NDR-Intendant gegen Regionalisierung Umbau der ARD wäre „Verlust von publizistischer Vielfalt“

Von Ralf Geisenhanslüke

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Über den Rundfunkbeitrag wird viel gestritten, für NDR-Intendant Lutz Marmor ist er ein „solidarischer Akt“. Foto: dpaÜber den Rundfunkbeitrag wird viel gestritten, für NDR-Intendant Lutz Marmor ist er ein „solidarischer Akt“. Foto: dpa

ghl/dpa Osnabrück. In der Debatte um den Rundfunkbeitrag betont NDR-Intendant Lutz Marmor im Interview mit unserer Redaktion, dieser sei ein „solidarischer Akt“. Vorschlägen, die ARD-Anstalten zu rein regionalen Sendern umzubauen, erteilte er eine Absage: „Das wäre ein Verlust an publizistischer Vielfalt.“ Zudem könnte er sich vordtellen, künftig auch im Sommer einen Tatort auszustrahlen.

Vor allem bei jüngeren Menschen verliert das lineare Fernsehen, also das klassische Fernsehprogramm der öffentlich-rechtlichen und auch der privaten TV-Sender, immer mehr an Bedeutung. Die Daseinsberechtigung von ARD und ZDF berühre dies jedoch nicht, ist NDR-Intendant Lutz Marmor überzeugt: „Ich behaupte, der NDR erreicht wahrscheinlich mit seinen Angeboten so viele Menschen wie selten zuvor“, sagte er im Interview mit unserer Redaktion. (Das ganze Interview lesen: Künftig Tatort auch im Sommer?)

Marmor kündigt „moderate Finanzbedarfs-Anmeldung“ an

Der Spardruck steigt aber auch bei den beitragsfinanzierten Sendern. „Wir haben in der Vergangenheit deutlich gespart. Da war der NDR einer der ersten ARD-Sender“, betonte Marmor. Ergebnis sei zum Beispiel die Einrichtung einer gemeinsamen IT der neun ARD-Anstalten, Teilen des ZDF sowie von Deutschland Radio. Als zweites Element der Sparbemühungen nannte der Intendant eine „moderate Finanzbedarfs-Anmeldung beim nächsten KEF-Bericht“. „Und ein drittes Element sind die laufenden internen Reformprozesse beim NDR und bei anderen Sendern.“

KEF-Vorsitzener: Mehrheiten für Beitragsanpassung schwerer zu organisieren

Der Vorsitzende der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), Heinz Fischer-Heidlberger, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die Mehrheiten in den Landesparlamenten für eine Beitragsanpassung sind nicht mehr so leicht zu organisieren.“ Fischer-Heidlberger pochte aber auch auf die Unabhängigkeit der Kommission: „Wir können uns von der Politik keine Vorgaben machen lassen, zum Beispiel den Beitrag stabil zu halten oder nur in Maßen anzupassen.“

Dreyer will Beitragserhöhung begrenzen

Neue Belastungen beim Rundfunkbeitrag ab 2020 will die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) vermeiden. „Als Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder setze ich mich dafür ein, eine Beitragserhöhung in 2020 möglichst zu begrenzen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Ob ab 2020 eine Beitragserhöhung erforderlich wird, um den Finanzbedarf der Rundfunkanstalten zu decken, wird sich nach Dreyers Ansicht erst aus dem Bericht ergeben, den die KEF 2019 vorlegt.

Die KEF hatte 2016 eine Senkung des Beitrags um 30 Cent im Monat gefordert, dem Vorschlag folgten die Länder aber nicht. Sie arbeiten nach Angaben Dreyers an einer Strukturreform, um Einsparpotenziale bei ARD, ZDF und Deutschlandradio durch Kooperationen und den Abbau von Doppelstrukturen zu heben. (mit dpa)


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