Medien in Tansania Pionierphase für die Medienentwicklung

Von Thomas Klatt

Der Leiter des Kilimanjaro-FilminstitutsSamuel Obae (rechts) mit seiner Studentin Maja. Foto: Thomas KlattDer Leiter des Kilimanjaro-FilminstitutsSamuel Obae (rechts) mit seiner Studentin Maja. Foto: Thomas Klatt

Arusha. Tansania hat keine nennenswerte Filmindustrie. Das Kilimanjaro Film Institut in Arusha träumt davon eine Art Medien-Labor für Audio, Grafik-Design. Doc und Fiktion aufbauen zu können.

Der Trans-African Highway, der Kapstadt und Kairo verbindet, ist die einzige durchgehende Asphaltstraße in der Kilimanjaro Region im nördlichen Tansania. Rechts und Links davon führen Rumpelpisten zu den Häusern. Etwa zum Kilimanjaro Film Institut in Arusha, ein flaches Einfamilienhaus mit Garten. Es ist seit der Gründung des Instituts vor 10 Jahren nur angemietet, bis man genug Geld hat, um sich erweitern zu können.

„Unser Ziel ist es, eine Art Medien-Labor aufzubauen, in dem Audio, Grafik-Design, Film, Dok und Fiction zusammenkommen, um damit lokale Filmproduktionen unterstützen zu können“, träumt Leiter Samuel Obae.

Politisch stabiler Staat

So weit ist es aber noch lange nicht. Tansania ist zwar seit gut 60 Jahren ohne Bürgerkriege im Vergleich zu den Nachbarländern ein erstaunlich stabiler Staat. Aber es ist immer noch ein bitterarmes Entwicklungsland, nicht nur beim Straßenbau und Infrastruktur, sondern auch in der Medienentwicklung. Zwar bieten einige Universitäten das Studienfach Journalistik an, aber die praktische Ausbildung liegt im Argen. So ist das Kilimanjaro Film Institut das einzige seiner Art im ganzen Land. In einem zweijährigen Kurs wird Storytelling und Filmbearbeitung gelehrt. Die Ausbildung ist kostenlos und wird vor allem von Filmfreunden aus den Niederlanden gestützt. Die Ausstattung ist bescheiden. Es fehlt etwa an großen Bildschirmen für die Filmbearbeitung. Derzeit hocken die Studenten über kleinen Laptops. Wenn einmal kleinere Filme aus dem Institut verkauft werden, wird der Erlös in die Ausbildung reinvestiert. Doch das kommt selten vor.

„Die TV-Stationen kaufen nicht die Filme, sondern lassen sich die Ausstrahlung von den Filmemachern bezahlen. Und wenn sie Geld geben, deckt das nur einen Bruchteil der Produktionskosten“, erklärt Instituts-Leiter Obae.

Kaum Filmindustrie

Zudem gebe es in Tansania keine nennenswerte Filmindustrie. Die Kinos zeigen vor allem Hollywood-Produktionen. Die wenigen öffentlichen und privaten TV-Kanäle senden meist billige südamerikanische Seifenopern. Eine andere Herausforderung sind die strengen Pressegesetze. Zeitungen können staatlicherseits einfach verboten werden. Das sogenannte Cybercrimes-Gesetz erlaubt Strafverfolgungsbehörden Computer zu durchsuchen und darauf befindliche Dateien sicherzustellen. Kritiker befürchten Repressionen nicht nur gegen regierungskritische Blogger. Die beliebte Internet-Plattform „Jamii-Forums“ etwa, auf der auch viele Journalisten recherchieren, sollte jüngst Namen von Informanten zu aktuellen Fällen von schwerer Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung preisgeben. Nach dem Media Services-Gesetz von 2016 müssen sich zudem Medienhäuser, soziale Online-Plattformen und Journalisten staatlich lizenzieren lassen. Wer auffällt, bekommt eben keine Akkreditierung mehr. Zwar sei man frei Filme zu machen, nur dürfe man dabei nicht die Regierung von Präsident John Magufuli kritisieren. Spitzname „der Bulldozer“. Und es gebe Tabus. Etwa die Problematik von Albinos, die drangsaliert oder sogar ermordet werden, weil der Volksglaube ihnen Unheil andichtet, andere wiederum von Albino-Körperteilen Gesundheit und Wunder erwarten. Der Staat schützt diese Menschen aber oft nicht ausreichend.

