für Stefanie“-Autoren tragen. Beachtlich ist, wie Drehbuch und Akteure den Duktus der Provinz einfangen und herausposaunen. Die Schauspieler parlieren tatsächlich so, wie den Nordniedersachsen der Schnabel gewachsen ist. Grammatikalisch und auch inhaltlich hat das immer wieder amüsante Fehlleistungen zur Folge – etwa, wenn Dietmar sich mit Sätzen wie „ohne mich geht hier der Bach runter“ von seinem Friseursalon trennt und Container-Ingo zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit Plattitüden aus dem Show-Business von sich gibt.

Jennifers Karriere-Ambitionen indes kommen nicht so recht voran, genau so wenig wie ihr Liebesleben. Da sind zwar zahlreiche andeutungsvolle Flirts mit dem abgehalftertem Star. Dessen Divenhaftigkeit engt den Raum für Romantik aber immer wieder ein. Zeitgleich buhlt Taxifahrer Ronny (David Bredin), der davon träumt, sonntags in der zweiten Mannschaft mehr Spielzeiten zu bekommen, um Jennifer. Nachdem es bei der Beerdigung eines Innungsmeisters zu einem fast furiosen Showdown kommt, gehört Jennifers Lächeln im Rückspiegel jedenfalls dem Taxifahrer. Womit ein Handlungsstrang gelegt wäre, um die Serie fortzuschreiben – was der NDR hoffentlich machen wird.


„Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres“, NDR, 2. und 4. Januar, 22.30 Uhr.

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