An Neujahr letzter Auftritt im ZDF Heide Keller: Nach dem „Traumschiff“ bitte neue Rollen

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Bonn. Sie ist eine Fernsehlegende – zumindest für Freunde des „Traumschiffs“. Von der ersten Kreuzfahrt an war Heide Keller 36 Jahre lang die Chef-Hostess Beatrice auf Deutschlands berühmtestem Schiff. Nun ist sie von Bord gegangen und an Neujahr ein letztes Mal in der Rolle ihres Lebens zu sehen. Von der schönsten Reise, bewegenden Abschiedsszenen und dem Leben danach berichtet die 78-Jährige in einem Bonner Hotel:

Frau Keller, das Traumschiff spült Ihnen gerade die letzte große Interviewwelle vor den Bug…

Es ist grauenhaft. Ich hab das Gefühl, dass ich einen Oscar kriege und es nur noch nicht mitgekriegt habe. Ich weiß gar nicht, was die Leute von mir wollen.

Hier geht‘s zur TV-Kritik: Das Traumschiff: Uruguay und Los Angeles.

Ich schon. Zum Beispiel wüsste ich gern, ob Sie schon so etwas wie eine Traumschiff-Traurigkeit verspüren.

Nein. Klares Nein. Es war auch nicht meine Idee, als weinende Frau von Bord zu gehen. Aber wenn der Zuschauer es als wehmütig empfindet, dann habe ich’s richtig gemacht. Meine Auseinandersetzung mit den Fragen „Wann gehe ich?“, „Wie will ich gehen?“ und „Wann entscheide ich es endgültig?“ habe ich ja nicht von heute auf morgen oder innerhalb von ein paar Wochen abgeschlossen.

Sondern?

Es fing nach dem Abschied meiner beiden Männer an, wie ich sie immer nenne: Mit Horst Naumann und Siggi Rauch habe ich viele schöne Jahre auf dem Traumschiff verbracht. Wir haben viele kleine Szenen miteinander entwickeln können, weil wir dieselbe Spielsprache gesprochen haben. Als die beiden nicht mehr dabei waren, habe ich angefangen, darüber nachzudenken, wie mein Abschied aussehen soll. Und ich habe auch noch mit Wolfgang Rademann, dem Erfinder und Produzenten des Traumschiffs, darüber sprechen können. Er sagte damals: Lass das jetzt, darüber reden wir nächstes Jahr. Dazu ist es dann leider nicht mehr gekommen.

Es gibt einen Satz von Ihnen, den Sie schon mehrfach gesagt haben und jetzt im Film wiederholen.

Richtig. Ich will gehen, solange ich noch auf Stöckelschuhen die Gangway runterkomme. Den habe ich so formuliert, weil Rademann mal gesagt hatte: Die bleibt, und wenn wir sie im Rollstuhl da runterfahren müssen. Das ist mir ja tatsächlich mal passiert, und das wollte ich nicht noch mal erleben.

Tatsächlich?

Ja, ich bin während der Dreharbeiten umgeknickt und hatte mir alle Bänder im linken Bein gerissen. Damals musste man mich im Rollstuhl vom Schiff karren. Das ist abends um elf passiert – morgens um sechs war ich wieder in der Maske. So viel nur zur Disziplin in unserem Beruf. Nachdem ausgeschlossen werden konnte, dass ich mir etwas gebrochen hatte, wurde mir so ein Klumpfußverband verpasst – in den Szenen, die wir dann in Singapur gedreht haben, stand ich dann immer hinter einem Bett oder einem Korb, damit man ihn nicht sehen konnte.

Im Film war’s also gar nicht zu sehen?

Nein, ich bin privat an Krücken gegangen, aber der Zuschauer hat davon nichts mitgekriegt. Weil der Hafen in Singapur so riesig ist und ich an Krücken nicht rechtzeitig zum Flieger gekommen wäre, hat man mich dann im Rollstuhl vom Schiff gekarrt. Mit so einem Rollstuhl ist man ja viel schneller als an Krücken – man kommt immer als Erste durch, wird bei den Kontrollen bevorzugt, alles wird einem nachgetragen. Das war gar nicht so unbequem. Und trotzdem habe ich geheult, als sie mich im Rollstuhl da runtergefahren haben. Das wollte ich nicht noch mal erleben.

Also hatte der Satz mit den Stöckelschuhen durchaus einen ernsten Hintergrund?

Er sollte heißen: Solange ich mich noch fit und frisch fühle und das Publikum nicht denkt, die arme alte Frau müsse immer noch arbeiten, werde ich bleiben. Aber mir war natürlich auch klar: „Forever young“ gibt’s nicht.

Und trotzdem war es doch sicher ein komisches Gefühl nach so vielen Jahren, oder?

Natürlich. Als ich plötzlich zu Hause saß und alles hinter mir hatte, fühlte es sich an, als wäre ich vor die Wand gelaufen und wüsste gar nicht mehr, wer ich bin.

Haben Sie Ihren Beschluss schon mal bereut?