„Wenn man einen Film über Albinos machen will, muss man sich das genehmigen lassen und es steht immer ein staatlicher Aufpasser daneben“, schildert Filmlehrer Samuel Obae.

Ihr Film über HIV-Prävention

Eine seiner Studentinnen ist Maja von der Insel Sansibar. Bei einem ihrer ersten Filme über HIV-Prävention hat die angehende Filmemacherin zwar frei agieren können. Doch ihr Ziel ist es, im Ausland Karriere zu machen, vielleicht sogar bei der Deutschen Welle. Im reichen Westen will sie für Tansania werben, damit Medienunternehmen mehr in ihr Land investieren. Denn vom Journalismus können in Tansania derzeit nur wenige leben.

Mohamed Hamad etwa berichtet aus dem Landstrich Kibaya Kiteto nördlich der Hauptstadt Dodoma. Pro Radio-Beitrag bekommt er 3000 tansanische Schilling, umgerechnet etwas mehr als einen Euro. Das decke gerade mal seine Reise- und Telefonkosten, schildert er. Daher muss der Lokaljournalist nebenbei Zeitungen verkaufen oder andere Gelegenheitsjobs machen. In der Regel haben viele Korrespondenten auch einen Garten und Kleinvieh zur Selbstversorgung. Dennoch bleibt Hamad beim Journalismus, weil ihm die Berichterstattung über die Massai wichtig ist.

„Das Hauptproblem ist, dass viele Massai ihre Rechte nicht kennen. Sie wissen zum Beispiel oftmals nicht, dass sie sich zur Landnutzung registrieren lassen müssen. Ein weiteres Problem ist die unzureichende Wasserversorgung. Oder die Mädchenbeschneidung. Da will ich als Journalist aufklären. Die Kirche etwa versucht aus dem traditionellen Beschneidungsfest ein kirchliches Fest zu machen, ohne Leid und gesundheitliches Risiko für die Frauen“, sagt der Radiojournalist.

Keine Kritik an der Regierung

Die 29-jährige Gloria Michael gehört hingegen zu den wenigen Festangestellten im Medienbereich. Nach ihrem Journalistik-Studium in Daressalam arbeitet sie seit vier Jahren beim staatlichen Fernsehsender TBC. Auch sie bestätigt, in ihrer Berichterstattung frei ist, so lange sie die Regierung nicht kritisiert. Aber sie habe Glück und sei abgesichert. Die Pressevielfalt im Land scheitere oftmals allein schon an fehlender finanzieller Unabhängigkeit. So sei es in Tansania immer noch üblich, Pressevertreter zu schmieren, weiß Michel: „Wir nennen es hier die braune Umschlag-Krankheit. Die riechen durch den Umschlag das Geld. Dann bei einer Pressekonferenz, bum, sind plötzlich 50 Journalisten da. Das ist leider immer noch sehr weit verbreitet, weil die Medienhäuser möglichst billige Journalisten und Korrespondenten haben möchten.“

Es gibt Hoffnungszeichen

Aber es gibt auch Hoffnungszeichen. Das Land hat das analoge Zeitalter einfach übersprungen und ist von Null ins Smartphone-Zeitalter eingestiegen. Schon vor Jahren hat die Regierung für moderne Glasfaserkabel-Verlegung gesorgt. In vielen Städten Tansanias ist die Internet-Verbindung besser und erschwinglicher als in manchen Landregionen Deutschlands. Und das ermöglicht neue Möglichkeiten der Kommunikation und Meinungsfreiheit. Solange es der Staat toleriert. Aber das ist eben Teil der demokratischen Entwicklung und des politischen Prozesses in Tansania.


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