„Ich möchte unterhalten“ Rebecca Immanuel über ihre Rolle in „Die Eifelpraxis“

Eine Versorgungsassistentin spielt Rebecca Immanuel in „Die Eifelpraxis“. Foto: Vanessa CowlingEine Versorgungsassistentin spielt Rebecca Immanuel in „Die Eifelpraxis“. Foto: Vanessa Cowling

Osnabrück. Der Freitagabend in der ARD gilt zumeist als Zeit für die seichte Unterhaltung. Doch hinter mancher Rolle steckt eine Persönlichkeit mit Tiefe. Rebecca Immanuel ist eine von ihnen.

Für Chris Wegener (Simon Schwarz), Chef von Vera Mundt (Rebecca Immanuel), ist es nur eine kurze Bemerkung. Vera aber fährt aus der Haut, nachdem er gesagt hat: „Sie sind morgens immer so hektisch. Nehmen Sie sich doch mal ein Kindermädchen“. Wovon sie das denn bezahlen solle, brüllt die Versorgungsassistentin den Arzt fragend an. Unverblümt macht die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern ihm deutlich, dass es Menschen gibt, die von weit weniger Geld leben müssen als er und zudem noch ein forderndes Privatleben haben.

Es sind solche Szenen, die „Die Eifelpraxis“ aus den Unterhaltungsfilmchen ein Stück weit herausheben, die sonst Freitags- oder Sonntagsabends dem öffentlich-rechtlichen Fernsehpublikum serviert werden. Rebecca Immanuel sind sie wichtig: „Wenn wir Strukturen erzählen, die es immer schon gab, erzählen wir nichts Neues“, sagt die Schauspielerin, die im Alter von zwölf Jahren bereits entschieden hat, diesen Berufsweg einzuschlagen. Sie habe damals überlegen müssen, was sie als Schulpraktikum machen wollte. Bereits als Jugendliche habe sie die Frage beschäftigt: „Wie kann man den Menschen heil machen“, erinnert sie sich. Der Arztberuf, den die Mutter eines Freundes eingeschlagen hatte, sei auch reizvoll gewesen. Dafür habe sie aber gut in Latein sein müssen. Da es ihr damals bereits gelang, bei Schulstücken ihre Mitschüler zu begeistern, habe sie den Beruf der Schauspielerin gewählt.

Einem großen Publikum bekannt geworden ist Rebecca Immanuel als Anwältin in der Serie „Edel & Starck“. Sie wurde von 2002 bis 2005 bei Sat1 gezeigt und lebte von der Spannung zwischen den beiden Hauptdarstellern (Christoph M. Orth spielte den männlichen Part) und schlagfertigen Dialogen.

Auch Vera Mundt ist schlagfertig, wenn auch auf andere Art. Sie ist zu Beginn der Serie für einen beruflichen und privaten Neustart von Berlin in die Eifel gezogen. Dort dehnt die Versorgungsassistentin Praxispläne und Vorschriften aus, um den Patienten gerecht zu werden – nicht immer zur Freude aller Beteiligten. Dadurch sind in der Eifelpraxis immer mal Hinweise auf den Pflegenotstand eingeflochten. „Wir erzählen zwar ein Märchen, das man aber der Realität angepasst hat“, meint Immanuel über die Serie, die eigens für sie geschrieben worden sei. Drei Teile wurden bereits gezeigt, jetzt folgen zwei weitere 90-Minüter.

Was möchte sie denn mit der Serie transportieren? „Grundsätzlich möchte ich unterhalten. Und zwar in einem Umfeld und auf einem Niveau, das ich selbst gern sehen würde“, sagt Immanuel. „Speziell bei Vera Mundt würde ich mich freuen, wenn die Art wie sie mit Dingen umgeht, dem Zuschauer etwas Inspirierendes bieten würde“, hofft die 47-Jährige. Ihr gefalle das Erwachsene an der Figur, die innere Freiheit aus der heraus Vera handele. Auf diese Weise würde sie in den kommenden Folgen schwierige Situationen lösen. „Wir haben eine Verantwortung für das, was wir zeigen“, denkt die Schauspielerin.

Rebecca Immanuel freut sich, dass sie über das Schauspiel an ihre andere Berufsidee herangeführt wird. Beim Bergdoktor spielt sie eine Ärztin. In der Eifelpraxis komme bei ihrer Rolle allerdings mehr medizinisches Fachwissen zum Tragen und damit ist sie wieder bei der Frage: „Wie kann man den Menschen heil machen“. Der Mensch interessiere sie einfach, sowohl biologisch-medizinisch, als auch psychologlisch.

Das spiegelt sich auch in ihrer Art wieder, wie sie das Telefonat mit unserer Redaktion führt. Sie fragt nach, wie eine Frage genau gemeint ist. Bevor sie antwortet ist es manchmal still im Hörer. Zwischendurch sucht sie nach den exakten Worten, ein Gefühl zu beschreiben.

Wer in der aufregenden Medienwelt unterwegs ist, sei oft abgelenkt von den Dingen, die wirklich wichtig seien, sagt Rebecca Immanuel. Sie sei schon immer ein nachdenklicher Mensch gewesen, der viel Wert auf das menschliche Miteinander gelegt habe. Nach dem plötzlichen Tod ihrer PR-Agentin habe sich das noch intensiviert: „Alles ist vergänglich. Was bleibt, sind dein Herz und deine Seele“, sagt die Schauspielerin.


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