Ich glotz - TV? Online? VR? 50 Jahre Farbfernsehen: Ein Blick in die Glaskugel

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Mit Qualitätsserien wie „House of Cards“ (hier Kevin Spacey als US-Präsident Underwood) haben Streaming-Dienste wie Netflix bereits die Zukunft des Fernsehens maßgeblich beeinflusst. Foto: David Giesbrecht/Sky/dpaMit Qualitätsserien wie „House of Cards“ (hier Kevin Spacey als US-Präsident Underwood) haben Streaming-Dienste wie Netflix bereits die Zukunft des Fernsehens maßgeblich beeinflusst. Foto: David Giesbrecht/Sky/dpa

Osnabrück Steht das Fernsehen vor dem Abgrund? Oder vor einem Neuanfang? Und: was ist überhaupt noch Fernsehen? Zum Abschluss wagen wir einen Blick in die Zukunft.

Der Sommer 2026 ist heiß und schwül in Deutschland, wie so oft in den vergangenen Jahren. Umso mehr locken die 48 Finalteilnehmer der Fußball-Weltmeisterschaft, jener „ Mega-WM „ aus den USA, Kanada und Mexiko, die Fans ins Freie zum Public Viewing. Dank einer Ausnahmegenehmigung darf auch spät nachts, wenn viele Spiele stattfinden, im Freien gejubelt und gefeiert werden.

Für zahlreiche Fans ist dies sogar die einzige Möglichkeit, den meisten Spielen zu folgen. Denn außer den Begegnungen mit deutscher Beteiligung, die nach wie vor von ARD und ZDF übertragen werden, ist das Turnier ausschließlich auf zahlreichen unterschiedlichen Kanälen (natürlich verschlüsselt) und Internet-Plattformen zu sehen. Die kosten in der Summe nicht nur sehr viel Geld, sondern sind auch nicht immer ganz einfach zu finden.

2022 - RTL und Co nur noch gegen Kohle?

So oder so ähnlich könnte es im Jahre 2026 tatsächlich aussehen, wenn die Fußball-WM stattfindet und die öffentlich-rechtlichen Sender bei der Rechtevergabe überboten werden. Denn selbst wenn dann die alteingesessenen Privatsender wie RTL oder Sat.1 Spiele übertragen, heißt das noch lange nicht, dass die auch von allen Fußballfans empfangen werden können. Schließlich endet bereits im Jahr 2022 eine freiwillige Verpflichtung der großen Privatsender, ihre Programme unverschlüsselt in SD-Qualität über Satellit zu senden. Dann bleibt nur noch die zwar bessere, aber auch kostenpflichtige und verschlüsselte HD-Alternative zum Empfang der Privaten.

Sport, insbesondere Fußball, gehört natürlich zu den wichtigsten Säulen im TV-Betrieb. Und das wird auch in Zukunft so bleiben. Die Frage ist nur: Wer bekommt in Zukunft welchen Zuschlag? Können nationale Sender, ganz egal, ob öffentlich-rechtlich oder privat, im Spiel der Global Player noch mithalten? Oder schaut man große Sportereignisse dann exklusiv und natürlich gegen Extra-Gebühren bei Netflix, Amazon oder sonst einer Internet-Plattform?

Und was ist überhaupt noch Fernsehen? Früher war die Antwort einfach. Man schaltete sein Fernsehgerät ein und konnte immer nur das sehen, was gerade gesendet wurde. Heute gibt es für diese uralte Form des TV-Konsums den komischen Begriff „lineares Fernsehen“. Doch auch alles andere ist Fernsehen. Online-Plattformen wie YouTube bieten sogar Livestreams, also im Grunde genommen klassisches lineares Fernsehen an. Vergangenen Sonntag konnte man dort zum Beispiel ebenfalls das „TV-Duell Merkel - Schulz“ live und linear verfolgen. Und die großen Streaming-Dienste setzen sowieso auf altbekannte TV-Inhalte: Serien, Filme, Comedy, Dokumentationen und in Zukunft mit Sicherheit auch immer öfter Sport.

Streaming überholt lineares TV

Natürlich machen es die neuen Plattformen den herkömmlichen, linearen Sendern jetzt schon schwer. Wer TV-Inhalte bei Online-Diensten wie Netflix auf Abruf konsumiert, schaut währenddessen kein klassisches Fernsehen, klar. Aber  noch behaupten sich in Deutschland die Sender in ihrem linearen Betrieb. Doch was sich in den USA schon stärker bemerkbar macht, ist auch hier bereits zu spüren. Immer weniger vor allem junge Menschen nutzen die linearen Angebote. Es ist keine gewagte These zu behaupten, dass in zehn Jahren mehr Zuschauer Streaming-Angebote und Mediatheken nutzen werden als lineares Fernsehen. Sender, die sich nicht rechtzeitig mit vernünftigen Angeboten auf eigenen Plattformen positionieren, werden schon bald das Nachsehen haben.

Nichts Neues - Fernsehen wird teurerLeider muss in diesem Zusammenhang auch damit gerechnet werden, dass die Preise für Fernsehen immer mehr in die Höhe getrieben werden. Noch sind es Kampfpreise, mit denen insbesondere die globalen Anbieter um ihre Kundschaft buhlen. Aber die Gebühren dürften schon bald überall anziehen. Netflix und Amazon haben bereits erste Preiserhöhungen durchgesetzt. Und neben den wahrscheinlich ab 2022 kommenden flächendeckenden Gebühren für die Privatsender werden auch kommende Gebührenerhöhungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk so sicher sein wie das Amen in der Kirche.

Das nächste große Ding?

Was der Blick in die Glaskugel derzeit leider nicht hergibt, das sind klare Hinweise auf kommende technische Innovationen. Die diesjährige IFA in Berlin hinterlässt in dieser Hinsicht ein enttäuschendes Gefühl. Die TV-Bildschirme werden zwar mal wieder größer und flacher, die Bilder noch schärfer. Aber Innovation sieht anders aus.

Vielleicht steckt ja hinter dem Stichwort Virtual Reality (VR) das nächste ganz große Ding wie einst vor 50 Jahren die Einführung des Farbfernsehens in Deutschland. Filme und Serien mittendrin zu erleben, das wäre doch mal was. Vielleicht tragen ja bereits die Schiedsrichter bei der „Mega-WM“ 2026 ruckelfreie VR-Kameras mit sich herum, die uns dann ein tatsächlich vollkommen neues Stadionerlebnis garantieren? Wir werden es sehen.


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