Rosins Restaurants Rosin im Osnabrücker Manolo: Wem hilft diese Show?


Osnabrück. Die zehnte Staffel der Kabel-1-Reihe „Rosins Restaurants“ startet am Dienstag mit einer Geschichte des Scheiterns: Trotz Hilfe des TV-Kochs führt der Osnabrücker Gastwirt Christopher Hönings das Tex-Mex-Lokal an der Hasestraße nicht weiter.

Die zehnte Staffel von „Rosins Restaurants“ startet mit einem Flop: Das Osnabrücker Tex-Mex-Lokal Manolo hat der Sternekoch nicht retten können. Warum wird gerade das Scheitern zum Appetizer für die kommenden Folgen? (Sendetermin: 5. Dezember, 20:15 Uhr, Kabel.1.)

Rosins Restaurants: Wer ist hier der Angeschmierte?

„Wenn Zwei-Sterne-Koch Frank Rosin in einem Restaurant anpackt, glänzen hinterher nicht nur die Gläser, sondern im Bestfall auch die Bilanzen“, schreibt Kabel 1 über seine Reality-Soap „Rosins Restaurants“. Im Osnabrücker Tex-Mex-Lokal Manolo hat es nicht funktioniert. Die am Dienstag ausgestrahlte Folge endete damit, das der Wirt Christopher Hönings seinen Pachtvertrag nicht verlängerte. Alle Anstrengungen der Folge waren also umsonst. Und zornig machte TV-Koch Rosin deutlich, wen er dabei für den Angeschmierten hält: sich selbst. (Schuldzuweisung hinter den Kulissen: der Streit zwischen dem Manolo-Wirt und dem Verpächter)

Scheitern als Erfolgsrezept: Der Manolo-Flop als Staffelauftakt

Die Aufrichtigkeit der Wut darf man bezweifeln: Kabel 1 machte den Manolo-Flop gewiss nicht ohne Grund zum Auftakt der Jubiläumsstaffel. Offenbar hält man beim Sender gerade diese Episode für den besten Appetizer. Sie erzählt nur eben nicht die angekündigte Erfolgsstory. Stattdessen liefert Frank Rosin seinen Zuschauern eine Geschichte des Scheiterns: Im Manolo gibt es statt Töpfen und Pfannen nur drei Mikrowellen. Die Gerichte einer langen Speisekarte erweisen sich als Mix der immer gleichen Bohnen-Soßen. Hönings einzige feste Mitarbeiterin ist seine Ehefrau Irina, die beruflich und privat den Gedanken an Trennung äußert. Höhepunkt des ehelichen Erzählstrangs: Irina, seit 19 Jahren mit Christopher Hönings verheiratet, erfährt vor laufender Kamera, dass ihr Mann – und damit auch sie selbst – hochverschuldet ist. Einer von vielen Momenten, die in Erinnerung rufen: „Rosins Restaurants“ ist nicht nur Fernsehen; es geht um echte Existenzen. Natürlich nicht um die von Frank Rosin, der Irina am Ende ermuntert, ihre überraschend aufgetauchte Altersvorsorge ins verschuldete Geschäft einzubringen.

Ein Traum für jeden Trash-TV-Produzenten

Gastwirte in Not sind die Grundzutat aller Restaurant-Retter-Formate. Aber Hönings ist nicht irgendeiner: Kabel 1 stellt den Mann der Mikrowellen als gelernten Koch vor, der jahrelang Souschef im Steigenberger Remarque war. Mit dieser Fallhöhe ist er der Traum jedes Trash-TV-Produzenten – zumal er dazu neigt, Schwächen mit großen Posen zu kaschieren. Das macht ihn zur leichten Beute für Rosin, der ihn immer wieder ins offene Messer laufen lässt. Gleich am Anfang behauptet Hönings, ein volles Haus auch im Alleingang à la carte bekochen zu können – und hat sofort 50 Testesser im Haus, die dann anderthalb Stunden vor leeren Tellern sitzen. Ergebnis: die schlechteste Punktwertung der Formatgeschichte. (Rosin war nicht der Erste: Der Osnabrück-Besuch von Christian Rach)

Frank Rosin: Coach mit Zuckerbrot und Peitsche

Das Muster wiederholt Kabel 1 über gute zwei Stunden: Der Koch nimmt den Mund zu voll – der Coach wartet ab, bis sein Schützling sich blamiert. Die Hilfe erfolgt im Stil von Zuckerbrot und Peitsche. Erst lobt Rosin in falscher Ehrfurcht den „Kollegen auf Augenhöhe“, dann kanzelt er ihn als arbeitsscheuen „Bettfurzer“ ab. Immer wieder lässt Hönings sich von ironischen Komplimenten einwickeln. Was bleibt ihm auch übrig? Als er von Streetfood-Erlebnissen im Mexiko-Urlaub erzählt, geht Rosin feurig auf sein vermeintliches Expertenwissen ein: Der Wirt, dessen Steak eben noch „nach Urin“ roch, wird zum „Nowitzki“, dem Rosin das Werfen nicht mehr beibringen muss. Später serviert der Küchen-Nowitzki vertrocknete Avocadocreme vom Vortag. Rosin ist völlig erstaunt: Er kann es ja doch nicht!

Warum gucken wir Rosin?

In „Rosins Restaurants“ will Kabel 1 überforderten Köchen helfen. Aber wie hilfreich ist es, wenn man Szene für Szene als Mensch präsentiert wird, dem die Küche genauso entgleitet wie die Finanzen und sogar die eigene Ehe? Die Osnabrücker Folge provoziert in jeder Szene dieselbe Reaktion: Was läuft bei diesem Mann nur falsch? Das ist die falsche Frage. Viel interessanter ist doch dies: Was läuft bei uns falsch, dass wir uns so etwas angucken? Was läuft im Fernsehen falsch, das realen Misserfolg als Entertainment verkauft?

Frank Rosin pflegt den unangenehmen Gestus eines Mannes, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Einmal bezeichnet er den Koch sogar launig als „Pflegefall“. Zumindest dieses Zitat hätte Kabel 1 seinem Star aus der Sendung schneiden können. Nach dem Dreh hatte Hönings einen Schlaganfall.


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