TV-Kritik zur zweiten Staffel „Schuld“: ZDF zeigt vier neue fesselnde Folgen der Erfolgsserie


Osnabrück. Das ZDF setzt am Freitag die Serie „Schuld nach Ferdinand von Schirach“ fort. Moritz Bleibtreu, einziger Hauptdarsteller der Serie, sprach vorab mit unserer Redaktion über die Bewertung von Schuld, seine Rückkehr ins Fernsehen und die Zukunft der deutschen Serien.

„Die Schuld eines Menschen ist schwer zu wiegen.“ Protagonist Friedrich Kronberg schließt jede Episode mit diesem Satz. Der Anwalt ist der einzige Hauptdarsteller der Serie. Gespielt wird er von Moritz Bleibtreu. „Schuld ist nie in Schwarz und in Weiß zu trennen, deswegen macht es die Beurteilung so wahnsinnig schwer“, sagt Bleibtreu.

Wie schon in der ersten Staffel behandelt jede Episode einen einzelnen Fall und stellt die Frage, nach der Bewertung der Schuld. Ist ein fahrlässiger Unfallfahrer nach einem tödlichen Zusammenstoß weniger schuldig, wenn sein Opfer einen Mord zu begehen gedachte? Wie schwer wiegt die Schuld, wenn eine Schwester für ihren hirngeschädigten Bruder Sterbehilfe beschließt und vollzieht? Wie lassen sich moralische und juristische Schuld trennen?

Bleibtreu: Wenn Recht pauschalisiert, folgt Chaos

„Die Würde eines Menschen verpflichtet uns, uns individuell mit ihm zu beschäftigen. Selbst wenn wir diesen Menschen noch so hassen, für das, was er getan hat“, steht für Bleibtreu fest. „Wenn dieses Bewusstsein verloren geht, ist das gefährlich.“ Recht dürfe weder emotionalisieren noch nach einem drakonischen Katalog pauschalisieren. Chaos wäre die Konsequenz, sagt der Schauspieler.

„Schuld“ basiert auf den gleichnamigen Kurzgeschichten des Strafverteidigers und Autors Ferdinand von Schirach. Am Anfang steht die Tat, nach und nach werden die Hintergründe aufgedeckt, knallhart emotional erzählt. Das Schicksal der Menschen mit all seinen abrupten Wendungen reißt die Zuschauer an sich. „Du spürst, dass das Dinge sind, die man sich schwer ausdenken kann. Die Geschichten sind intensiv und hoch spannend“, empfindet Bleibtreu.

Spitzenbesetzung

Der Zuschauer entwickelt selbst ein Gespür für komplexe Justizarbeit. Mit dem Blick auf die Geschichte hinter die Tat stellt er sich die Frage, wie er selbst die Schuld der Menschen bewerten würde. Ein Gedanke, den von Schirach die Zuschauer schon im Drama „Terror“ denken lässt. Die Serie will niemandem die Schuld absprechen, aber mit einem Blick hinter die Tat kann ein neuer Blickwinkel entstehen.

Fesselnd von Minute eins an, knüpft die zweite Staffel nahtlos an die starken Inhalte der ersten sechs Folgen an. Gleich stark ist auch die Besetzung in den neuen Episoden. Diesmal setzen unter anderen Jürgen Vogel, Josefine Preuß, Martin Brambach und Marcus Mittermeier auf die Hilfe des Verteidigers Friedrich Kronberg.

Bleibtreus Rückkehr ins Fernsehen

Knapp 18 Jahre war Bleibtreu Fernsehproduktionen ferngeblieben. Mit der ersten Staffel von „Schuld“ leitete der 46-Jährige 2015 seine Rückkehr ein. Darin sieht er keinen Sinneswandel, sondern begründet das Comeback mit einer Veränderung in der Qualität von Fernsehserien. „Wir haben jetzt die Serienstruktur als eine Kunstform entdeckt“, erklärt Bleibtreu, „wenn die intelligenten Geschichten dahin wandern, dann bin ich gerne bereit, ein Teil davon zu sein.“

Der Schauspieler sagt deutschen Serienproduktion eine große Zukunft voraus. Viele spannende Projekte stünden bereits in den Startlöchern. Bis sich deutsche Formate aber entwickeln wie amerikanische Topserien à la Twin Peaks, The Sopranos oder Breaking Bad, brauche es noch Zeit. „Unser Weg ist hin zu wirklich intelligent, rasant erzählten, visuell spannenden, hochwertigen Geschichten. Das ist eine Entwicklung, aber die findet jetzt statt.“

Alle Folgen ab Freitag in der Mediathek

Das ZDF hatte die erste Staffel noch vor Sendebeginn in der Mediathek online gestellt. Ein Weg, den bislang im deutschen Fernsehen so vorher niemand gegangen war. Eine Entwicklung, die Moritz Bleibtreu befürwortet. Alle vier „Schuld“-Folgen sind ab 15. September auch in der ZDF-Mediathek im Internet zu sehen.


Das Buch „Schuld“ von Ferdinand von Schirach beinhaltet 15 Kurzgeschichten. Ob das ZDF die übrigen fünf Geschichten verfilmt, ist noch nicht bekannt.

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