Nein, nein und noch mal nein. Ich glaube, ich hab’s richtig gemacht.

Haben Sie dem Schiff etwas gesagt, als Sie zum letzten Mal von Bord gegangen sind?

Nein, diesem Schiff nicht. Man hat Begegnungen im Leben, wird Freund, erlebt eine Liebe. Und so ist das auch mit manchen Dingen. Es gibt Dinge, die man nicht mehr hergeben möchte, an denen man hängt. Und so hängt mein Herz an der „Deutschland“, unserem alten Traumschiff. Immerhin hatte ich einen rührenden letzten Gang vom Schiff, zwar in Turnschuhen, weil die Stöckelschuhe schon im Koffer waren, aber immerhin mit Hut. Der Kapitän hat gehupt, die Traumschiff-Melodie lief – in diesem Moment sind dann doch die Tränen geflossen.

Ein versöhnlicher Abschied also, auch wenn’s nur das neue Schiff war?

Ein sehr liebevoller Abschied. Obwohl es ein freier Tag war, stand da das ganze Team – alle Kollegen, der Kapitän, die Offiziere und die Bootsleute. Und von den Balkonen haben mir die Passagiere zugewinkt, die noch an Bord waren. Ich hatte die Sonnenbrille auf, weil ich so geheult habe, und hab sie dann bei Dirk, unserem Standfotografen, abgenommen und gesagt: Du darfst, das ist mein wahres Gesicht.

Jetzt kommt die unvermeidliche Frage: Wo war’s eigentlich am schönsten?

Bora Bora in der Südsee. Diese Luft, der leichte Wind, wir haben in einem wunderbaren Ressort auf dem Wasser gewohnt. Wenn es jemals auf der Welt das Paradies gegeben hat, dann war es da. Diese schönen dunkelhäutigen Mädchen in ihren weißen Kleidern – wenn die morgens schon mit einer Hibiskusblüte im Haar rumliefen – was war das schön. Wir blöden Schauspieler haben das natürlich auch alle getan, aber keiner von uns sah auch nur annähernd so gut aus.

Gab’s auch einen Ort, der Ihnen gar nicht gefallen hat?

Macau. Da will ich nie wieder hin. Wenn ich muss, reise ich überall noch mal hin – aber Macau, das war so furchtbar.

Warum?

Die meinen, sie wären Las Vegas – ist das nicht schrecklich? Zum Glück waren wir da nur ein paar Tage, und dann ging’s mit der Fähre nach Hongkong, und da würde ich immer wieder hin. Hongkong habe ich schon vor 25 Jahren kennengelernt, damals war es einfach nur toll. Mittlerweile ist es auch da ein bisschen enger geworden.

Haben Sie auf den ganzen Reisen eigentlich mal jemanden kennengelernt, zu dem Sie noch Kontakt haben?

Es gab immer wieder mal Ehepaare, zu denen ich mich gesetzt hab, wodurch dann ein Kontakt entstand, dass wir auch später noch telefonierten. Und ich habe einen guten Bekannten, der als Deutscher in Südafrika lebt und mich besucht, wenn er mal in Deutschland ist. Darüber freue ich mich immer noch.

Waren Sie, nachdem Sie von Bord des Traumschiffs gegangen sind, mal wieder auf einem Schiff?

Nur auf einer Rheinfähre. Die nehme ich immer, wenn ich nach Königswinter will.

Werden Sie sich denn noch mal eine Kreuzfahrt gönnen, bei der Sie nicht arbeiten müssen?

Im Moment wüsste ich nicht, auf welchem Schiff. Aber wenn mir irgendwann mal wieder eins so gefällt wie die „Deutschland“, kann ich es mir schon vorstellen.

Im Film hat sich Beatrice ein „Casa sul vento“, ein Haus auf dem Wind gekauft. Wie hat sich Heide Keller denn den Abschied versüßt?

Ich habe ernsthaft versucht, ihn ohne übertriebene Sentimentalität zu erleben. Aber das Team hat mir den Abschied dann doch versüßt und mich liebevoll beschenkt. Es gab den deutschstämmigen jüdischen Juwelier Stern in Rio, der immer zu uns aufs Schiff kam und uns 25 Prozent Rabatt gewährte. Der hatte einen Stern zu seinem Markenzeichen gemacht. Das Team hat dann zusammengelegt und mir einen davon als Anhänger geschenkt, den trage ich seitdem fast täglich. Liebevoller und lustiger kann man einen Abschied nicht gestalten?

Was war denn so lustig?

Wir saßen mit etwa 50 Leuten auf dem Oberdeck, da kam mein Kollege Nicki von Tempelhoff mit einem Mikrofon in der Hand zu mir und sagte, er sei beauftragt, den Abend zu gestalten. Und ich müsse mir jetzt bedauerlicherweise eine Casting-Show anschauen und dann selbst entscheiden, wer meine Nachfolgerin wird. Und dann kamen alle Männer, auch der Regisseur, als Frauen verkleidet, reingewackelt und sagten jeweils einen Satz, warum sie die Rolle haben wollen. Die hatten seit dem Morgen in der Maske gesessen und sich schminken lassen. Da habe ich Tränen gelacht.

