„Gestrandet“ Ungewöhnliche Doku zur Integration von Flüchtlingen

Von Marie-Luise Braun

Das Jahr 2014 beginnt für die Bewohner von Strackholt mit einer ungewöhnlichen Nachricht: Eine kleine Gruppe eritreischer Flüchtlinge ist in dem 1500-Seelen-Dorf „gestrandet“. 20 km von Aurich, inmitten der ostfriesischen Leere, sollen die Neuankömmlinge den Ausgang ihres Asylverfahrens abwarten. Helmut, ein pensionierter Schuldirektor und Christiane, eine Journalistin nehmen sich der fünf Männer an.

            
Foto: NDR/PandorafilmDas Jahr 2014 beginnt für die Bewohner von Strackholt mit einer ungewöhnlichen Nachricht: Eine kleine Gruppe eritreischer Flüchtlinge ist in dem 1500-Seelen-Dorf „gestrandet“. 20 km von Aurich, inmitten der ostfriesischen Leere, sollen die Neuankömmlinge den Ausgang ihres Asylverfahrens abwarten. Helmut, ein pensionierter Schuldirektor und Christiane, eine Journalistin nehmen sich der fünf Männer an. Foto: NDR/Pandorafilm

Osnabrück. Wie sich Flüchtlinge und Helfer fühlen, weil sie durch deutsche Ämter mürbe gemacht werden, zeigt Lisei Caspers in „Gestrandet“, am 24. Oktober, 0 Uhr, NDR.

Rätselhaft beginnt der Film. Da werden fünf Männern aus Eritrea die Regeln des Boßelns erklärt, kurz danach fordert der Bürgermeister von Strackholt die Gemeinde auf, den Flüchtlingen zu helfen. Zwischendurch fängt die Kamera Bilder ein von einer kargen Landschaft im Winter. Wenig später werden die Fünf von ihrem Deutschlehrer in holprigem Englisch belehrt: „Wenn ihr Kontakt mit einer Frau habt, nutzt Kondome.“ Nichts davon wird kommentiert in diesem ungewöhnlichen, streckenweise berührenden, manchmal langatmigen Film von Lisei Caspers.

Doch mit dieser Art gelingt es ihr, eine Ahnung davon zu vermitteln, wie es sein muss, aus einer völlig anderen Kultur nach Deutschland zu kommen, ohne die Sprache zu beherrschen. Mit dem pensionierten Lehrer Helmut Wendt und der Journalistin Christiane Norda verdeutlicht sie zudem, wie hilflos nicht nur die Flüchtlinge sind, sondern auch Menschen, die sie unterstützen wollen – und dennoch immer wieder an den Vorgaben und den langen Prozessen der Ämter scheitern. Beide Seiten werden durch das Warten mürbe, vor allem die Flüchtlinge fühlen sich gedemütigt. Da bedarf es starken Willens, nicht zu verzweifeln.