Heute Abend im ZDF-Programm Dirk Kurbjuweits Stalking-Roman „Angst“ brillant verfilmt

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Osnabrück. Es war um das Jahr 2003, als Dirk Kurbjuweit und seiner Familie im eigenen Haus ein Stalker nachgestellt hat. 2013 hat der „Spiegel“-Redakteur darüber den Roman „Angst“ veröffentlicht. Jetzt ist er mit dem Zusatz „Der Feind in meinem Haus“ verfilmt worden.

Eine Frage, die bei Lesungen häufig gestellt wird, lautet: „Wie viel von Ihnen steckt denn in der Figur im Roman?“. Dirk Kurbjuweit sagt: „Alles.“ Aber das eben auf unterschiedlichen Ebenen. Nicht alles, was er im Buch schreibt, hat er wirklich getan. Den Mord am Stalker beispielsweise hat er nur in der Fantasie begangen, im Roman hingegen hat er tatsächlich geschossen.

„Ich bin nicht Randolph Tiefenthaler“, betont Dirk Kurbjuweit dann auch im Gespräch mit unserer Redaktion. Aber die Fragen, die über den Film und das Buch hinausführen, die kann die Romanfigur leider nicht beantworten. Da muss schon der Autor ran, der als derjenige, der gestalkt wurde, sagen kann, wie sich die Ereignisse auf die Familie ausgewirkt haben.

Hunde für die Sicherheit

„Das verschwindet nach ein bis zwei Jahren“, erinnert sich Dirk Kurbjuweit. Therapeutische Unterstützung habe die Familie nicht benötigt. Seine damalige Frau habe anfangs aber sehr unter dem verloren gegangenen Sicherheitsgefühl gelitten. Deshalb habe sich die Familie zwei große Hunde angeschafft. „Sie waren nicht scharf, aber sie haben für ein Gefühl der Sicherheit gesorgt“, erzählt Kurbjuweit. (Dirk Kurbjuweits Lesung in Osnabrück)

Wie bedrängt sich Menschen fühlen, die gestalkt werden, vermittelt der spannende und klug aufgebaute Film unter der Regie von Thomas Berger auf sehr direkte Weise. Aber während der Zuschauer wegsehen kann, wenn er die Spannung nicht aushält, ist die Familie von Randolph (Heino Ferch) und Rebecca Tiefenthaler (Anja Kliing) den Attacken von Dieter Tiberius (Udo Samel) ausgesetzt.

Versagt der Staat?

Kurz nachdem die Familie eine Wohnung in einer Villa gekauft hat, fängt die Bedrängung damit an, dass Tiberius Kuchen für die Familie backt. Er wohnt unter den Tiefenthalers. Später folgen Liebesbriefe an Rebecca, schließlich ruft er die Polizei, weil die Eltern angeblich ihre Kinder missbraucht haben. Die Tiefenthalers wissen nie, was als nächstes kommt. Irgendwann kreisen ihre Gedanken permanent darum, was Tiberius getan hat oder noch tun könnte. Der Vater von Randolph, Dietrich (Dieter Hollinderbäumer), macht der Familie schließlich den Vorschlag, den Stalker zu töten. Anders weiß sich die Familie nicht zu helfen, die sogar von der eigenen Anwältin (Sandra Borgmann) zu hören bekommt, dass der Rechtsstaat beim Schutz vor Stalkern versagt.

„Ich bin gegen Selbstjustiz“, betont Kurbjuweit und sagt: „Das ist das Fürchterlichste, was einem demokratischen Staat passieren kann.“ Er glaubt auch nicht, dass er mit dieser Szene zu Selbstjustiz aufruft. Und tatsächlich: Am Ende wird gezeigt, dass der Mörder mit seiner Tat hadert.

Frist gesetzt

Hat es denn keine Möglichkeit gegeben, weiteren Attacken aus dem Weg zu gehen? Beispielsweise durch den Auszug der Familie? „Wir haben uns im Recht gefühlt. Und er war komplett im Unrecht. Deshalb wollten wir nicht ausziehen. Da waren wir auch erst mal trotzig“, erinnert sich Dirk Kurbjuweit. Später dann habe sich die Familie eine Frist gesetzt: Wenn der Täter bis dahin nicht ausgezogen gewesen wäre, hätten sich die Kurbjuweits ein neues Zuhause gesucht. Im wirklichen Leben hat sich die Angelegenheit dann aber noch rechtzeitig geklärt.

Ist denn sein Vertrauen in den Rechtsstaat wieder hergestellt? „Ja, weil uns am Ende geholfen wurde“, sagt Dirk Kurbjuweit. 2016 hat es eine Novellierung der Gesetzgebung hinsichtlich Stalking gegeben. Hält er das Gesetz denn für ausreichend? Kurbjuweit erzählt, dass er von Stalking-Opfern immer mal wieder angesprochen wird. Die Geschichten zeigten, dass sich nicht viel geändert habe. Wobei der Autor betont, dass das keine repräsentative Umfrage sei. Er sagt auch: „Es ist aber auch ein Bereich, in dem es wahnsinnig schwierig ist, eine Regelung zu finden.“ Gewisse Lücken im Gesetz müssten wir einfach ertragen.

Hässlicher Typ

Und dann ist da doch noch eine Frage, die sich auf die Abbildung der Wirklichkeit in Film und Roman bezieht. Stalker - dass solche Menschen hässlich sind, ist doch ein Stereotyp. Sie könnten doch auch gut aussehen. War er tatsächlich so unansehlich? Kurbjuweit lacht und sagt dann kurz: „Ja.“

Angst. Der Feind in meinem Haus. ZDF, 16. Oktober, 20.15 Uhr.


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