Terror, Spinner, Algorithmen Drei Filme über digitale Holz- und Auswege

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Osnabrück  In einem langen wie sehenswerten Themenabend wirft Arte am Dienstag ab 20.15 Uhr einen kritischen Blick auf die Herausforderungen im digitalen Zeitalter.

Die Terroranschläge in Paris vom 13. November 2015 werfen immer noch Fragen auf. Wie konnte es überhaupt passieren, dass die Attentäter trotz höchster Sicherheitsstufen und Massenüberwachung ihre Anschläge durchführen konnten? Diese Frage stellt sich auch Alexis Lebrun, Überlebender des Massakers im Bataclan und Sprecher der Opfervereinigung „Life for Paris“.

„Es ist schon fast ironisch“, erinnert er sich in der Dokumentation „Terrorjagd im Netz“ an einen Zeitungsartikel, der rund zwei Monate vor dem feigen Massenmord erschienen ist. Aus dem Artikel gehe eindeutig hervor, dass den Sicherheitsbehörden nicht nur bewusst gewesen sein muss, dass Konzerthallen ins Visier der Terroristen gerückt waren. Auch der Drahtzieher der Anschlagsserie soll den Behörden zu diesem Zeitpunkt längst bekannt gewesen sein. „Das hat viele völlig entgeistert, als sie das entdeckten“, fasst Lebrun die allgemeine Fassungslosigkeit über das Versagen der Geheimdienste zusammen.

Nutzlose Massenüberwachung

Die schrecklichen Ereignisse von Paris bilden den Ausgangspunkt zu einer investigativen Dokumentation, in der Filmautor Friedrich Moser nicht nur das offenbar völlig nutzlose Systemstaatlicher Massenüberwachungim Kampf gegen den Terror hinterfragt, sondern auch eine Alternative dazu vorstellt. Nicht quantitative, sondern qualitative Datenüberwachung sei der Schlüssel zu einer wirkungsvolleren Prävention. Dabei könne dann sogar der Schutz der Privatsphäre gewahrt werden. Und potenzielle Attentäter sowie deren Hintermänner könnten quasi mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden – den sozialen Netzwerken, in denen sie mit ihren unmenschlichen Taten prahlen, Nachwuchs rekrutieren und zahlreiche verwertbare Spuren hinterlassen.

Ausgehend von einem Startup-Unternehmen, das ein entsprechendes Analysewerkzeug entwickelt, geht Moser insbesondere der Frage auf den Grund, wieso wider besseres Wissen Staaten immer noch auf Massenüberwachung setzen. Die sei nicht nur nutzlos, sondern sogar schädlich und kontraproduktiv im Kampf gegen den Terror. Es werden „Heuhaufen“ an Daten produziert, die niemandem nützten – außer einigen wenigen Privatfirmen, an die geheimdienstliche Tätigkeiten ausgelagert werden.

Moser geht hart ins Gericht mit dem Geschäft der Massenüberwachung. Spricht von „legalisierter Korruption“ und einer „Einladung zur Selbstbedienung“. Alleine in den USA sei hier ein „100 Milliarden Dollar-Markt“ entstanden.

Verschwörung oder Verschwörungstheorie?

Was auf den ersten Blick wie eine Verschwörungstheorie klingt, ist durch Dokumente und Aussagen von Zeugen wie Edward Snowden gut belegt. Aber anVerschwörungstheorienkommt dieser Themenabend natürlich trotzdem nicht vorbei. Auch als Wiederholung zwischen zwei Erstausstrahlungen ist der Dokumentarfilm „Die Weltherrschaft“ immer noch sehenswert.

Abschließend kann man sich dann die Frage stellen, ob der Film „Der Pi-Code“ über den US-Ökonomen Martin Armstrong einen Verschwörungstheoretiker beschreibt, oder das Opfer einer staatlich gelenkten Verschwörung. „Spinner oder Genie“ lautet denn auch der Untertitel der Dokumentation von Marcus Vetter und Karin Steinberger über Armstrong, der gleich mehrere Crashs mittels eines eigens entwickelten Computerprogramms präzise vorausgesagt haben will. Der Lohn: Zwölf Jahre Knast – ohne Urteil. Mittlerweile prophezeit er wieder Crashs.

Arte, 20.15: „Terrorjagd im Netz“. 21.55: „Die Weltherrschaft“. 23.10: „Der Pi-Code – Martin Armstrong – Spinner oder Genie“. Alle drei Filme sind auch vom 12. bis 19. September online unter www.arte.tv/de abrufbar.


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