Showrunner erklären „Dark“ Netflix-Serie „Dark“ – deutsche Antwort auf „Stranger Things“

Das Grauen lauert in der Höhle: Louis Hofmann spielt in der Netflix-Serie „Dark“ einen Schüler, den die 80er Jahre einholen. Foto: Julia Terjung/NetflixDas Grauen lauert in der Höhle: Louis Hofmann spielt in der Netflix-Serie „Dark“ einen Schüler, den die 80er Jahre einholen. Foto: Julia Terjung/Netflix

Berlin. „Dark“ ist die erste deutsche Serie des Streaming-Dienstes Netflix. In Berlin haben die Schöpfer Baran bo Odar und Jantje Friese den Mystery-Stoff gemeinsam mit den Darstellern vorgestellt. Ab Freitag ist die erste Staffel im Netz.

Winden im Jahr 2019: Als zwei Teenager aus der Kleinstadt verschwinden, nimmt Kommissarin Doppler die Ermittlungen auf – gemeinsam mit ihrem Kollegen Nielsen, dem der Fall quälend nah ist: Eins der vermissten Kinder ist sein Sohn. Das Grauen weckt traumatische Erinnerungen: Seit 1986 ist Nielsens Bruder auf ähnlich mysteriöse Weise verschollen. Die Spur führt in die Windener Höhlen, in denen Nielsen einen geheimen Zugang zum örtlichen Kernkraftwerk entdeckt. Als in der Nähe ein totes Kind gefunden wird, das einen Walk-man bei sich trägt, kommt die Frage auf: Wie trennscharf ist die Grenze zwischen den Jahrzehnten?

Diese Rätsel entfaltet die zehnteilige Serie „Dark“, das erste deutsche Netflix-Original. Mit Matthias Schweighöfers Krimi-Serie „You Are Wanted“ hatte der Streaming-Konkurrent Amazon der Welt schon im Frühjahr ein deutsches Format angeboten. Nun also setzt Netflix nach. Die Serienschöpfer sind Baran bo Odar und Jantje Friese. Zusammen hatte das Paar schon den Kinofilm „Who Am I“ (2014) realisiert; und die erste Idee bei Netflix war eine Serienversion dieses Hacker-Thrillers. (Weihnachten bei Netflix: Welche Klassiker laufen?)

Nah an „Stranger Things“

Weil Odar und Friese sich ungern wiederholen, haben sie das erstmal abgelehnt und stattdessen „Dark“ vorgeschlagen. Netflix war einverstanden, berichten sie, und hat nur eine Bedingung gestellt: „Die wollen Qualität. Wir auch“, sagt Odar. „Ein Streaming-Dienst, den die Kunden monatlich kündigen können, muss ein gutes Angebot haben. Das ist bei einem deutschen Fernsehsender anders. Der ist halt da, auch wenn er fünf schlechte Filme in Serie zeigt.“ Zweites Kriterium sei ein Sinn für Sparten. Odar: „Netflix denkt in Nischen. Und alle großen Serien decken Nischen ab: ‚Mad Men‘, ‚Breaking Bad‘, ‚The Sopranos‘: Das sind keine allgemeinen Stoffe, aus denen sich jeder was rauspickt. Wer den American Dream der 60er nicht mag, wird ‚Man Men‘ nicht mögen. Aber wer ihn mag, guckt die Serie komplett.“

Vermisste Kinder und zyklisch wiederkehrendes Unheil, finstere Provinzörtchen, Trips in die Vergangenheit: Die Nische von Odar und Friese ist das Sci-Fi-Mysterium mit 80er-Touch – und eigentlich schon gut gefüllt, gerade bei Netflix. Mit dessen Serie „The OA“ hat „Dark“ genauso deutliche Überschneidungen wie mit dem Stephen-King-Schocker „Es“. Die Verwandtschaft mit dem Netflix-Hit „Stranger Things“ ist sogar so groß, dass Oliver Masucci und Karoline Eichhorn, die Darsteller der Kommissare, sich beim Pressetag mit Alternativtiteln wie „More Strange Things“ spaßen. Vorbild, erklärt Friese, konnte die US-Produktion aber nicht mehr sein; dafür lief sie zu spät. Ansonsten sei die Nähe für sie nichts als „eine Riesenchance: Durch den Netflix-Algorithmus wird allen Fans von ‚Stranger Things‘ auch unsere Serie angeboten. Das ist ein großer Türöffner.“ Odar, wie Friese in einer Kleinstadt aufgewachsen und Sohn eines Vaters aus der Atomwirtschaft, verweist außerdem auf den persönlichen Bezug zum Stoff: „Wir sind nicht durch die Zeit gereist, aber viele Details sind sehr, sehr privat.“ (Deutsches Serien-Schwergewicht: Tom Tykwer erklärt, warum „Babylon Berlin“ so teuer war)

Zu dunkel für die ARD

Was würde an „Dark“ anders aussehen, wenn das Format für die ARD entstanden wäre? Die Frage ist für Friese falsch gestellt: „Das Projekt wäre gar nicht zustande gekommen“ sagt sie schlicht. „Die Bedürfnisse der ARD sind komplett andere. ‚Dark‘ ist zu speziell, um irgendeinen Sendeplatz in der ARD zu besetzen. Es fängt schon damit an, dass ‚Dark‘ bei der ARD nicht so ‚dark‘ sein könnte. Unsere Bilder sind zu dunkel.“ Odar stimmt zu: „‚Dark’ ist Genre, und außer Krimis laufen in der ARD keine Genre-Produktionen.“

Wie fühlen sich eigentlich junge Darsteller dabei, dass sie mit der 80er-Jahre-Welle die Nostalgie ihrer eigenen Eltern bedienen? „Wir wünschen uns sozusagen, dass wir die 80er miterlebt hätten“, antwortet Louis Hofmann, der in „Dark“ den Schüler Jonas spielt. „Das Verrückte ist ja, dass die Generation vor uns das ansieht, um sich in die 80er zurückzusehnen – und wir gleichzeitig in Klamotten und Musik einen 80er-Boom mitmachen.“ Im Medienverhalten ist er allerdings Kind seiner Zeit. Lineares Fernsehen guckt Hofmann kaum noch: „Wenn, dann Mediathek. Ich habe zuhause keinen Fernsehanschluss.“ Dass sein Format nun im Netz startet, kommt ihm also entgegen. (Neues von Marvel‘s Avengers: Der erste Teaser zu „Infinity War“ ist im Netz)

Dark“. Die zehn Folgen der ersten Staffel ab Freitag, 1. Dezember 2017, auf Netflix.


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