ARD Hörspieltage in Karlsruhe Die 14. ARD Hörspieltage im Zeichen der Sprache

Von Marcel Kawentel

Auf die Ohren: Hörspiele und Dokumentationen gibt es in der neuen ARD Audiothek. Foto: SWR/ARD.deAuf die Ohren: Hörspiele und Dokumentationen gibt es in der neuen ARD Audiothek. Foto: SWR/ARD.de

Osnabrück. In der vergangenen Woche fanden die 14. ARD Hörspieltage in Karlsruhe statt und zogen mit ihrem Programm rund 12 000 Besucher an. Höhepunkt war die Verleihung des Deutschen Hörspielpreises, unter Anderem an Lars Rudolph für die beste schauspielerische Leistung.

Für seine darstellerische Leistung im NDR-Hörspiel „Der goldene Handschuh“ nach dem gleichnamigen Roman von Heinz Strunk wurde der Schauspieler Lars Rudolph mit dem Deutschen Hörspielpreis ausgezeichnet. Den Hauptpreis gewann der Regisseur Noam Brusilovsky für die SWR-Produktion „Broken German“. Auch dieses Stück beruht auf einem Roman. Autor Tomer Gardi lässt darin einen israelischen Mann in gebrochenem Deutsch erzählen. Der Regisseur des Hörspiels hörte Gardi in einem Literatursalon lesen und beschloss daraufhin ihn als sich selbst zu besetzen. Beim Bachmannpreis im vergangenen Jahr war noch darüber diskutiert worden, ob ein Buch in falschem Deutsch Literatur sein könne. „So wie die deutsche Gesellschaft sich in den letzten Jahren verändert hat, kann ich mir vorstellen, dass gerade eine ähnliche Veränderung in der Sprache stattfindet. Der Nationalstaat wird von keiner partikulären Gruppe besetzt, so gehört auch die Sprache niemandem,“ so Regisseur Brusilovsky.  „Es geht tatsächlich um eine existierende Sprache, die eine neue Poetik nicht trotz, sondern gerade wegen des Gebrochenen ermöglicht.“

Hörspielbox zum Mitmachen

Sprache machte Hörspielkritiker Jochen Meißner in seinem Blog als roten Faden aus, „nicht nur beim Wettbewerb, sondern im Hörspieljahr insgesamt“. Doch auch die Geräusche kamen nicht zu kurz, so etwa in der ARD-Hörspielbox, einem spontan begehbaren Hörspielstudio. Besucher konnten dort unter Anleitung einer Regisseurin selbst Texte einsprechen und Geräusche aufnehmen. Am Ende bekam jeder sein eigenes Hörspiel per Mail zugeschickt. 

Es wirkt wie ein Widerspruch, dass die Hörspieltage einerseits großen Publikumszuspruch fanden und andererseits auf einem Symposium über die mangelnde Sichtbarkeit des Hörspiels in der Kulturkritik diskutiert wurde. „Wir haben in Deutschland eine besonders reichhaltige Hörspielszene. Das gibt es so in keinem anderen europäischen Land. Das ist ein Pfund, mit dem man noch viel mehr wuchern könnte,“ so Jochen Meißner in einem Blogbeitrag. Doch im klassischen Feuilleton sucht man die Hörspielkritik zumeist vergebens. Das Internet bietet hier neue Möglichkeiten, fordert aber auch den Kritiker heraus. „Als Journalist lernt man eine gute Art von Demut, wenn man sich im Netz bewegt,“ konstatierte Medienjournalist Stefan Niggemeier auf dem Symposium und fragte: „Muss sich nicht auch der Kritiker kritisieren lassen?“.

Kulturkritik im Netz

Dass im Internet jedoch ein größeres Forum für Nischenprodukte möglich sei, betrachtet Niggemeier skeptisch. Durch Werbefinanzierung und die genaue Sichtbarkeit von Klickzahlen sei Kulturkritik im Netz nicht davon getrieben verborgene Schätze zu heben, sondern davon, möglichst viele Leute abzuholen. Auch SWR-Redakteur Wolfram Wessels betont in seinem Blog: „Das Internet ist keineswegs nur ein weiterer Ausspielweg, es ist ein eigenes Medium mit eigenen Regeln, Gesetzen und Möglichkeiten.“ So war neben der Sprache auch die digitale Zukunft des Hörspiels Thema in Karlsruhe. Die neue App „ARD Audiothek“ etwa, die auf den Hörspieltagen an den Start ging, ermöglicht den Machern von Hörspielen, neue Hörer im Netz zu gewinnen, und den Hörern wiederum, am Smartphone jederzeit Hörspiele zu hören. Den Abschluss der 14. ARD Hörspieltage machte die Live-Premiere des Hörspiels „Eine Woche voller Samstage“ nach dem Kinderbuchklassiker von Paul Maar.