Wird es denn eine Nachfolgerin geben?

Es wird zumindest keine neue Chef-Hostess geben. Zwar kommt die wunderbare Barbara Wussow dazu und verschönert das Stammteam, aber die Rolle der Chef-Hostess bleibt bei mir. Das ist eine große Ehre und macht mich auch ein bisschen stolz. Das Trikot bleibt bei mir.

Beatrice hatte ja etwa 20 Jahre keinen Nachnamen und hieß dann plötzlich von Ledebur. Wie kam’s denn zu diesem Namen?

Eine Freundin von mir heißt so. Als Gisela Trowe dann mal als meine Mutter aufs Schiff kam, habe ich meine Freundin gefragt, ob wir ihren Namen für meine Filmmutter verwenden dürfen. Und da sie einverstanden war, hieß meine Mutter eben von Ledebur. In Las Vegas hat Beatrice dann einen Jackpot geknackt, da brauchten wir für die Scheckübergabe auch ihren Nachnamen. Und da meine Mutter ja schon von Ledebur hieß, haben wir diesen Namen dann auch für Beatrice genommen.

In Ihrer letzten Folge wird Beatrice zur Buchautorin – und schreibt unter dem Pseudonym Jac Dueppen. Wie kam’s zu diesem Namen?

Ich habe ja immer wieder mal einzelne Geschichten fürs Traumschiff geschrieben. Und dafür hatte ich mir einen Frauennamen als Pseudonym gegeben, weil kein Regisseur will, dass die Autoren auch mitspielen. Wolfgang Rademann war dann aber so stolz, dass die doofe Keller auch schreiben kann, dass er es allen erzählt hat. Ich hab mich dann mit ihm darauf geeinigt, dass ich die nächste Geschichte unter dem Namen Jac Dueppen schreibe.

Welche Geschichte war das?

Die mit den drei rheinischen Prostituierten, die auf feine Damen machen. Eigentlich dachte ich, dass man mir die Geschichte um die Ohren haut – drei Nutten auf dem Traumschiff, das war ja eigentlich unvorstellbar. Aber dann waren alle begeistert, ich hätte am liebsten eine von den dreien selbst gespielt. Und Wolfgang Rademann war wieder so stolz, dass er es noch mal allen erzählt hat.

Wie waren Sie auf den Namen Jac Dueppen gekommen?

Der ist quasi Familiengeschichte. Da stecken eine alte Tante, mein Opa und noch ein paar andere drin.

Sie schreiben ja gerade wieder ein Buch.

Ja, aber diesmal als Heide Keller.

Und worüber schreibt Heide Keller?

Ein bisschen über Heide Keller und Geschichten über Menschen meines Lebens.

Bekommt man Sie demnächst nur noch zu lesen oder auch wieder zu sehen?

Ich habe eine Rolle abgelehnt, weil ich nicht direkt nach dem Traumschiff etwas anderes drehen wollte. Aber ich bin nicht vom Traumschiff gegangen, weil ich meinen Beruf an den Nagel hänge, sondern nur die Uniform. Im Gegenteil – ich hoffe, dass ich für das Publikum wiederkommen darf und dann jemand den Mut hat, mir eine Rolle zu geben, in der ich so alt aussehen darf, wie ich bin.

Heide Keller

wird am 15. Oktober 1939 in Düsseldorf geboren und wächst mit mehreren Geschwistern im rheinischen Düren auf. Sie besucht die höhere Handelsschule, entscheidet sich schon früh für die Schauspielerei und lässt sich im Schauspielstudio Düsseldorf ausbilden. Anschließend steht sie in zahlreichen Städten auf der Theaterbühne und wird in der Komödie am Kurfürstendamm vom „Traumschiff“-Erfinder Wolfgang Rademann für das spätere ZDF-Erfolgsformat entdeckt. Die Rolle der Chef-Hostess Beatrice bestimmt ihr weiteres Berufsleben. Aus dem „schönen Kleiderständer“, den sich Rademann vorgestellt hat, wird die langlebigste Konstante auf dem „Traumschiff“. Am 22. November 1981 sticht Heide Keller zum ersten Mal in See, am Neujahrstag 2018 ist sie zum letzten Mal in der Rolle ihres Lebens zu sehen, zu der sie unter dem Pseudonym Jac(ques) Dueppen auch mehrfach an Drehbüchern mitgearbeitet hat. Nebenbei ist sie nur in wenigen Rollen zu sehen.

Privat verläuft ihr Leben weniger konstant. Die Ehen mit den Kollegen Thomas Härtner und Hans von Borsody zerbrechen ebenso wie diverse Beziehungen.

Heute lebt Heide Keller allein in Bonn-Bad Godesberg und arbeitet an einem Buch über ihr Leben. Einen Ghostwriter dafür hat sie nicht akzeptiert.


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